Lieber guter Weihnachtsmann – deine Tage hier sind gezählt…

leider wird es IHN bei uns nicht mehr lange geben

leider wird es IHN bei uns nicht mehr lange geben

Es weihnachtet sehr bei uns. Victoria konzentriert sich aufs Adventskalender öffnen und Kekse essen, Valentina dagegen eifert ihren grossen Vorbildern, den drei ??? nach und recherchiert hartnäckigst Gerüchten hinterher den Weihnachtsmann gäbe es nicht…Neulich öffnete sie unserem Paketmann die Tür und scannte innerhalb von Sekunden ein Paket auf dem „Puppenbett“ geschrieben war (Bitte an die Hersteller: MUSS das wirklich so fett auf einem Paket stehen?). Ich war nur eine Sekunde zu spät an der Tür, reagierte aber sofort. „Ach wie schön, ein Päckchen für die Nachbarn!“ rief ich und stierte dem Postboten dabei flehend in die Augen. Der reagierte sofort und stammelte, tja, also die Nachbarn seien nicht dagewesen, aber er habe schon einmal einen Schein bei ihnen eingeworfen und ob ich nicht bitte das Paket für die Nachbarn annehmen könnte. Gerade noch gerettet, erklärte ich konziliant, dass ich das doch sehr gerne machen würde und liess das Paket aus Valentinas Blickfeld verschwinden. Doch meine Tochter ist nicht doof. 5 Minuten später kam sie wieder an und sagte: „Mama, die Kinder der Nachbarn sind aber viel zu alt für Puppenbetten, das kann ja also nicht sein.“ Ich erklärte ihr, dass es ja auch Patenkinder etc gab und dass uns das schlicht nichts angehen würde, was die Nachbarn mit Puppenbetten machen würden und verschwand dann schnell aus ihrem Blickfeld.

Das Leben als lügende Mutter ist nicht einfach.

Nur wenige Tage später kam sie aus der Schule wieder und sagte: „Mama es hört einfach nicht auf mit den Kindern, die mir sagen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Heute hat mir wieder einmal S. erklärt, dass es die Eltern sind, die die Geschenke bringen.

Mir fiel nichts blöderes ein als zu sagen: „also ich bin es nicht.“ Und Papa hat viel zu viel zu tun, um noch den Weihnachtsmann zu spielen. Valentina reichte das als Erklärung nicht. Gross wie sie inzwischen ist, wies sie mich darauf hin dass Papa ja schliesslich alle Geschenke online bestellen könnte.

Ich konzentrierte mich daraufhin sehr stark auf das Essenkochen und die Hausaufgaben. Wie soll man bitte sonst diesem Thema entkommen?

In der gleichen Woche sassen wir alle zusammen abends vor dem Hamburg Journal, die Kinder sollten gerade ins Bett, da fing die Moderatorin an einen Beitrag zu moderieren, zum Thema „Rent a Nikolaus“. Der Fernseher war zwar in einer Tausenstel Sekunde aus, aber Valentina fragte mich, Wer, Wie, Was? Warum mietet man einen Nikolaus, es gibt doch nur einen.

Da ich eine kluge Halblüge besser finde als eine dumme Volllüge, sagte ich ihr, dass ja auch Firmen oder grosse Einkaufszentren Süssigkeiten verteilen und dazu manchmal jemanden mieten. Der echte Nikolaus sei da absolut nicht böse…

Wenn man allerdings mein Lügenkonto betrachtet frage ich mich, ob ich dieses Jahr wirklich noch etwas geschenkt bekomme (der Weihnachtsmann muss entsetzt sein). So viel musste ich noch nie erfinden. Schweissausbrüche gehören zur Tagesordnung und es wird Zeit Valentina aufzuklären, fürchte ich…

Vielleicht mache ich das mit diesem inzwischen schon fast berühmten Brief, den mir mein Schwiegervater (der Weihnachten wahrscheinlich mehr liebt als alle Kinder) unlängst zuschickte. Schliesslich wollen wir doch alle irgendwie noch an etwas glauben, oder nicht?

(der Artikel stammt von 1897 und beantwortet die Frage eines 8-jährigen Mädchens nach dem Weihnachtsmann)

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Lieber Redakteur: Ich bin 8 Jahre alt.
Einige meiner kleinen Freunde sagen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt.
Papa sagt: ‚Wenn du es in der Sun siehst, ist es so.‘
Bitte sagen Sie mir die Wahrheit: Gibt es einen Weihnachtsmann?
Virginia O’Hanlon.
115 West Ninety-fifth Street.
Virginia, deine kleinen Freunde haben unrecht. Sie sind beeinflusst von der Skepsis eines skeptischen Zeitalters. Sie glauben an nichts, das sie nicht sehen. Sie glauben, dass nichts sein kann, was ihr kleiner Verstand nicht fassen kann. Der Verstand, Virginia, sei er nun von Erwachsenen oder Kindern, ist immer klein. In diesem unserem großen Universum ist der Mensch vom Intellekt her ein bloßes Insekt, eine Ameise, verglichen mit der grenzenlosen Welt über ihm, gemessen an der Intelligenz, die zum Begreifen der Gesamtheit von Wahrheit und Wissen fähig ist.

Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Er existiert so zweifellos wie Liebe und Großzügigkeit und Zuneigung bestehen, und du weißt, dass sie reichlich vorhanden sind und deinem Leben seine höchste Schönheit und Freude geben. O weh! Wie öde wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe. Sie wäre so öde, als wenn es dort keine Virginias gäbe. Es gäbe dann keinen kindlichen Glauben, keine Poesie, keine Romantik, die diese Existenz erträglich machen. Wir hätten keine Freude außer durch die Sinne und den Anblick. Das ewige Licht, mit dem die Kindheit die Welt erfüllt, wäre ausgelöscht.

Nicht an den Weihnachtsmann glauben! Du könntest ebenso gut nicht an Elfen glauben! Du könntest deinen Papa veranlassen, Menschen anzustellen, die am Weihnachtsabend auf alle Kamine aufpassen, um den Weihnachtsmann zu fangen; aber selbst wenn sie den Weihnachtsmann nicht herunterkommen sähen, was würde das beweisen? Niemand sieht den Weihnachtsmann, aber das ist kein Zeichen dafür, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Die wirklichsten Dinge in der Welt sind jene, die weder Kinder noch Erwachsene sehen können. Sahst du jemals Elfen auf dem Rasen tanzen? Selbstverständlich nicht, aber das ist kein Beweis dafür, dass sie nicht dort sind. Niemand kann die ungesehenen und unsichtbaren Wunder der Welt begreifen oder sie sich vorstellen.

Du kannst die Babyrassel auseinanderreißen und nachsehen, was darin die Geräusche erzeugt; aber die unsichtbare Welt ist von einem Schleier bedeckt, den nicht der stärkste Mann, noch nicht einmal die gemeinsame Stärke aller stärksten Männer aller Zeiten, auseinanderreißen könnte. Nur Glaube, Phantasie, Poesie, Liebe, Romantik können diesen Vorhang beiseiteschieben und die übernatürliche Schönheit und den Glanz dahinter betrachten und beschreiben. Ist das alles wahr? Ach, Virginia, in der ganzen Welt ist nichts sonst wahrer und beständiger.

Kein Weihnachtsmann! Gott sei Dank! lebt er, und er lebt auf ewig. Noch in tausend Jahren, Virginia, nein, noch in zehnmal zehntausend Jahren wird er fortfahren, das Herz der Kindheit zu erfreuen.“

 

 

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