Wie tierlieb bin ich wirklich? Über Läuse, Wildschweine und Wespen im Urlaub

Also grundsätzlich mag ich Tiere. Ich mag Katzen, Hunde und Pferde, Delfine und Wale. Mein Haustier war ein Meerschweinchen und hiess Putzi. Aber bevor ich jetzt in die 80-er Jahre abschweife kommen wir doch mal zum Sommer 2015, denn der hat mein Verhältnis zu Tieren stark beeinflusst.

Wir waren keine 2 Stunden an unserem Urlaubsort in Südfrankreich, da sassen wir auf unserer wunderschönen Terrasse mit Aussicht und grillten kleine, leckere Chippolatas (Würstchen) und Steaks. Meinen Kindern lief das Wasser im Mund zusammen und ich spürte die Perfektion des perfekten Familienurlaubs. Meerblick, Harmonie, gemeinsames Essen OHNE STRESS. Wenige Minuten später nahmen an unserer Mahlzeit die ersten 10 Wespen teil. Sie sassen in unseren Steaks, schwammen in unserer Grenadine und meine Kinder schrien vor Angst. Das Ende vom Lied war: Die Mädchen assen in einem hermetisch abgeriegelten Wohnzimmer bei 38 Grad Hitze zu Abend und wir schlugen uns draussen in unserem neuen Wespenheim irgendwie durch. Natürlich sind mein Mann und ich nicht dumm: wir stellten einen Teller mit Fleisch auf, der diese Mini-Monster anlocken sollte. Und das tat er auch: weitere 10, 20 oder waren es mehr Wespen? Irgendwann flüchteten auch wir und gingen ins Bett.

Am nächsten Tag wollten wir es cleverer anstellen und gingen in ein Restaurant. Auch da assen die Kinder drinnen, wir genossen 4 Sekunden die romantische Aussicht. Mein Aperol Spritz wurde abgedeckt, die Grenadines ebenso, meine Hand war immer vor meinem Mund, damit ich nicht eine der etwa 40 Wespen verschluckte…-  ein Riesenspass so zu essen. Der Kellner sagte, NIE hätte er so eine Wespenplage erlebt wie in diesem Jahr. Super, dachte ich…das wird ein toller Urlaub.

Als wir wenig später die Strasse herunterfuhren, trafen wir auf eine Horde Wildschweine, die offensichtlich kein Problem mit Wespen hatten. 5! Wildschweine mitten an der Cote dAzur. Die Kinder waren hingerissen.

Die nächsten Tage verbrachten wir weitestgehend tierfrei. Ich hatte Zitronen mit Nelken gespickt und überall ausgelegt (angeblich DER Trick gegen Wespen)  und ob es nun das war oder was anderes, wir hatten etwas Ruhe.

Das nächste Tierchen, das sich beinahe unbemerkt bei uns einnistete war die gemeine Kopflaus. Freunde von uns waren aus Paris zu Besuch gekommen mit ihren 2 Töchtern und egal wie oft ich die Mama fragte, warum sich ihre 2 so heftig am Kopf kratzten sie erklärte mir, es sei alles gut. Das sei die Sonne und die nervöse Kopfhaut. Kurz nach ihrer Abreise fing Valentina an, sich heftig zu kratzen und mir war klar: Die nervöse Kopfhaut war ansteckend. Mein mann fuhr zur Apotheke und ich wusch 4 Köpfe, 4 Zimmer, etliche Bettbezüge, T-Shirts und Handtücher; Haarbürsten landeten im Gefrierfach, Teddybären und Glubschen auch. Meine Laune hatte ich ebenso im Gefrierfach versenkt.

Und als wäre es noch nicht genug gewesen, traf ich noch ein letztes überaus beliebtes Tier, diesmal im Meer. Eine niedliche kleine Feuerqualle beschloss meine Wege zu kreuzen und verbrannte meinen Ellbogen kurz und erbarmungslos.

Wer denkt, das Mitleid meiner Familie sei gross gewesen, irrt sich. Einziger Kommentar meiner jüngsten Tochter: Mama kann ich jetzt nicht mehr Knispeln*…?

Für mich war klar, bis auf die Wildschweine würde ich gerne alle anderen südfranzösischen Eindringlinge vergessen. Und das habe ich dann auch…

—————————————-

* Knispeln: seltsames und stellenweise brutales Ziepen mit ihren Fingern an Mamis Ellbogen oder Handrücken. Victoria macht das seit ihrer Geburt und so wie es aussieht noch bis sie eines Tages heiratet. Gerne in Situationen, die sie nervös machen, dero eigentlich alles: Kindergeburtstage, Urlaube, schlechte Träume, Schulanfang..etc..Mich treibt es zum Wahnsinn.

3 Kommentare

  1. Ha, was habe ich gerade gelacht!
    Ein toller, humorvoller und vor allem grundehrlicher Artikel über eigentlich schöne Urlaubstage und ihre Tücken… super geschrieben!

    Liebe Grüße,
    Papagena

  2. Ich finde deinen Urlaubsbericht auch sehr humorvoll und der französische Kellner
    hatte nicht ganz unrecht denn auch bei uns in Hamburg gab es dieses Jahr eine richtige
    Wespenplage . Tragisch natürlich die Meduse denn, wenn man nicht mal mehr ‚knispeln‘
    kann …… Das ist echt hart!!!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.