Über Reinkarnation, Massenmörder und andere Widrigkeiten

jack the ripper

Wer meinen Blog regelmässig verfolgt, weiss ich bin eine „Auto Mutter“. Ich wäre lieber eine „Zu-Fussgehmutter“ (wäre auch besser für meine Fettverbrennung), aber aufgrund von Lage der Schule und Wohnort fahre ich täglich plus minus 2 Stunden Auto. Das hat viele Nachteile, aber auch einige Vorteile. Zum einen ist die Po-heizung besser als jeder Besuch beim Osteopathen. So viel Wärme auf meinen kaputten Rücken ist ein Traum; und das Radioprogramm bringt mich dazu wirklich alle wichtigen politischen Nachrichten 10 mal zu hören, gerne auch in Feature Form, so dass auch ich es ganz sicher verstehe. Was aber das Allerbeste ist: meine Kinder kommen nicht einfach von der Schule und verschwinden schweigend in ihrem Zimmer, sondern sie nutzen das Auto als fahrbaren Therapeuten (Rücksitz = Couch und ich bin -logo- der Therapeut….. oder Wissensmobil.

Bücher, die sie zu Hause nie oder kaum lesen, platziere ich einfach höchst unauffällig auf der Rückbank im Auto. Und wenn wir nicht geradenur über all die Kinder reden, die meine angeblich geärgert haben, kommen dabei die absurdesten Konversationen zustande.

Neulich beispielweise hatten wir ein Buch, was ich schon als Kind geliebt habe, weil es so herrlich gruselig ist. Der Titel heisst „ungeklärte Phänomene“ oder so ähnlich und darin befinden sich gesunkene Schiffe im Bermuda Dreieck, Kaspar Hausers Geschichte, die versunkene Titanic und ein paar kleine, niedliche Geschichten über…..Massenmörder.

Die beiden absoluten Lieblinge meiner Kinder sind Bonnie und Clyde und Jack the Ripper. Neulich versuchte ich auf einer Strecke von 40 Minuten irgendwie das Thema zu umschiffen, dass der gute Mann Prostituierte aufgeschlitzt hat. Also erklärte ich ihnen, dass er sehr böse war und nun mit Sicherheit als Ratte wieder zur Welt kommen müsste. Leider sind meine Kinder im Bereich der Reinkarnations- Theorien weiter als die meisten anderen Kinder und so erklärten sie mir wütend: „Mama das glaube ich nicht, aber was wenn DU Jack the Ripper bist? Ach was war es doch bis dahin für ein schöner Freitag Mittag. Selbstverständlich schnaubte ich entrüstet auf, worauf Victoria sagte, „nein ich glaube Mami ist eher eine von den ermordeten Frauen.“ Darüber wurde dann eine Weile hin und her diskutiert und dann hatten beide die zündende Idee: „Mama, was ist wenn wir Oma München fragen?“ Man muss dazu sagen, so gut sich beide mit Reinkarnation auskennen, so schlecht sind sie im abzählen einzelner Jahrhunderte. Meine arme Mutter, die erst 1939 geboren wurde, musste schon für den 100 jährigen Krieg herhalten („hat die Oma da schon gelebt?“), dann für die französische Revolution („kannte Oma Marie Antoinette?“) und nun war es Jack the Ripper. Ich konnte sie gerade noch davon abhalten Oma anzurufen, um sie zu fragen, ob sie sich vorstellen kann, dass ich die Reinkarnation einer Prostituierten bin.

Zum Glück hatte diese Autofahrt schliesslich noch ein gutes Ende. Victoria verkündete, sie sei zu 100 % schonmal mit mir verheiratet gewesen. Valentina – wie immer leicht entrüstet – sagte, DAS könne sie sich nun wirklich gar nicht vorstellen. Aber wenn es uns in einem anderen Leben schon gegeben hätte, wäre sie mit Sicherheit MEINE Mutter gewesen und nicht andersrum.

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