über Schokowahnsinn und zu viele Adventskalender – ich bin wütend

Früher war alles anders.

Ja, ich weiss. Das haben schon unsere Grossmütter gesagt und davon geschwärmt, wie sie nur einmal die Woche Fleisch bekommen haben und jeder Bissen ein Genuss war. Aber jetzt mal im Ernst: Früher war wirklich vieles anders/besser. Es ging um Sehnsucht, Wünsche, Träume. Heute zählen Kinder bis 3 und bei 1 wurde ihr Wunsch erfüllt. Sehnsucht gibt es nicht mehr. Zumindest viel zu selten.

Das Thema Adventskalender beispielsweise bringt mich fast um den Verstand. Schon kurz nach der Geburt meiner beiden Töchter wehrte ich mich gegen Säuglingsmütter, die 24 Säckchen schnürten und füllten für Kinder, die noch nicht eimal ihre Gabel alleine zum Mund führen konnten und ihren Brei noch im Gesicht verschmierten. Als unsere Kinder dann ins Kindergartenalter kamen, war es fast schon ein Sakrileg zu sagen, dass man N-U-R einen Schokoladenkalender habe. Also entschuldigte ich mich regelmässig mit folgender Erklärung: 1.: warum sollte für meine Kinder nicht gut genug sein, was ich geliebt habe. Und 2.: Kinder bekommen heutzutage schon genug geschenkt, warum immer noch mehr, wenn sie es am Ende ohnehin nur in eine ihrer grossen Spielekisten werfen und nicht beachten.

Letztes Jahr wurde es mir zu blöd und ich startete erstmals einen Versuchsballon. Jedes Kind bekam einen „richtigen“ Adventskalender mit allem was dazugehört. Kleine Pixiehefte darin, Murmeln, einmal sogar eine CD. Die Antwort meiner Kinder war: warum ist da so wenig Schokolade drin!!!! Eigentlich eine erstaunliche Aussage, denn neben dem Päckchenkalender hatten sie noch einen Schokoladenkalender (geschenkt von A.), einen Playmobilkalender (geschenkt von O.) und meinen…Ach ja und dann kam noch einer von der Firma meines Mannes….

Als die Weihnachtszeit vorüber war erklärte ich allen, die es hören oder auch nicht hören wollten, dass ich es im nächsten Jahr so nicht mehr haben wollte. Die Oma durfte traditionell EINEN Adventskalender schenken. Ich keinen und auch sonst keiner mehr einen. Schluss mit Konsumrausch und Freude auf EINEN Kalender.

Advent 2015 kam und es kam auch Tante S. Sie hatte meine Ansage dummerweise nicht mitbekommen und wollte den Kindern auch mal was Schönes schenken (zu ihrer Ehrenrettung: sie hatte selbst mir einen mitgebracht). So hatten die Kinder also wieder einmal 2 Kalender. Da ich die Tante nicht verletzen wollte sagte ich nichts und war nur genervt, weil die Kinder merkten: Ha! Mamis Ansagen sind so viel wert wie …NICHTS. Vergangenen Wochenende dann kam mein Mann aus dem Baumarkt zurück und brachte 2 weitere Schokoladen Kalender mit. Er hatte die mütterliche Ansage offenbar auch nicht mitbekommen..(die Kalender wurden konfisziert und weggepackt)..Heute kam dann A., eine Bekannte und brachte 2 weitere Kalender mit. Die Kinder strahlten, mir gefror das Lächeln noch im Gesicht.

Am Liebsten hätte ich den Kalender zum Fenster rausgeworfen.

Warum denkt heutzutage einfach jeder er könne Kindern Schokolade, Kalender und anderes schenken ohne die Mutter zu fragen? Früher hätte jeder aus Höflichkeit gefragt, darf ich deinem Kind dies oder jenes geben? Sagte die Mutter nein, dann war das ein Nein.

Ich dagegen stehe da und versuche niemanden zu verletzen und meine Kinder sehnen sich wieder nicht nach diesem EINEN traditionellen Türchen jeden Morgen, so wie ich es mir vorgestellt hatte, sondern machen Tür für Tür für Tür auf, wie am Laufband. Wie in der Schokoladenfabrik.

Was soll ich nur tun? Ich bin ratlos. Es ist so unhöflich all diese nettgemeinten Gesten zurückzuweisen, aber andrerseits ist es genauso unhöflich einfach zu kommen und zu glauben JEDER dürfte etwas mitbringen, was eigentlich traditionell Aufgabe der Eltern ist. Man stelle sich vor jeder brächte zur Einschulung eine Schultüte mit und das Kind hätte am Ende 4 davon..?Oder der Tennislehrer, die Klavierlehrerin, die Gitarrenlehrerin würden alle Ostereiersuchen veranstalten (ok etwas krummer Vergleich). Es wird Zeit eine klare Grenze zu ziehen.

Leider weiss ich noch nicht wo ich ansetzen soll. Ich weiss nur, dass es mich nervt. Denn als Mutter macht es heutzutage eigentlich keinen Spass mehr den Kindern etwas Süsses zu kaufen. Da sie schon von allen Seiten (Apotheke, Budni, Edeka, Freunde, Verwandte etc) mit Süssem vollgestopft werden bleibt meine deprimierende Aufgabe ihnen noch einen Apfel oder eine Banane anzubieten und ihnen die überschüssigen Adventskalender wieder wegzunehmen. Spielverderber nennt mich meine Tochter und genauso komme ich mir auch vor.

 

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