Ich und unsere Schulsekretärin – wie man wegen Mimosen zu besten Freunden wird

 

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2 Wochen Schulferien sind vorbei..Schön war es beim Skifahren und herrlich gesund war es auch. Beide Kinder waren fit, gejammert wurde so gut wie gar nicht und irgendwie lässt mich das mit Erstaunen zurück, denn seit Mitte Januar war eigentlich jede Woche irgendein Kind zu Hause. Nicht, dass wir hier noch in alle Viren und Bakterienfallen tappen würden, aber es scheint so, also ob meine Kinder eine klassische 5 Tage Woche einfach nicht mehr durchhalten wollen. Montags ist -wenn ich Glück habe – die Welt noch in Ordnung. Dienstag sowieso, da ich da beide früh abhole. Ab Mittwoch aber rechne ich bereits mit dem Anruf meiner neuen Freundin Frau P., der Schulsekretärin. Sie und ich sind quasi alte Bekannte, denn schon im vergangenen Jahr hat V. dort mehr Zeit verbracht als im Klassenzimmer. Neben ihrem Schreibtisch ist ein winziges Zimmer mit 2 Bettchen und 2 Deckchen, fast ein bisschen wie bei den 7 Zwergen. Wer sich weh tut oder krank wird geht zu Frau P. und zu Stosszeiten sind das Viele. Anruf Schule 10 Uhr 3 Mittwoch: „(Mailbox) Hallo Frau W. also ihre Tochter V. ist hier, sie hat Bauchschmerzen. Fieber hat sie keins, aber rufen sie doch mal zurück. „Natürlich bin ich immer wenn diese Nachricht kommt irgendwo, wo ich schon ewig hinwollte, nach Monaten einen Termin bekommen habe oder weit, weit weg von der Schule. Also Rückruf bei Frau P. : „Wie ernst steht es um meine Tochter?Muss ich sie abholen?“….Stille am anderen Ende: „Also wenn sie mich fragen geht es ihr gar nicht soo schlecht. Ich werde ihr jetzt erklären, dass sie leider unabkömmlich in der Arbeit sind.“ Zwei Tage später wieder das Gleiche: ich solle sie bitte abholen, sie habe Bauchkrämpfe und starke Kopfschmerzen. Ich rase zur Schule und V. erklärt mir sie habe Hunger, das Essen Mittags sei wiederlich gewesen und sie wolle nun gerne zur Bäckerei. Danach möchte sie ein bisschen quatschen und dann gerne zu ihrem geliebten Kunstunterricht.

Neulich als Frau P. mal wieder anrief erzählte sie mir sogar, V. habe sie gebeten die Tür zum Gang zu schliessen. Das würde sie bei ihrem „Erholungsprozess“ stören. Ich bat sie meine Tochter doch das nächste Mal einfach rauszuschmeissen, aber irgendwie haben wir beide dann doch nicht den Mut dazu. Wann weiss man denn, dass es wirklich ernst ist, bei einem Kind, was wegen eines Piksens im linken Ohr zusammenbricht? Natürlich erklärte ich auch an diesem Tag meiner Tochter wieder einmal den Unterschied zwischen einem Schulsekretariat und einem Wellnesstempel. Und natürlich schwört sie jedes Mal Stein und Bein, dass es dieses Mal ganz besonders schlimm war. Doch so wie es aussieht kann man sich ihrer Meinung nach dort ganz prächtig von zu lauten Schülern oder langweilen Arbeiten erholen. Als Ausgleich malt sie meiner Freundin Frau P. ein Bild. Die Wand an ihrem Schreibtisch ist gepflastert mit solchen Erinnerungsbildern. Eines Tages wird dort wahrscheinlich nur noch V. hängen.

Als ich sie diese Woche schon Dienstags abholen durfte, weinte sie, weil ihre Lehrerin – wie sie mir schluchzend erzählte – ihr nicht mehr glaubte. Auch der Nachmittagsbetreuer habe einen Lachkrampf bekommen, als er sie im Krankenzimmer angetroffen hatte. „Was ist das, Mami, eine Mimose?“, fragte V. mich.

Naja, so eine wie du eben, sagte ich ihr freundlich, was ihr gar nicht gefiel. Kritik ist nicht so ihres. Natürlich ging es ihr auch an diesem Tag nach der Schule ganz prächtig und als ihre Schwester mit einem stark blutenden, aufgeschrammten Knie heimkam und ich sie fragte, warum sie nicht zu Frau P. gegangen wäre, um ein Pflaster zu bekommen guckte mich die Kleine ratlos an. Das macht doch nichts, grinste sie. Alles halb so schlimm…

 

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