Zwischen Fahrer, Nachtschwester und Nachhilfelehrerin. Meine 2. Karriere als Super-Mutti

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Als wir vor einem Jahr umgezogen sind, dachte ich noch: Wow! Was für ein schönes Haus, hier werde ich viel Zeit verbringen. Niemand hätte mir zu diesem Zeitpunkt sagen dürfen, dass die Wahl meines Autos so viel wichtiger ist, als die meines Hauses. Aber dem ist genauso.  Nach meiner inzwischen rückblickend fast schon bedeutungslosen Karriere als Nachrichtenmoderatorin strebe ich jetzt einen neuen Ausbildungsweg an: den Beruf der Fahrerin, Seelsorgerin, Nachtschwester und Nachhilfelehrerin. Als Fahrerin mache ich mich momentan schon ganz gut. Samstag beispielsweise bin ich auf insgesamt etwa 6 Routen gekommen. Für einen Samstag, den die meisten Familien zu Hause verbringen, ist das nicht schlecht. Morgens um 11 ans andere Ende der Stadt: Victorias erste Boum (französisch: Party). Also wichtig genug, um nicht abzusagen und meine aufgeregte Tochter 30 Min von Fahrerseite psychologisch zu unterstützen (du siehst toll aus, ja die Schuhe auch, du tanzt super, trau dich!). Auf dem Rückweg ein Abstecher im Supermarkt, um die Sonntägliche Paella Sause mit der Familie sicherzustellen. Reis, Safran, Bohnen nicht vergessen. Kaum zu Hause: Fahrt von Tochter 2 zu ihrem neuen Samstags Kurs. Theater, Tanz, Gesang. Danach kurz Mittagessen und wieder zu besagter Boum, Tochter abholen und 30 Min ihren neuen französischen Lieblingsrap hören – aushalten (Ohren auf Durchzug) – sich für sie freuen! Danach wieder die andere Tochter abholen und aufs Sofa sinken. Doch diese Route war noch eine kleine Route. Unter der Woche geht es bei uns ganz anders zu. Eine Freundin von mir, mit 4 Kindern an der Schule macht eigentlich kaum was anderes als Fahren. Sie hat mir wertvolle Tipps gegeben, wie man es sich im Auto gemütlich machen kann und es dazu noch effizient nutzt. Um die Ecke von der Schule beispielsweise gibt es erstklassigen Tee to go. Danach stelle ich meinen Sitz etwas runter und warte auf meinen nächsten Transport. Dazu habe ich eine erstklassige Freisprechanlage und meinen Laptop immer auf dem Beifahrersitz. Man soll ja immer das Beste aus der Situation machen.

Die Perspektive für meinen Beruf ist dennoch düster: In 1,2 Jahren werden die Kinder wohl die Schule wechseln und mit dem Fahrrad das Wichtigste erledigen.

Aber HALT! Dann kommt meine Phase der Nachhilfelehrerin. Schon jetzt streite ich mich mit meiner Älteren bis aufs Blut über französische Vokabeln und deren Endungen. Während sie der Meinung ist, dass man ihr Französisch mit der Muttermilch eingelöffelt hätte (was ich aus berufenem Munde verneinen kann) vergisst sie dass ich an unserer Schule unter den besten 3 Französisch Abis war. Und so trifft Nachmittag für Nachmittag Ehrgeiz auf Ehrgeiz.

V: “ Man schreibt das so, Mami, ich schwöre es, die Maitresse hat es SO an die Tafel geschrieben!!!

Ich: „Nein, kann nicht sein, da kommt ein „s“ hinten ran und ausserdem schreibt man es mit „ph“.

V: “ Du hast keine Ahnung“

Ich: „Doch und ausserdem habe ich google“. Haha, an dieser Stelle bin ich nie ohne Häme. Noch habe ich das letzte Wort, nicht mehr lang, aber dann überlege ich mir was neues..

Auch hier hole ich mir gutgemeinte Tips von Menschen, die in ihrem Bildungsweg schon fortgeschritten sind: meine Nachbarin beispielsweise, ihresgleichen selber Lehrerin sagt: Wenn Mutter auf Tochter trifft ist es besonders schlimm. Der Weg aus der Krise: engagiere einen smarten, etwas älteren Gymnasiasten (männlich) und auf einmal hört man nur noch freundliche Worte aus dem Hausaufgabenraum.

Meinen oben erwähnten 3. Bildungsweg als Nachtschwester habe ich übrigens erfolgreich abgeschlossen. Länger als an jeder Uni hat er gedauert. 6 Jahre lang bin ich regelmässig zwischen den Zimmern unterwegs gewesen: ich kenne mich mit Wachstumsschmerzen, Warzen, Kratzenden Armen, Alpträumen, verlorenen Schnullern, verlorenen Teddys und anderem aus. Derzeit bin ich – was das betrifft – im Urlaub, aber es kann jederzeit wieder losgehen. Daher lohnt es sich für all diese Berufe gerüstet zu sein. Und als Journalistin kann ich ja später wieder arbeiten, wenn die Kinder aus dem Haus sind :-))

 

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