Mein Leben mit den Kardashians

Wenn ich schreibe, dass das Leben unter Corona wundersame Stilblüten treibt, dann ist das noch untertrieben. Dinge passieren, von denen ich nicht mal gedacht hätte, dass ich sie jemals hier zulassen würde. Seit Neuestem gucken meine gelangweilten Kinder gerne Fernsehen, das andere beobachtet. Zu dicke Menschen, die sich abmühen dünner zu werden, Stars, die verzweifelt versuchen zu kochen oder Stars, die im Dschungel Maden essen, um endlich wieder berühmt zu werden. Alles Sendungen, die auf meinem Index ganz oben stehen und die wegen erhöhter Corona Langeweile inzwischen erlaubt sind. Jahrelang dachte ich Yakari der kleine Indianerjunge könnte mich kaum noch mehr nerven oder Conni, ein kleines einfältiges Mädchen, die angeblich stellvertretend für die Probleme und Gefühle der Kinder stand. Mondbär, der mit seinen Freunden, die Gefahren im Wald bekämpft hat wurde von mir ebenso angeschaut, wie Soy Luna, eine Liebesschmonzette für Präpubertierende: Aber nun sind wir bei etwas angekommen, was ich -nie nie nie- schauen wollte und ich tue es dennoch (ich behaupte vor mir, dass ich so verhindern kann, dass die Kinder alles das glauben, weil ich es relativiere, aber im Grunde bin ich EKEL-fasziniert)

KEEPING UP WITH THE KARDASHIANS:

Wer es noch noch nicht kennt. Das ist eine Serie, die eine Familie in Amerika beobachtet, die im Grunde alles haben und sich beim Alles haben filmen lassen. Die Töchter haben wahlweise Poimplantate oder aufgespritzte Lippen, fliegen am Wochenende nach Vegas oder holen sich mal eben einen neuen Hund aus dem Tiergeschäft. Jede einzelne dieser Kardashian Schwestern ist inzwischen weltberühmt und sehr reich und selbst die Kleinsten (die Serie ist von 2008) sind heute Super Models und führen die Forbes Liste der reichsten Amerikaner an.

Es ist verrückt blöd, aber es ist faszinierend. Ich schäme mich es zuzugeben, aber Mondbär war auf die Dauer schwerer zu ertragen. Wir sitzen vor dem Fernseher und kommentieren das Geschehen dieser seltsamen Familie, die die Kameras sogar zum Schwangerschaftstest vor die Toilette mitnehmen und wundern uns und lästern und schalten dennoch nicht ab.

Immerhin sagt das eine oder das andere Kind ab und zu einen Satz wie: ich würde mich nie so operieren lassen. (bei Heidi Klum wollen sie zumindest NIE ihre Stimme haben). Aber sie finden den ganzen komischen amerikanischen Prunk dennoch toll. Protzig, peinlich und spannend. Dass der Vater der Kinder inzwischen Transgender ist und zur Frau wurde, wussten meine Kinder vor mir und überhaupt scheint es für diese jungen Menschen heute keinerlei Dinge zu geben von denen sie noch nicht gehört haben. Peinlich ist das jedenfalls alles nicht. Der Vater von drei Kindern ist jetzt eine Frau? Hey, warum nicht, ist doch easy. Was hätte mich das früher beschäftigt, heute ist es kaum eine Diskussion von 5 Minuten wert.

Wenn ich nach einer bis maximal 2 Folgen rufe: „jetzt ist Schluss“, sind meine Kinder ganz enttäuscht. Es ist als ob sie in ein sagenumwobenes Märchenreich hinabgestiegen wären aus dem sie nun wieder auftauchen und die raue Welt in unserem grauen, uninteressanten Hamburg mühevoll betrachten. Wir haben nur EIN Auto vor dem Haus? Keine Skandale zu Hause? Kein Patchwork? Ihre Mutter war nie ein Supermodel?

Eines Tages werden sie so froh sein, dass wir keine Kardashians sind, aber bis dahin träumen sie weiter davon ein Leben zwischen reichen Irren zu führen und damit berühmt zu werden. Und ich lese abends im Bett heimlich deutsche Erzähler des 19.Jahrhunderts und bin froh, dass die Kinder nicht wissen, wie altertümlich ihre Mutter eigentlich wirklich ist. Keine Kardashian, eher eine aus der Zeit Fontanes oder Balzacs oder noch dramatischer . Ist das schön!!!

Das Leben geht weiter, nur anders…

Geht Ihnen das eigentlich auch so? Da draussen laufen alle rum, als wäre nichts gewesen, nur man selbst ist noch nicht soweit. Wir wohnen in Hamburg an der Elbe, unweit vom Strand. Die Temperaturen sind sommerlich und Flüge nach Ibiza sind so etwas von unnötig, wenn man beobachtet, was sich am Elbstrand abspielt. Halbnackte Menschen tummeln sich zu Hunderten am Wasser, die Musik brüllt, einige tanzen, als ob es um ihr Leben geht und dazwischen sitzen Kinder im Matsch, Hunde stürzen sich in die Wellen und Menschen wie ich rennen so schnell wie nur möglich nach Hause.

War das immer schon so oder ist es ein Nachholen nach Corona? Aber halt! Corona ist doch noch gar nicht vorbei??In Paris haben sie gestern gerade mal die Aussenterassen wieder geöffnet nach 3 Monaten Lockdown, ich war seit Februar in keinem Restaurant essen und es fehlt mir auch nicht. Die Kinder gehen nach wie vor kaum zur Schule und mühen sich durch Homeschooling, Maskenpflicht und leere Klassenzimmer mit Pfeilen, die ihnen die Laufrichtung anzeigen. Nur da draussen findet ein ganz anderes Leben statt.

Als ich gestern mitten in einem wunderschönem Gewitter über diese Tatsachen sinnierte, fiel mir ein Artikel in die Hand, der mir in dem Moment mehr als nur Corona erklärte. Er erklärte mir mein kompliziertes Seelenleben in und um Corona, aber auch das der Menschen da draussen, denen es gar nicht voll genug sein kann.

Der Autor heisst Jonathan Rauch und sein Artikel „Caring for your Introvert“(mit der wunderbaren Unterzeile: „the Habits and needs for a little-unterstood group) ist so ziemlich das Beste, was ich seit langem gelesen habe. Er ist bereits vor 17 Jahren erschienen und hätte ich ihn damals schon gelesen, hätte ich wahrscheinliche das eine oder andere in meinem Leben aufrichtiger und selbstbewusster gestaltet.

https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2003/03/caring-for-your-introvert/302696/

Der Artikel handelt mehr oder weniger davon, dass unsere Welt in introvertierte und extrovertierte Menschen unterteilt ist. Bis gestern hätte ich mich ohne zu überlegen zu den Extrovertierten eingeordnet: ich mag Menschen, ich rede gerne, ich bin nicht schüchtern und ich liebe das Leben. Aber nun weiss ich es besser. Denn die Seiten, die wahrscheinlich nur mein Mann und einige wenige gute Freunde an mir kennen, werden dort so deutlich beschrieben, dass es schon fast schmerzt. „Introverts“ mögen Menschen, aber sie ermüden auch schnell von Gesprächen und Eindrücken..Extroverts dagegen gewinnen Energie durch die Treffen oder Gespräche mit anderen Menschen…

Vor mir sehe ich auf einmal mein Leben seit der Pubertät. Wie ich mich mühe, wie die „anderen“ zu sein, wie ich auf Parties auf die Uhr gucke, weil ich mich darauf freue bald alleine im Bett zu liegen, die Fenster zu öffnen und die Stille der Nacht hereinzulassen. Momente, in denen ich zweifele normal zu sein. Lustiger Teenager, sorglos, einfach mal die Saurauslassen. Jahre in denen ich von „oh ist sie arrogant“, „denkt sie, sie ist was Besseres?“ bis hin zu „Spassbremse, sei nicht so ernst“ und „verklemmt“ bezeichnet wurde. Wie ich nie auf Konzerte ging und stattdessen den nächsten See abends zum schwimmen ansteuerte.

Um es gleich einmal richtigzustellen, nichts spricht gegen einen tollen Abend mit Freunden oder Familie. Aber während bei den einen der Energielevel immer höher geht, geht meiner immer weiter runter. Es ist als ob ein Fass irgendwann voll ist und dann nehme ich nichts mehr auf. Ich brauche Unmengen von Zeit, um Gefühle und Gespräche zu verarbeiten und kann im Prinzip erst danach wieder von vorne anfangen. Zwei Mal am Wochenende ausgehen könnte ich nicht mehr und wenn ich es tue, falle ich danach oft in ein tiefes Loch. Aber auch wenn ich mich danach richte ist das Loch oft da, weil man immer wieder denkt, ich will doch da sein für die anderen, die die ich mag. Warum muss das jetzt so schwierig sein?

Mein Mann ist ein typischer „Extrovert“. Er liebt Menschen, Gespräche, Parties und würde am liebsten eine Reise an die nächste reihen. Als er mich kennenlernte, hätte er sich wohl nicht im Traum denken können, dass ich so sei, aber ich muss ihm hoch anrechnen, dass er inzwischen damit umgehen kann. Mit dem Tag der Geburt unserer Kinder (und auch schon davor) war in unserem Leben immer was los und ich möchte es nicht eine Minute missen. Aber mein Bedürfnis nach Einsamkeit ist immer da. Manchmal nehme ich mir einen Babysitter ohne auszugehen. Ich gehe in den Keller und geniesse die Ruhe. Manchmal sitze ich eine halbe Stunde im Auto, denn auch da ist es ruhig. Mein Handy stelle ich still und seit die Kinder grösser sind und mich nicht mehr dauernd brauchen, liebe ich es eine Siesta zu machen, bei der ich selten schlafe, aber noch viel öfter schweige und wach bin.

Warum ich das alles am Anfang im Zusammenhang mit Corona gesetzt habe? Corona hat mich stark an meine „introverts“ Grenzen gebracht. Seit Ende Februar war ich so gut wie nie allein, ausser Nachts, wenn ich manchmal auftstand, um das Gefühl auszukosten, dass es still war und niemand sprach. Der Druck, das Homeschooling und vieles mehr hinzubekommen war so gross, dass ich am liebsten nur noch geweint hätte. Was nicht ging, weil ich Kinder habe und leider die Altersgrenze schon länger überschritten habe, in der man sich so hängenlassen darf. Alle sprachen davon, wie eng man durch Corona zusammenwächst und es kommt nicht gut an, wenn man sagt, naja… ja und nein, ich würde gerne alle rausschmeissen und einfach nur träumen und Ruhe haben. Ich würde oder hätte gerne Radios ausgemacht, Computer aus dem Fenster geschmissen, den stetig laufenden Fernseher leise gestellt, insgesamt mal für Ruhe gesorgt. Aber wie es der Artikel von Mr Rauch schon sagt, Introverts haben einen schweren Stand in dieser Gesellschaft. Wir gelten als sonderlich, manchmal egoistisch und einfach nicht cool.

SO IST MAN NICHT.

Das Positive an Corona war, zu lernen, dass meine Familie das Wichtigste überhaupt ist. All die Treffen mit Freunden oder Bekannten, die vielen kleinen oder grossen Begegnungen, die mich oft aus meinem innerlichen Gleichgewicht schmeissen, sind gar nicht so nötig, wie ich gedacht habe. Alle haben sich auf sich konzentriert in dieser Zeit und ich denke bis auf die wirklich Einsamen, die Menschen, die niemanden haben und dringend Ansprache gebraucht hätten, hat es vielen von uns gut getan mal einen Gang runterzufahren. Und die Extroverts können jetzt wieder voll durchstarten, während wir anderen einfach im Corona Modus bleiben.

Meine Aufgabe lautet, etwas aus all dem zu lernen. Jeder Tag braucht mindestens eine Stunde oder mehr Stille. Nur dann kann ich für alle so dasein, wie ich das gerne möchte. Ich meditiere wieder, weil einen das wirklich zwingt, alles stehen und liegenzulassen. Ich denke darüber nach, mich nicht so uncool und komisch zu finden, wie ich das in den vergangenen Jahren oft getan habe. Mit fast 50 sollte das möglich sein. Und: ich halte mich an den Schluss des Artikels, in dem es zwar darum geht wie die anderen einen behandeln sollen, ich das aber genauso für mich selbst anwenden kann…. Darin schreibt der Autor:

Wie unterstütze ich einen introvertierten Menschen in meinem Leben und respektiere ihn? „Als erstes erkenne, dass es keine WAHL ist und auch kein LEBENSSTIL, sonder eine ORIENTIERUNG, also etwas innerliches.“

Zweitens: wenn du einem Introvertierten begegnest, der in Gedanken verloren ist, frag ihn nicht: „Hey, was ist los? Oder bist du ok?“

und drittens: „sag am besten gar nichts mehr.“

Der letzte Satz war das Allerbeste. Denn nichts ist so schön, wie keine Erklärungen abgeben. In diesem Sinne, einen schönen, ruhigen Tag allen Gleichfühlenden da draussen. Und allen anderen: Seid froh, dass ihr extrovertiert seid. Ihr seid auf jeden Fall diejenigen, die von der Welt besser verstanden werden.

Deconfinement – oder wie wir uns nicht langsam, sondern sehr schnell wieder öffnen..

9 Wochen habe ich aufgepasst: Und wenn ich aufgepasst sage, dann meine ich wirklich aufgepasst: Hier lagen stets Handschuhe bereit, die Masken wurden abends gewaschen und hingen morgens trocken an der Tür, damit sich jeder eine nehmen konnte. Wir haben niemanden umarmt, niemanden angefasst, niemanden in unser Haus gelassen. Aber wenn ich die Bilder der vergangenen Tage in den Nachrichten sehe, frage ich mich, ob sich das alles wirklich gelohnt hat. Kaum öffneten die Geschäfte wieder und Menschen durften raus, scheint für so viele vergessen zu sein, um wen oder was es wirklich ging: um den Schutz: Der Alten, der Gefährdeten und eventuell auch um unseren. Auf der Hamburger Alster tummelten sich Menschen, die sich zu 8. auf Tretbooten stapelten, am Münchner Marienplatz wurde demonstriert, mit Kindern im Arm, vielfach ohne Maske. Ist das alles, was wir daraus gelernt haben?

Sehe Sie auch nur EINE Maske? Ich finde das völlig daneben…

Gute Freunde von uns leben in Singapur. Singapur traf die erste Welle schon viel früher. Wir bekamen mit, wie Kinder desinfiziert wurden und bei den Menschen dort vor den Büros und Schulen und Einkaufszentren Fieber gemessen wurde. Die Zahlen fielen und dann stiegen sie wieder nachdem dort alles wieder seinen normalen Gang genommen hatte. Nun ist Singapur bis zum 1.Juni im Lockdown und zwar so hart und streng wie in Frankreich zuvor. Das Haus darf man nur kurz verlassen, nichts geht mehr. Wollen wir das auch? Ich jedenfalls nicht.

Mir tun meine Kinder leid, die endlich wieder zur Schule wollen. Meine Mutter, meine Schwiegereltern, die Lust haben sich wieder mit Freunden und Familie zu treffen. Meine Schwester, die zurück nach Tansania will. Das alles ist noch so fragil, das man Angst hat, es könnte jede Minute in sich zusammenbrechen.

Meine grosse Tochter ging heute das erste Mal nach 2 1/2 Monaten wieder zur Schule. Zu einer Doppelstunde Deutsch. Morgen hat sie Englisch. Übermorgen Mathe. Viel mehr lässt sich nicht organisieren für eine Schule in der es allein 5 sechste Klassen à 28 Schülern gibt, plus die 10. und 11. Klassen.

Mit meiner kleinen Tochter kämpfe ich mich weiter durch das Homeschooling, jeden Tag etwas weniger engagiert. Ich frage mich wieviel Stoff ihr nächstes Jahr fehlen wird und wer darauf Rücksicht nehmen wird, wenn sie die Vokabeln nicht kann, die Grammatik nicht verstanden hat oder Flächeninhalte nicht berechnen kann?Nachts liege ich oft wach und mache mir Sorgen. Die Kinder sind die wirklich Leidtragenden in Zukunft.

Heute darf V. zum ersten Mal seit Februar in ihre Tennisstunde. Ich bin gespannt, wie sie es finden wird. Die Vorgaben sind sehr klar: Die Kinder werden Handschuhe tragen, es gilt Maskenpflicht, die Halle darf nicht betreten werden. Missachten sie eine dieser Regeln, dann dürfen sie nicht mehr trainieren. Ich bin gespannt, ob das klappt und wie sich das anfühlt. Die Kinder spielen ja auch Tennis, um ihre Freunde zu sehen, um Spass zu haben, um sich frei zu fühlen. Es ist kein REINER Sport, sondern viel mehr.

An die Masken gewöhnen wir uns ohnehin alle nur schwer. Neulich stand ich telefonierend im Supermarkt, als ich dachte, ich werde ohnmächtig. Sprechen, atmen und Maske geht nicht. Auch seine Essensauswahl sollte man bedenken. Nach einer Riesenportion Spagetti Aglio Olio hat es mich vor ein paar Tagen beinahe in die Knie gezwungen, weil ich meinen eigenen Mundgeruch ertragen musste. Knoblauch ist erstmal vom Speiseplan gestrichen. Vielleicht abends, aber auf keinen Fall Mittags, wenn ich noch einmal rausmuss.

Die lustigen Videos haben aufgehört. Ist Ihnen das auch schon aufgefallen? Niemand schickt mehr eines. Das Toilettenpapier ist nicht mehr ausverkauft, Trockenhefe ist wieder im Angebot, nur die Schlangen vor den Geschäften sind geblieben. Mein armer Mann hatte am Sonntag mal wieder mit dem Doppel Muttertagsproblem zu kämpfen. Obwohl er eigentlich nur eine Mutter hat, muss er seit der Geburt der Kinder Muttertags immer hinaus und 2 Blumensträusse ergattern, bislang haben unsere Töchter das noch nicht geschafft, obwohl ich ihnen Jahr für Jahr erzähle, dass ich NICHT Papas Mutter bin. Diesen Sonntag jedenfalls führte sein Weg durch die Stadt vorbei an Blumenläden mit Schlangen, Bäckereien mit Schlangen und als er endlich von seiner Mutter (immerhin dort, keine Schlange 🙂 und all diesen Schlangen zurück war, sah er so erschöpft aus, dass wir eigentlich Vatertag hätten feiern sollen. Meine grosse Tochter hatte mich auch an diesem Tag nur mit dem Handy im Gesicht kurz und knapp begrüsst und mich daran erinnert, dass ich ja immer gesagt hätte, Muttertag sei nicht so wichtig. Die Kleine hatte eine Riesentorte gebacken. Allerdings schon Tage vorher und auch eher zu ihrem Spass. Aber wie war das nochmal mit dem Mutter sein? Ego abgeben und Klappe halten, dann läuft es am besten. Und ich habe ja immer noch meinen Mann, den ich bemuttern kann..

der wunderschöne Blumenstrauss meines Mannes (offiziell der meiner Töchter)
Stolze Tochter, Tage vorher mit Torte

Hilfe!!!Ich leide an Gehirnverlust….

Heute vor 8 Wochen war ich noch ein anderer Mensch; ich will nicht unbedingt behaupten, dass ich intelligenter oder viel klüger war, aber in jedem Fall war ich Herr meiner Sinne. Dann kam dieses Corona Ding und von Woche zu Woche passierten mehr seltsame Dinge. Ich verlege viel und finde es nicht mehr, obwohl ich das Haus kaum verlasse, mir fallen Namen nicht mehr ein. Wochentage sind längst Makulatur, für wen oder was ist es schon wichtig, ob heute Dienstag oder Donnerstag ist? Homeschooling ist mein letzter verhasster Pfeiler, der mich an Abgabetermine erinnert, aber auch da lernen wir jeden Tag, so dass die die Idee eines WochenENDES auch vorbei ist. Es fühlt sich an wie ein langer, zäher Fluss. Kein Gebirgsbach, sondern ein schlammiger Fluss, der jeden Tag etwas dreckiger und tümpeliger wird. Die Kinder wachzukriegen ist inzwischen ein Ding der Unmöglichkeit, Nachts hört man gegen 1 Uhr 30 Kinderfüsse Richtung Küche wandern – auf der Suche nach einer weiteren Mahlzeit – und dazwischen das Miauen unseres Katers, der verwirrt bis verärgert darauf reagiert, dass es hier keine klaren Abläufe mehr gibt. Inzwischen weiss ich, dass ich mit meinem Hass auf das Homeschooling nicht alleine bin, ich habe unzählige Blogs dazu gelesen und bin am Ende dennoch alleine mit dem Gefühl, dass die Kinder schrecklich viel Stoff verpassen, weil wir zwar Arbeitsblätter ohne Ende abarbeiten, aber wenn ich sie etwas dazu frage, nicht viel hängenbleibt. Wer gerne Blogs liest dem sei dennoch dieser empfohlen:

https://www.stadtlandmama.de

Mein persönlicher Lieblingsblog, da sie immer das schreiben, was ich kurz zuvor gedacht, aber noch nicht zu Papier gebracht habe.

Aber zurück zu meinen einleitenden Gedanken…Heute Morgen hat diese oben erwähnte Verwirrung einen neuen Höhepunkt gefunden, als ich – ganz Frau Holle- die Betten lüften wollte und erstmal das ganze Bettzeug tief herunter in den Garten geworfen habe. Da stand ich nun und wunderte mich wie schön unsere Bettdecke auf dem Lavendel aussah. Auf dem Weg Richtung Garten nahm ich ein paar Schüsselchen und alte Tassen mit, von denen ich nicht mehr wusste, wie lange sie wohl schon bei den Kindern gestanden hatten, die aber zumindest noch keinen Schimmel angesetzt hatten und überlegte, ob man nicht noch mehr parallel mitnehmen konnte, als ich auch schon den Wäschesack unterm Arm hatte. Unten angekommen passierte, was passieren musste: ein Glas, das quer über dem Wäschesack an meinen Fingern hing, kippte aus und floss über den Teppich. Ich liess alles fallen, wischte schnell alles zusammen und rief meiner Tochter etwas zu, die mir im selben Moment die Treppe herunterfiel. In meiner Bemühung das Kind zu retten, lief ich in die noch nasse Pfütze und rutsche mit voller Geschwindigkeit aus. Verzweifelt drückte ich meinen inneren Reset Knopf und sagte dem Kind, dass wir uns nun erstmal einen Kakao und einen Café machen würden, auf den Schreck. Und ehe ich mich versah, kippte ich das Kakaopulver in den Café und gab meiner Tochter eine warme Milch. Tja, das war der Anfang dieses wunderbaren Tages. Ich bin ein bisschen in Sorge wie es weitergeht und so läuft es Tag für Tag und wird immer schlimmer. Vielleicht muss ich eine Art Wiedereingliederungskurs in die Gesellschaft buchen – nach Corona. Leicht wird es auf jeden Fall nicht.

Gut bin ich seit Corona nur im Kochen, Serien gucken, Garten machen. Manchmal auch Spazierengehen.

Alles andere läuft mittelmässig.

Naja wobei ich auf die Pluspunkteliste setzen könnte, dass ich gestern erstmals seit Mitte Februar wieder Tennisspielen durfte. Wir haben Pfeile wie wir den Platz betreten dürfen und wo wir heruntergehen, eine kleine Choreopgraphie gewissermassen. Handschuhe und Mundschutz sind Pflicht und insgesamt ist das ganze ziemlich schwierig, aber mir hat es dennoch gutgetan endlich mal etwas zu tun, was mich wachgerüttelt hat. Wobei das ja offenbar nicht lange angedauert hat, wenn man den heutigen Morgen betrachtet.

Eine kleine Geschichte noch zum Schluss : in Frankreich haben sie eine Umfrage gemacht, wie viele Paare eine zweite Corona Welle nochmal so gemeinsam erleben würden. Ich meine die Frage an sich ist ja schon komisch ( und wurde vielleicht im Original, das mir nicht vorliegt, etwas anders gestellt), aber entscheidend ist die Antwort:

12 % würden es nicht nochmal mit dem selben Partner machen.

Das lasse ich jetzt mal so stehen und will nur so viel sagen, bei uns ist es zum Glück besser gelaufen. Ich habe zwar keinen Gesprächsstoff mehr und bin geistig verwirrt, aber mein Ehemann scheint mich dennoch noch zu mögen. Und ich ihn auch. Darüber kann man sich ja auch freuen.

Totaler lockdown im Hause. Nichts geht mehr.

Bei uns ist die Luft raus. So richtig. Und ich weiss gerade nicht, wie ich den Motor wieder anwerfen kann. Meine letzte Energie habe ich in den 50.Geburtstag meines Mannes gesteckt, der – trotz Corona- wirklich schön wurde. Wir haben viele liebe Menschen auf Abstand gesehen, keiner aus der Nachbarschaft hat uns angezeigt, obwohl sich zwischenzeitlich auch mal mehr als 4 Menschen in unserem Garten befanden und das Wetter hat auch mitgemacht. (wichtigster Punkt in Corona Zeiten, da man sich ja drinnen schlecht auf 1,50 m aufteilen kann)

nein diese Torte habe ich NICHT selber gebacken

Dann wurde Kind eins krank, mit einer wirklich schmerzhaften Gehörgangsentzündung und Schule war kaum noch zu bewältigen. Dann wurde Kind 2 krank mit etwas, was wir noch nicht benennen können, aber so weh tut, dass sie nicht richtig essen und trinken kann. Wenn man davor schon 8 Wochen miteinander verbracht hat, wird das Ganze so allmählich zur Nervenprobe. Die Aufgaben aus der Schule kommen weiter rein und Aufgeben ist keine Alternative, aber manchmal möchte man einfach hinschmeissen.

Gestern kam es zum endgültigen Showdown, als ich meiner Tochter fast 20 Minuten erklären sollte, was ein Dezimeter ist. Eigentlich hatte ich nur alte Mathe Aufgaben rausgesucht, die wir wiederholen sollten, aber inzwischen ist alles Schulische nur noch Blockade. Irgendwann schrie ich und warf ein Buch auf den Boden, dann schrie ihre Schwester, dann gingen sie beide aufeinander los: Im Nachhinein dachte ich, warum hast du sie sich nicht prügeln lassen? Das hat früher bei uns funktioniert und den Druck rausgenommen und Jungs machen das auch, nur ich Trottel habe es wieder versucht friedlich zu lösen. Was überhaupt nicht funktioniert hat.

Ich will nicht zu viel verraten, aber der Tag ging eindeutig aggressiv weiter. Ein Busfahrer schrie mich an, weil ich auf seiner Spur stand, ein Radfahrer trat gegen mein Auto, weil ich danach auf seiner Spur stand. Davor war meine Tochter in Tränen ausgebrochen, weil ihr der HNO Blutabnehmen wollte und sie sich von mir nicht trösten lassen wollte, weil ich im falschen Moment das falsche Gesicht dazu gemacht hatte und irgendwann dann sass ich allein im Auto und heulte auch und wollte gar nicht mehr aufhören, weil ich das Gefühl hatte das einfach alles, wirklich alles schieflief,. Als ich dann nach Hause kam und auch noch die Email einer Lehrerin im Eingang hatte, die mich mehr als eindringlich des Helikoptermutterdaseins beschuldigte, war bei mir das Ende der endlosen Geduldsspanne erreicht. Erst fuhr ich in die Autowaschanlage, um in Ruhe in mich hineinzujammern, dann an den Strand und dann ohne noch mit jemanden zu reden ins Bett.

Einsam, alleine, glücklich. Der Strand am Abend

Mit der Lehrerin rede ich nie wieder, weil ihr sonst alles um die Ohren hauen würde, was sich bei mir seit Wochen angesammelt hat. Über 10- jährige Kinder, die alleine Word Dateien in PDF umwandeln sollen, nebenbei Powerpoint Präsentationen entwerfen müssen und Opern analysieren, während das Moos abgewogen wird und Flechten gemessen werden. Und deren Mütter einfach nur versuchen zu helfen, damit sie nicht untergehen im Homeschooling Sumpf und dann in die Helikopter Gruppe eingeordnet werden.

Ich hatte also die Lehrerin satt, Corona satt, meine Familie kurzfristig auch satt, die ständige Nähe und das Antreiben der Kinder. Mir fehlten meine Freundinnen und die Ruhe am Morgen, wenn alle zur Schule gingen und mein Mann zur Arbeit. Mir fehlt mein NDR Kultur mit meiner dampfenden Tasse Tee und all diese rituellen, ruhigen Momente, die mir so viel bedeuten. Jeden Morgen Streit wegen der Schule schaffen mich so sehr, dass ab 14 Uhr jede Luft raus ist. Und danach geht der Kampf los, dass Kinder an die Luft sollen, nicht am Handy sein, nicht am Computer sein, nicht nur im Bett liegen, im Haushalt helfen…Am Ende gibt es dann wieder Streit, weil sie alle denken, ihre Mutter sei eine zickige, ständig nörgelnde Problembombe, der man besser aus dem Weg geht.

Wer hat eigentlich die Idee erfunden, dass Mütter die Laune immer oben halten sollen? Bin ich ein 7/eleven Shop der 24 Stunden am Tag geöffnet hat und den jeder aber auch wirklich jeder betreten darf? Warum ist es so verwerflich als Mutter schlechte Laune zu haben oder ungerecht zu sein? Bevor ich Kinder bekam, war ich auch keine moralisch einwandfreie Person, warum sollte ich auf einmal so viel besser geworden sein, nur weil da jetzt Babys waren? Wie auch immer – gestern habe ich hier jedenfalls stark verbrannte Erde hinterlassen. Heute muss ich mich ans Giessen machen, damit wieder etwas wächst.

Trotz dieses üblen Tages gestern musste ich am Ende doch noch lachen. Ein letzter Blick auf Instagram zeigte mir, was die Menschen an diesem 4.Mai am meisten beschäftigt haben musste:

Die Friseure hatten wieder geöffnet und offensichtlich hatte das Gros meiner Bekannten NUR auf diesen Tag gewartet. Noch nie habe ich so viele Posts gesehen von Menschen, die Alufolie im Haar hatten und glücklich in die Kamera strahlten, weil man ihnen endlich ihren grauen Haaransatz genommen hatte. Da das sicher keine spontane Aktion war, mussten sie es alle von langer Hand geplant haben, so wichtig waren ihnen ihre Haare. Vielleicht hätten wir zusätzlich zur Maskenpflicht auch eine Mützenpflicht einführen sollen? Dann nimmt der Druck stark ab, Haare zu färben und das dann ja auch noch alle 6 Wochen zu wiederholen. So sind wir also alle nur „Menschen“. Meine Haarprobleme habe ich längst selbst mit einer Packung aus dem Drogeriemarkt gelöst, dafür renne ich allerdings heute Abend zur Fusspflege. Die sehen nämlich aus als ob ich 7 Wochen bei den Hobbits im Wald verbracht hätte. Und das muss ja nicht sein, Corona hin oder her.

Häusliche Enge und neue Erkenntnisse. Corona sei Dank

Heute ist der Internationale Tag des Nasenbohrens. Wer hätte das gedacht!Es gibt ja die absurdesten Tage, wenn man davon 365 zu vergeben hat, aber den Tag des Nasenbohrens? In Corona Zeiten ist ein derartiger Festtag höchst umstritten und so wunderte ich mich auch nur wenig, dass eine Medizinerin der Berliner Charité sogleich dazu aufrief, das Nasenbohren zu unterlassen: „So könne der Virus weiter verbreitet werden.“ Wo sie Recht hat, hat sie recht, aber sagen sie das mal den Zigtausenden Kindern da draussen auf der Strasse, deren Finger quasi in ihrer Nase festgewachsen sind? Meine Töchter haben damals im Prinzip einen neuen Nationalsport daraus gemacht. Und auch als Heuschnupfenopfer, wie ich eines bin, ist Nasenbohren durchaus etwas, was vorkommt. Dauernd kratzt und kribbelt es, muss ich mir jetzt jedes Mal die Hände desinfizieren? Ziemlich entscheidende Fragen, die an so einem WELTTAG aufgeworfen werden, dessen Ursprung völlig im Dunkeln liegt, wie ja auch das, was wir beim Nasenbohren herausholen wollen…

Meine Tochter hat seit gestern Corona. Also, sie vermutet, das sie es hat. Wie immer in den letzten Wochen fühlt sie sich schlecht, aber seit gestern – sagt sie- hat sie auch ihren Geschmackssinn verloren. Meine ärztliche Meinung will ja keiner hören, aber mit grosser Verwunderung sah ich zu, wie das Kind ohne Geschmackssinn ein Steak vertilgte und bei der Kräuterbutter vor Genuss laut aufstöhnte. Kann man bei Corona etwa Kräuterbutter extra schmecken? Heute Morgen servierte ich dem armen, kranken Kind Tee und ein Nutellabrot ans Bett. Ich muss gestehen, es war aus niederträchtigen Gründen. Da sie weder Fieber noch andere bedenkliche Zeichen hat, wollte ich ihren Geschmackssinn testen und siehe da, das Nutella Brot brachte ihr Gesicht zum Leuchten: Meine Diagnose als Dr.Dr. Mutter: Erhöhtes traumatisches Phlegma nach zu viel Homeschooling, wenig Sport und übermässigen Corona News im Fernsehen.

Apropos Fernsehen: Mein Mann und ich gucken derzeit die Serie Narcos auf Netflix. Das ist nichts für schwache Nerven, da das Leben von Pablo Escobar, dem kolumbianischen Drogenbaron wirklich gepflastert von Leichen ist. Ständig wird jemand umgebracht und zwischendurch brauche auch ich mal eine Pause von all den Opfern. De Serie ist dennoch toll, aber eben nur in Häppchen zu geniessen.

Selbstverständlich geben wir uns Mühe, dass kein Kind in der Nähe ist, wenn halb Medellin sich gegenseitig erschiesst, aber neulich sass unsere Kleine bei uns, als Pablo ausnahmsweise einmal nur mit seiner Familie eine nette, ungefährliche Szene hatte. V. war sehr nachdenklich danach und erklärte ihrem verdutzten Vater, er sähe aus wie Pablo Escobar. Er hätte den selben, zu männlichen Gang und überhaupt sei da eine grosse Ähnlichkeit. Wir haben es nicht verstanden, aber denken noch darüber nach, ob es ein Kompliment oder eher ein Problem ist. V. hat ohnehin sehr mit allem Männlichen zu kämpfen. Meinem Mann riet sie neulich, sich die Achseln zu rasieren, das sei viel männlicher, als so schrecklich viele Haare da zu haben. Warten wir ab, was als nächstes kommt.

Für heute erwarte ich keine weiteren Dramen mehr. Das Kind will Germanys Next Topmodell gucken, was bei mir eigentlich auf dem Index steht. Mal sehen, ob uns auch ein paar fiese Fragen danach einfallen. Vielleicht sagen wir ihr, dass sie uns an Heidi Klum erinnert? Aber nein, so gemein sind wir nicht…..

Corona ungeachtet – Mein Pubertier muss wieder zur Schule

Endlich gibt es einen Termin für das Ende meiner Lehrtätigkeit. Am 4.Mai soll – zumindest die Grössere – wieder zur Schule. Ich bin mal gespannt, wie das funktionieren wird. Bis zuletzt scheint niemand zu wissen, wie und wann, wieviele Kinder in welchen Fächern unterrichtet werden sollen. Grossartige Voraussetzungen für den Unterricht, aber ich freue mich dennoch. Ein Kind weniger, das ich mit ekelhaften Druckmitteln aus dem Bett quälen muss und mich schon eine Stunde später fragt, wann es sein Handy endlich haben darf. Sechs Wochen nach dem Rückzug von aller Normalität hat Corona nicht unbedingt das Beste aus uns gemacht. Ich verwechsele Tage, gehe zu spät ins Bett, finde Dinge nicht mehr wieder. Es ist als ob eine grosse Trägheit sich über mein Gehirn gelegt hätte und jede kleine Aufgabe schon eine Aufgabe zu viel sein könnte.

Kein Wunder, dass es unter solchen Umständen auch zu Kämpfen mit den angehenden Pubertieren kommt. Neulich hatte meine grosse Tochter 9 Stunden Bildschirmzeit auf dem Handy. Der Schock sass auf beiden Seiten tief. Verwahrlosung würde es wohl am besten umschreiben. Aber es ist tatsächlich so, dass auch mein Mann und ich zuweilen (es war am Wochenende) stundenlang im Garten liegen und dem grossen Kind Glauben schenkten, dass es Hausaufgaben machen wollte. Die hat sie im übrigen tatsächlich gemacht, aber dazu gab es entweder Musik oder ein Telefonat oder ein bisschen TikTok. Und irgendwann waren 9 Stunden erreicht. Was macht man als Eltern, wenn man eigentlich die Schuld zuerst bei sich sucht? Man wird wütend. Und das wurden wir dann auch und alle meine tollen Bücher, die ich gerade über das Verständnis pubertierender Mädchen gelesen hatte, waren wieder zunichte.

Darin hatte ich gelernt, dass immer BEZIEHUNG im Vordergrund steht (kann man natürlich nicht aufbauen, wenn man mit Mann im Garten liegt, wobei die Beziehung zu IHM so deutlich besser wird)

Wut soll man lernen wegzuatmen (ein.aus.ein.aus.ein) Sonst einfach mal den Kindern sagen:“ Du ich gehe mal in ein anderes Zimmer und muss Dampf ablassen, wir sprechen danach.“ DAS werde ich wahrscheinlich nie lernen, denn wenn ich wütend werde, hat das einen Grund und dann will ich ja, dass die andere Seite das weiss.

Im Grossen und Ganzen war das Buch dennoch in Ordnung (bzw. die Bücher, ich mache keine halben Sachen) Einerseits war es schuld an Valentinas 9 Stunden, denn an dem Tag habe ich alle ausgelesen, andrerseits verstand ich, dass hyperautoritäre Grenzen in dieser Zeit nichts bringen. Es gilt, Kontakt zu halten, selbst wenn es schwer fällt. Also atmete ich tief ein und aus, als mir meine Tochter kurz darauf sagte, sie fände mich streckenweise so peinlich, dass sie nicht in einem Raum mit mir sein wolle.

Gut, dass das jetzt bald anders ist. Das Schicksal schickt sie zurück ins Klassenzimmer und ich darf mich auf EIN Schulkind konzentrieren, das ich noch eine Weile zu Hause unterrichten darf. Die hat zwar auch keine Lust mehr, ist aber mit 10 Jahren noch etwas lenkbarer. Mal sehen, wie lange noch.

Neulich sah ich bei Facebook einen Post, der mir im Einzelnen zeigte, was im Grossen gerade passierte. Eine Freundin von mir, erfahrene Journalistin, die schon aus Kriegsgebieten in Afrika berichtet hat und vieles mehr, fährt um Kiel herum nun Brötchen aus. Eine Frau, die Journalistenkurse gibt und mit der ich jahrelang Nachrichten gemacht hat, bringt den Menschen Brötchen, für 450 Euro im Monat. Sie hat drei Kinder zu ernähren und sich selbst. Sie hat keine Wahl. Wie so viele andere auch, aber es im einzelnen zu sehen, war doch schockierend. So viele Menschen, die schon jetzt nicht mehr wissen, wie sie ihr Leben finanzieren sollen…Wo soll das bloss enden???

Ab Montag herrscht in Hamburg Maskenpflicht und es erstaunt mich sehr, dass die Hamburger darauf mehr oder weniger unvorbereitet reagieren. Gestern war die Schlange vor unserem Maskenschneider so lang, dass unsere Einkaufsstrasse voll von Menschen war, die noch eine ergattern wollten. Aber diese Maskenpflicht war doch alles andere als eine Überraschung?! Auch vor der Einführung der PFLICHT war doch schon klar, dass man mit Masken sich und andere schützen kann. Sind wir Deutschen wirklich so obrigkeitshörig, dass wir lieber gar keine tragen, nur weil ein paar Virologen und Politiker sich darüber streiten, ob und wieviele Viren in welche Richtung durch den Stoff dringen könnten?Besser eine als keine, muss die Devise lauten und ehrlichgesagt, selbst eine dieser Mega Masken mit Filter von denen ich welche habe, werden offenbar nicht anerkannt. Ich habe ihnen heute den Namen EGOISTEN Masken gegeben. Warum? Eine Freundin von mir, die sich in einer Krebstherapie befindet war mit der Maske, (die ich ihr extra zum Schutz gegeben hatte), zur Infusion erschienen und man erklärte ihr, sie solle sie abnehmen. Sie sei zwar geschützt (was ja im Falle so einer Erkrankung eigentlich das Wichtigste sein sollte), aber durch den Filter, der auf diesen Masken sitzt, könnten andere angesteckt werden. Die Alternative war eine dieser dünnen OP Masken. Dass ich das nicht verstehe, ist hoffentlich nicht schlimm, oder? All diese kranken Menschen sitzen dort nah auf nah bei der Chemo und anderen Therapien und dann nimmt man ihr diese Masken, um die sich in Hamburg alle Arztpraxen prügeln, einfach weg. Seltsam.

Zum Schluss noch diese als Bajuwarin wichtige Angelegenheit. Die Wiesn wurde abgesagt. Nicht, dass ich da in den vergangenen Jahren noch hingegangen wäre, aber es ist so undenkbar, wie wenn Söder Weihnachten streichen würde. Die Wiesn war einfach IMMER und selbst in dem Jahr als es dort einen Bombenanschlag am Eingang des Oktoberfests gegeben hat, wurde nicht abgesagt. Nun schlägt ein Virus alles. Ich fürchte wir müssen uns die kommenden Monate noch auf viel mehr gefasst machen.

Die positivste Meldung von gestern: Hamburgs Einbrüche sind um 45 % zurückgegangen. Endlich einmal ein schöner Corona Effekt. Wir sind alle zu Hause und das nervt die, die reinwollen. Wie wunderbar. Nur in der Gegend um Harburg soll der Effekt nicht zum Tragen gekommen sein. Warum konnte mir der Zeitungsartikel allerdings auch nicht sagen.

So, nun beginnt ein weiterer schöner Tag in der Reihe der vielen sonnigen Corona Tage. Meine Kinder wollen keine Hausaufgaben machen, ich auch nicht und die Lösung werde ich wohl nicht bei Google finden. Drücken sie mir die Daumen, dass mir was einfällt, um den müden Haufen hier zu motivieren. Nichts ist schwieriger als das.

Ich weiss, dass ich nichts weiss. Über das Warten auf irgendwas.

Geht Ihnen das auch so? Am Anfang haben wir stündlich Nachrichten geguckt, haben Fallzahlen studiert, den Verdopplungsquotienten und wie das nicht alles heisst. Wir waren kleine Virologen und wenn man – wie ich – noch etwa 10 weitere angeblich intelligente Nachrichtenblogs abonniert hatte, kam man aus dem Lesen nicht mehr raus. Würde man meine Infokurve zeichnen, sähe sie dramatisch aus: steil nach unten fallend. Ich interessiere mich inzwischen so gut wie gar nicht mehr für die Nachrichten. Auch wenn ich die ZDF Heute immer gucke, weil es einfach MEINE Sendung war (die ich einst stolz moderiert habe) kommt spätestens dann der Fremdschämeffekt , wenn der oder die Moderatoren ankündigen: „Und hier die aktuellen Zahlen der Johns Hopkins Universität. Es klingt inzwischen wie: „Und hier die Lottozahlen “ oder “ und „hier jetzt noch das Wetter“. Ich will es nicht wissen.

Wissenswert wäre, wie es mit meinen faulen Kindern weitergeht, die -während ich diesen Blog schreibe- noch nicht aus den Betten zu kriegen waren. Jeden Tag legt sich ein grösseres Phlegma über uns und sie sind immer schwerer zu etwas motivieren.

Gestern war ich kurz davor meinen Lehrerjob endgültig hinzuschmeissen, weil unsere Schule an jedem irgendwie möglichen Wettbewerb teilnimmt und während andere Freundinnen von mir locker durch 2 morgendliche Schulstunden kommen, sitze ich nachmittags immer noch am Tisch, um Dateien irgendwelcher Moosversuche zu konvertieren, die dann am Montag in den nächsten Wettbewerb eingeschickt werden sollen.

Gestern war der Mathe Känguru Wettbewerb. 75 Minuten sollten die Kinder Zeit haben für 4 Seiten Knobelaufgaben und Mütter sollten selbstverständlich NICHT helfen. Ich habe mich im Vorfeld bereits gefragt, warum sie das dann unbedingt zu Hause durchziehen müssen? In der Schule klappt so etwas, aber zu Hause? Nennen sie mir ein Kind, das nicht verzweifelt seine Mutter angucken würde, wenn es vor ihm etliche unlösbare Aufgaben hat. Was mich gestern wieder einmal zu der Frage brachte, ob ich zu den moralisch verwerflichen Kategorien von Müttern gehöre. Ich arbeite NICHT 6 Stunden am Tag mit Ihnen, ich bin froh, wenn ich mal für mich Zeit habe, ich helfe bei Experimenten, damit die Sache irgendwann abgehakt werden kann und ich habe auch nichts dagegen, dass sie nachmittags am Computer spielen. Neulich erzählte mir eine befreundete Mutter, sie würde die Kinder morgens früh wecken, dann gäbe es zwei Lernslots bis 16 Uhr!!!!Mit einer längeren Mittagspause (immerhin). Danach müssten sie Sport treiben und dann gäbe es Abendessen.

So etwas deprimiert mich zutiefst. Ich weiss nicht, wer mir mehr leid tut. Die Kinder, die Mutter oder ich, die ich in solchen Momenten das Gefühl habe, das aus meinen Kinder nie etwas werden wird, weil sie von mir nur Blödsinn lernen.

Apropos Blödsinn, ich schrieb ja bereits darüber, dass mein Intellekt bedrohlich abflacht. Von Maria Theresias Biographie (nie zu Ende gelesen) zu Beginn der Pandemie, hin zu englischen Krimis und nun bin ich bei Pubertät Ratgebern (sehr erheiternd und vor allem aufbauend) und einem wunderbaren Buch über den alternden Hals von Nora Ephron. Sie war eine der einflussreichsten Frauen der amerikanischen Filmindustrie und ihr haben wir so tolle Filme wie Harry und Sally oder Schlaflos in Seattle zu verdanken. Aber zurück zum Buch. Es heisst:“ Der Hals lügt nie“ und wurde mir von einer durchaus klugen Frau empfohlen, die sagte, sie hätte lange nicht mehr so gelacht. Und Tatsache ist, es ist köstlich. Ab 43 altert unser Hals und egal, was wir mit unserem Gesicht anstellen oder welche guten Gene wir haben oder uns anoperieren, der Hals zeigt unser wahres Alter. Jeden Nachmittag liege ich nun im Garten und lache vor mich hin, wenn sie beschreibt, wie in New Yorker Lunch Restaurants beinahe alle Frauen der Gesellschaft Stehkragen, Schals oder Rollkragenpullover tragen.

Sehr zu empfehlen für alle Frauen über 43

Vielleicht sollte ich auch nochmal ein Buch schreiben, über wabblige Oberarme. Die Kinder sind der Meinung, dass man die besser auch nicht mehr zeigt. Wenn sie sehr gemein zu mir sind, kommen sie von hinten und piksen mir in die unteren Oberarme und wenn es dann wackelt, schreien sie glücklich vor lauter Ekel darüber, dass an ihrer Mutter nicht alles so fest und straff ist wie an Kylie Jenner, die sie- sehr zu meinem Unglück- toll finden.

Aber noch einmal zurück zur Überschrift: heute erreichte uns wieder einmal ein Elternbrief der Schule und ich wollte ihn schon gar nicht mehr öffnen, weil ich den Inhalt ahnte. Auch Frau Merkels Rede hat unsere Schulleitung nicht deutlich klarer werden lassen. Sie beraten jetzt, wie es weitergehen könnte, aber eigentlich wissen sie es auch nicht. Es muss hart sein in diesen Tagen eine Schule zu leiten.Irgendeiner meckert immer. Da lobe ich mir doch meine antike Einstellung zu den Dingen:

Ich weiss, dass ich nichts weiss.

Damit kommt man immer weiter. In diesem Sinne, einen schönen Tag.

Corona = Normal – und was danach?

Die 5. Woche Rückzug ist angebrochen bzw. wir befinden uns bereits mitten drin und alles hat sich eingespielt. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass ich es normal finde. Zu Hause sein, lernen, kochen, schlafen, essen und wieder essen. Manchmal mache ich mir etwas Sorgen um meinen Energiepegel. Noch nie war ich so müde wie jetzt, was die Frage aufwirft, ob ich DAVOR unachtsam über meine Bedürfnisse hinweggefegt bin und jetzt spüre, wie ich mich wirklich fühle. Oder aber, das Nichtstun macht müde. Ich fürchte letzteres dürfte stimmen. Nach 4 Tagen Home-schooling-freier Zone an Ostern, wunderbaren Wetters, grösstmöglichster Harmonie zu Hause und so weiter und so fort, beschloss ich gestern, dass es Zeit für Aktivität sei. Nach unser vormittäglichen Schuleinheit musste ich mit der Grossen zum Pneumologen (ja ausgerechnet), wo sie Ihren vierteljährlichen Lungenfunktionstest machen musste. Nicht ganz unbeschwert klingelten wir an der Praxistür, ziemlich in Sorge, dass wir überall auf Corona Patienten treffen könnten und bekamen erst einmal nur eine Stimme zu hören:

„Haben sie einen Termin?“. Wir: „Ja.“ Praxis: „gut dann dürfen sie in den ersten Stock hoch, aber noch nicht eintreten, bitte erst den Zettel ausfüllen.“ Das taten wir dann auch und bekamen einen Liste von evtl. Beschwerden wie Durchfall, Halsschmerzen und Husten. Wenn man auch nur einmal „Ja“ ankreuzte, durfte man direkt wieder gehen. Bei „nein“ blieb die Option ein weiteres Mal zu klingeln. Da wir Nein angekreuzt hatten, klingelten wir also und wurden alleine in ein Wartezimmer geführt, was normalerweise so voll ist wie der Hauptbahnhof am Mittag.

2 Wartezimmer gibt es in der Praxis und genau 2 Patienten dürfen in die gesamte Praxis. Ich war beeindruckt, wie vorsichtig und effizient dort die Corona Problematik gelöst wurde.

Irgendwann hatten wir unsere Tests erfolgreich hinter uns und ich beschloss mit V. noch zum Recyclinghof zu fahren. Leider lehrt uns Corona nicht nur zu Hause zu bleiben, sondern auch Geduld zu haben, denn was machen wir Deutschen, wenn wir zu Hause bleiben? Wir misten aus. Die Schlange zum Wertstoffhof war so lang, dass selbst meine pubertierende Tochter mit mir redete – was sollten wir auch sonst tun.

Wahnsinn! Alle wollen das EINE: Ausmisten

Nächster Punkt auf meiner Liste der Dinge, mich aktiv zu halten war die Waschstrasse und auch da lag ich offensichtlich voll im Trend des deutschen Corona Bürgers. Wieder eine lange, lange Schlange und wieder reihte ich mich tapfer ein. Meine Tochter sprach inzwischen für ihre Verhältnisse schon richtig viel. Das Programm Autowaschen war nur noch Nebensache.

Um dem Ganzen noch die Krone des Alltäglichen aufzusetzen, beschloss ich zum Schluss noch den Baumarkt anzusteuern, um ein paar Balkonpflanzen einzukaufen. Und spätestens jetzt wurde mir klar, wie gewöhnlich meine Bedürfnisse wirklich waren. Auch hier warteten etwa 50 Menschen darauf sich Balkonpflanzen zu kaufen. Vielleicht gab es ein paar Ausnahmen, die noch ihr Gartenhaus streichen wollten, aber das Gros steuerte wie ich den Gartencenter an – also irgendwann dann, nachdem wir in sauber eingeteilten Reihen etwa 40 Minuten auf Einlass gewartet hatten.

Fazit des Tages: Ich bin wie alle. Das muss ich erstmal sacken lassen.

Weiteres Fazit: Das schadet nicht, denn so bin ich endlich mal wieder mit meiner leicht entfremdeten Tochter ins Gespräch gekommen. Ich habe ALLES über Computerspiele erfahren und warum es ihrer Meinung nach entscheidend ist sein gesamtes Taschengeld im Internet zu lassen. Eventuell kann ich mir die Ratgeber doch sparen, die ich bestellt habe. (wie verstehe ich mein Pubertierendes Kind?). Vielleicht besteht die Lösung darin, sich in quälend lange Schlangen zu stellen und keine Wahl zu haben auszuweichen. Ach und Zuhören scheint gut zu sein, selbst wenn Computerspiele nicht ganz meine Thematik sind.

Nach einem kleinen Schlusstop im Supermarkt riss ich mir zu Hause Maske und Handschuhe runter und sprang frisch desinfiziert gegen 18 Uhr ins Bett. Ich war völlig erschöpft. Früher hätte ich so einen Nachmittag mit links erledigt, heute muss ich mich erst einmal erholen. Für morgen ist nichts geplant ausser Schule und Klassenchat. Das werde ich hinbekommen. Und dann warten wir auf Frau Merkels Rede und darauf, ob das Leben danach wieder so wie früher weitergeht. Ich weiss wirklich nicht, ob ich das schaffen werde. Die Verlangsamung hat sich 5 Wochen lang in mir ausgebreitet, ich werde mindestens 5 Wochen brauchen um wieder in dieses rasante, alte Tempo zurückzufinden. Bleibt die Frage, ob die jetzige Ruhe nicht normaler ist, als das was davor war? Ich habe das Gefühl erstmals seit langer, langer Zeit wieder Gefühle zu haben wie in meiner Kindheit. Das ist so schön, dass ich davon süchtig werden könnte. Aber ob die Schulen und alles andere wirklich schon wieder öffnen, bleibt abzuwarten. mein Lieblingscartoon der letzten Tage hat es nett zusammengefasst:

Ohne Moos nix los…

Eigentlich ist das ja eine selten blöde Überschrift, aber das Thema Moos stürzt mich in tiefe Verzweiflung. Gerade erst habe ich den letzten Berg an schulischen Herausforderungen überstanden, da steht eine Versuchsreihe an: Flechten und Moose. Wieviel Wasser sie aufnehmen können und so weiter. Das sollte machbar sein, auch wenn es schon wieder nach etlichen Stunden Elternhilfe klingt, aber das Problem, das wir offenbar nicht einkalkuliert haben ist, dass Moos für uns Moos ist. Sprich, alles ist EINE Art und nicht drei verschiedene. Gestern bin ich mit meiner Tochter losgeradelt und wir haben gesucht: An Bäumen, unter Bäumen, am Wegesrand, im Park, am Ufer eines Flusses…Tolle Radtour, wunderschön, nur das Moos, das wir gefunden haben, sah immer gleich aus. Abends habe ich auf Moos-Webseiten recherchiert, wie denn die anderen 6000 Moose beispielsweise aussehen und wo man sie finden könnte, aber auch da wurde ich nicht viel klüger. Einige sind ausgestorben, andere wachsen im Moor (haben wir hier gerade nicht zur Hand) und dann immer wieder die Moosart, die wir hier haben, die überall wächst. Heute gehen wir nochmal in den Hamburger Hirschpark. Das Wetter ist schön und meine Tochter freut sich, ist ja auch besser als am Computer zu hängen und Versuche zu notieren, die nicht klappen können, weil es das immer gleiche Moos ist. Ich bin genervt.

das ist das Moos, ich bräuchte aber noch 2 weitere Arten
auch am Fluss gibt es kein Moos (oder wir sehen es nicht)

Die Corona Stimmung um uns herum verändert sich langsam. Nachdem sich anfangs alle zurückgezogen haben, gibt es nun vermehrt auch wieder Anrufe, Besuche am Gartenzaun und ähnliches. Radikal abgenommen hat – zumindest bei mir- der endlose Fluss von lustigen Corona Filmchen auf dem Handy. Die ersten Wochen musste ich mir zum Angucken der Filme einen eigenen Slot im Tagesablauf nehmen, so viele waren es. Jetzt haben wir offenbar alle genug gelacht, zwischendurch ist sogar hin und wieder ein Film über den Osterhasen dabei.

Mein Highlight der bisherigen Woche war der Plan mit den Kindern Sushis zu machen. Eigentlich nur ein müder Versuch sie wieder einmal vom Handy wegzulocken, aber auch eine Sparmassnahme, weil sie am liebsten täglich Sushis bestellen würden. Also habe ich den ganzen Kram im Supermarkt gekauft, den Sushi Reis eingekocht und mir – ebenso wie bei der Torte neulich- nicht viel erwartet. Überraschenderweise aber haben wir es hingekriegt ohne mit den Füssen bis zum Hals in verklebtem Sushireis zu stehen. Die ersten waren noch etwas gross, aber das Ergebnis war top. Kappa Maki und Avocado Maki. Sehr lecker.

sehen gut aus, oder?

Erkenntnis 804XY aus den Corona Zeiten: Ich traue mich Sachen, die ich vorher im abendlichen Stress nie gemacht hätte UND es klappt. Mein nächster Plan ist es mit meinem Mann Dinge auszuprobieren, die wir bislang unter „schwierig“ verbucht haben und die uns schmecken: Zabaione, Soufflee, solche Dinge.

Und um mal nicht nur über Corona und die zwischenmenschlichen Folgen zu schreiben: es ist hart zu sehen, wie die Kinder gross werden. Irgendwie scheinen mir 5 bis 6 Jahre verlorengegangen zu sein, weil alles zu schnell ging. Gestern Abend sagte die Grosse, als ich mit ihr kuscheln wollte, was denn mit mir los sei, woher dieses Bedürfnis nach dauernder (dieses Wort wurde leicht genervt, fast ironisch ausgesprochen)Nähe käme. Danach ist sie schnell abgehauen, weil sie wohl eine weitere Umarmung fürchtete.

Die Kleinere lässt mich noch kuscheln, zeigt aber kritische Tendenzen: „Mami, was ist das Dunkle an deinen Augenbrauen, schminkst du dich da etwa, also wenn ich ehrlich sein darf, das sieht nicht gut aus.“. „Mami du musst die Haare an deinen Kinn zupfen, du bist doch keine Oma.“ „Mami kannst du bitte zum Friseur gehen, deine Haare werden grau“ ..Am blödsten wurde es mir aber gestern auf unserer Fahrradtour. Während sie weit voraus fuhr, redete sie ununterbrochen mit mir und ich verstand so gut wie nichts. Nach dem dritten Mal „Wie bitte?“ meinerseits, platzte ihr der Kragen: „Weisst du Mama, das nervt so sehr , dein ewiges wie bitte, hörst du schlecht oder wirst du einfach alt?“ Das sass. Denn ich höre sehr, sehr gut und – wie ich als Tochter einer anderen leidgeplagten Mutter – weiss bedeuten diese Art Sätze nicht, das was sie sagen. Die Übersetzung lautet:

Ich werde grösser und sehe du bist doch nicht die fehlerfreie , makellose Göttin, für die ich dich 10 Jahre lang gehalten habe. Da das auch für mich traurig ist, werde ich nun doppelt verletzend.

Das muss ich nun erstmal verdauen. Also nicht, dass ich angeblich schlecht höre, sondern, dass es mit der tiefen Verehrung offenbar vorbei ist.