Warum will ich nur immer so perfekt sein?

Wenn mein armer Mann abends nach Hause kommt, tappt er schon nach wenigen Sekunden in die Perfektionsfalle: Kaum hat er die ersten Schritte ins Haus gemacht höre ich mich rufen: SCHUHHHE aus! Räumt er sie dann nicht weg, knie ich theatralisch am Boden, um sie SOFORT in das Schuhregal zu stellen. In 8 von 10 Fällen hängt er danach sein Jacket an den Stuhl vom Esszimmertisch und erntet dafür von mir den Blick einer zutiefst genervten Ehefrau. DAS IST KEINE GARDEROBE; DAS IST UNSER ESSTISCH, pflaume ich ihn an. Eine Begrüßung, wie sie charmanter nicht ausfallen könnte…

Das Wohnzimmer sieht zu diesem Zeitpunkt aus, als wäre gerade eine Putzkommando durchgekommen. Kaum hat unser Spielbesuch am Nachmittag das Haus verlassen, hole ich den Staubsauger raus, um Krümel wegzusaugen, Vasen wieder zurechtzurücken und Stifte in ihre Boxen zu stecken. Der Glastisch wird von Schmierstreifen befreit, die herumliegenden Spielzeuge ins Kinderzimmer geschleppt. Die Kinder dürfen sich quasi nicht mehr bewegen, andernfalls hole ich den Staubsauger auch gerne noch ein zweites oder drittes Mal raus.

Seitdem wir Kinder haben, rackere ich doppelt, weil ich mir unbedingt beweisen will, dass alles wie vorher (VOR DEN KINDERN) aussehen kann. Blumen auf den Tisch, ein Boden ohne Kekskrümel, die Betten gemacht. Nur für wen tue ich das? Den Kindern ist es egal. Mein mann wäre auch mit der Hälfte zufrieden und vor allem viel glücklicher,wenn er nicht permanent von mir wegen meines Perfektions-wahns angeschnauzt werden würde.

Man muss dazusagen, ich war auch früher nicht ohne. Ich habe immer gern weggeräumt und geputzt, aber mit zwei Kindern hat das Züge angenommen, die mich schon selbst zum Lachen bringen. Mein Lieblingsbild ist das von mir UNTERM Esstisch, wo ich mit Schaufel und Besen die Krümel auffege (Minimum fünf Mal am Tag). Am lautesten lacht darüber Oma München, aber von wem habe ich diesen Putzfimmel wohl, wenn nicht von meiner Mutter?

Jeden Samstagmorgen wurde früher der Staubsauger rausgeholt und die Wohnung auf Hochglanz gebracht. Da meine Mutter berufstätig war, ging das nur Samstags. Nach dem Saugen trauten meine Schwester und ich uns nur noch mit dicken Socken über den Teppich, damit keine Fußspuren die nun gute Laune meiner Mutter ruinierten.

Sie war wie ich. Äussere Ordnung machte sie innerlich glücklich und nur so kann ich auch meine Aufräum-Hysterie erklären. wenn schon um mich herum das Chaos tobt, brauche ich zumindest Ordnung.

Und ein bisschen dazugelernt habe ich ja schon. Am Anfang habe ich 4 mal am Tag saubergemacht, inzwischen nur noch kurz bevor mein Mann nach Hause kommt. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich von der nach Schweiss stinkenden Super-Mami dann auch in die gutriechende Gattin verwandelt. Dass so ein Plan nicht immer aufgeht war ja zu erwarten. Neulich kam mein mann einfach früher nach hause – OHNE Bescheid zu sagen. Das Mami-Putzkommando war noch nicht im Einsatz gewesen und es (bzw. Wir alle) sahen so aus, wie es eben aussieht nach einem Tag mit Kindern. Da kam dann SEIN Perfektionismus hoch – in 5 Minuten war alles aufgeräumt. GEMEINSAM. Die Kinder wurden in die Badewanne gesteckt und ich durfte duschen gehen. Hat er toll hingekriegt mein Super-Mann. Allerdings ist er seitdem auch nie wieder ohne Ankündigung früher nach hause gekommen.

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