Über das „Über-Ich“ meiner Tochter und warum ich mich schon lange nicht mehr wundere….

meine Tochter die Individualistin - Stil mal neu definiert

meine Tochter die Individualistin – Stil mal neu definiert

Dass Geschwisterkinder verschieden sind, ist nichts Neues. In unserem Fall ist die Ältere diejenige, die sich gerne anpasst, emphatisch unsere Launen erahnt und jederzeit bereit ist Streit zu schlichten. Victoria, die Jüngere wurde als individualistischer Freak geboren und wird wohl auch als Freak grösser werden. Mit Freak will ich sie auf keinen Fall herabsetzen. Nicht nur dass sie auf äusserste Weise charmant sein kann (wenn sie will), ich bewundere sie auch für ihre unverfrorene individualistische Art. Mainstream? Nichts für sie! Wer ihren Weg nicht mitgehen will, muss nicht. Notfalls geht sie allein.

Neulich sprach mich ihre Deutschlehrerin an. „Ihre Tochter hat neulich als Einzige bei einem Projekt nicht mitgebastelt, verstehen sie das?“ Ich erröte und stammele „nein“. Zu Hause frage ich sie, was passiert ist und sie sagt, „ich hatte keine Lust, das braucht man doch auch nicht für das Leben, oder? “

Wenn ihr Erwachsene zu anstrengend werden verschliesst meine Tochter ihre Ohren und ist nicht mehr erreichbar. Sie träumt, schwebt in ihren Welten und während um sie herum die Menschheit in Teams und Gruppen lebt kümmert sie sich um ihren phantasievollen Mikrokosmos und fliegt auf Watte-Wolken.

Und sie ist dabei nie alleine. Wenn ich sie anspreche, warum sie sich eben beim Essen so daneben benommen hat, erklärt sie mir, dass sei ihr anderes Ich gewesen, dass wäre gerade sehr unruhig und müsste dringend spielen. Ebenso dringend braucht dieses Neben-ICH manchmal Sport, um nicht zu müde zu sein oder ein Sofa, weil es gerade so müde ist. Neulich Abend, als es schon allerhöchste Zeit war ins Bett zu gehen und ich wütend rumpöbelte, dass ich mir das nicht länger antun würde (etc blabla..was was eben jede Mutter jeden Abend sagt) sagte sie: Mama, meine Kopf ist wirklich sehr müde, aber meine Augen wollen sich nicht schliessen. Sie haben beschlossen aufzubleiben.

Muss ich noch mehr sagen? Wütend werden hat schon lange keinen Sinn mehr. Wenn ich richtig rumschreie, dann kommt sie und sagt, „Mama, mein Herz tut weh (die Grosse hätte höchstens erwähnt, dass ihr die Ohren wehtun :-), es zerbricht, wenn du mich so anschreist“. Mein Wutgebrüll endet in solchen Fällen meist in Sekunden. Wenn sie weint ist es dasselbe. Nach 30 Minuten oder mehr, fange ich an ungeduldig zu werden und erkläre ihr, dass es nun doch wieder alles gut sei. Die Antwort meiner Tochter: “ Ich möchte ja aufhören, aber meine Gefühle können nicht aufhören.“

Warum ich das alles schreibe? Weil ich sie so abgöttisch liebe, für ihre manchmal anstrengende, verrückte Art. Weil es eigentlich ungerecht ist, dass unsere ebenso wunderbare Ältere sich immer so toll anpasst und die Jüngere trotzdem durchkommt mit ihrem Charakter und weil ich stolz bin, dass sie so ganz eisern ihren eigenen Weg geht. Obwohl der nicht immer weich und gepolstert ist, aber die Menschen, die sie mögen, mögen sie SEHR und das spürt sie.

 

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