Kommt ein Franzose nach Deutschland und dann?

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Heute Morgen war wieder so ein Morgen, an dem ich eine sehr, sehr lange Leitung hatte. Dank fieser Erkältungsviren weckte mich meine Tochter gegen kurz vor 5, um eine frische Portion Nasentropfen zu bekommen und während Vic noch eimal einschlief, lag Mama wach. Entsprechend verwirrt und mit Müdigkeitsattacken kämpfend landete ich um kurz nach 8 zwischen französisch schnatternden Mamis, die ich heute – dank kompletter Erschöpfung – so wenig verstand wie wenn man mir auf russisch Krieg und Frieden vorgelesen hätte.

Allerdings fing ich so auch zum ersten Mal an darüber nachzudenken, wie all diese Frauen und Mamis das hinbekamen – in einem Land dessen Sprache ihnen ebenso russisch wie chinesisch vorkommen musste.

Das erste was ich aufschnappte, war ein Gespräch zum Thema Kabel Deutschland. Nicht dass ich etwas gegen Kabel Deutschland hätte, aber jedes Mal wenn mein Mann und ich ein Problem mit denen haben liegt es unter anderem daran, dass wir in dem stundenlangen Monolog des Kabel Mitarbeiters (nach der 4 ständigen Warteschleife) NICHTS verstehen. Wie kommt also eine Französin an Kabel? Und wie findet sie Ikea und zuguterletzt wie bekommt sie einen Kita Gutschein? Allein das Beschaffen des Hamburger Kita Gutscheins hat mich schweisstreibende Tage und Nächte gekostet. Hinzukommt, dass niemand im Rest der Republik weiss, was das überhaupt ist.

Und die Französinnen? Sind sie klüger? Gewiefter? Haben sie einen unsichtbaren Dolmetscher auf der Schulter oder weinen sie heimlich und verzweifelt am der Ubahn Unterführung, weil ihnen niemand bei all dem hilft..?

Bislang habe ich darauf keine Antwort.

Vor ein paar Jahren dachte ich schon einmal DAS sei DIE Geschäftsidee: Eine Art Mama-Relocation-Service nach Art von “Der Doktor ist hier” bei den Peanuts. Verzweifelte französische Mütter könnten sich mit den lapidarsten Themen an mich wenden und bekommen Hilfe. Ich habe die Idee dann wieder verworfen, weil ich nicht wirklich daran geglaubt habe, dass mir jemand Geld gibt, wenn ich ihm eine Liste von Kinderärzten gebe oder DEN besten Spielplatz oder DAS schnellste Einwohnermeldeamt. Dennoch halte ich es für eine Marktlücke. Denn sehe ich die Neuankömmlinge am lycee, dann ehe ich auch immer wieder sehr erschöpfte Gesichter. Ein neues Land, eine neue Sprache und das alles mit Kindern? Kaum angekommen geht der Mann wieder arbeiten und Maman bleibt zurück und kennt noch nicht mal die Nummer der Auskunft. Im Grunde bedeutet das härtere Arbeit als im Beruf, denn diese Frauen dürfen im Grunde nie aufhören Kontakte zu knüpfen, damit immer jemand da ist, der ihnen hilft. Für solche Eigenbrötler wie mich, wäre das nichts. Gut, dass ich bislang noch nicht ausgewandert bin.

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