Mein Kind geht auf Klassenreise – endlich!

Valentinas 20. Blick durch die Jacke auf die leuchtende Digitaluhr. 6:40 Uhr

 

Wie ich diesen Tag herbeigesehnt habe! Endlich sitzt meine Tochter im Zug nach Sylt und der Spuk ist vorbei. Spuk? Ja genau so hat es sich angefühlt die letzten Wochen und Monate seitdem Valentina wusste, dass sie auf Klassenreise gehen würde. Während die meisten Kinder einige Tage vorher oder sogar erst am Tag der Reise aufgeregt sind, hat Valentina bereits im Januar beschlossen ihre innere Ruhe für immer irgendwo im Keller abzugeben. Kein Tag an dem sie mit mir nicht auf der Webseite der Jugendherberge war, um zu checken, wo man isst, wie die Zimmer aussehen und wie weit es zum Strand ist. Leider auch kaum ein Tag, an dem nicht die Zusammenstellung ihrer Zimmerkameradinnen diskutiert wurde. Es ist unglaublich, wieviel leidvolle Diskussionen dieser Reise vorausgegangen sind. Denn wenn B. mit ihr ins Zimmer ginge, dann könnte ja V. nicht, weil die B. nicht mag, aber dann verzichtete B. und man musste V. zurück ins Boot holen. Zwischenzeitlich hatten die es sich beide anders überlegt und Valentina sass heulend zu Hause und konnte nicht schlafen vor Angst dann evtl mit XYZ ins Zimmer zu müssen. Vielleicht versteht der eine oder andere warum ich sage, der Spuk ist vorbei, meine Tochter sitzt im Zug. Eigentlich geht ja MEINE Aufregung jetzt erst los, aber das interessiert Valentina nun nicht mehr. Bis zur letzten Minute musste ich sie beruhigen, dass wir nicht zu spät zum Zug kommen, die Tasche stand seit einer Woche gepackt im Flur (sehr gegen meinen Willen, aber angeblich hatten andere schon viel früher ihre Koffer gepackt…) Ab gestern Mittag hatte sie keinen Hunger mehr. Wir beruhigten sie, hielten Händchen, lösten Hirngespinste auf (nein der Zug kann nicht auf dem Hindenburgdamm ins Wasser fallen). Das Allerbeste aber kam wie immer zum Schluss:

Um 6 Uhr 45 standen wir auf dem eiskalten Bahnsteig. Valentina wollte es so, obwohl der Treffpunkt erst um 7 Uhr 15 war. Um 7 Uhr 15 kam die Lehrerin, sehr entspannt, und erstaunlicherweise auch alle anderen Schüler, denen Valentina „unmögliche“ Eltern vorgeworfen hatte, die immer zu spät seien und ihre Kinder damit in schreckliche Situationen bringen würden. Um 7 Uhr 40, als der Zug gehen sollte erfuhren wir, dass er 40 Minuten Verspätung hat. Wenig später erfuhren wir, dass er ganz ausfiel.

Und wir warten und frieren und frieren und warten

Als Valentina schließlich gegen 9 im Zug sass hatte sie ihre Lieblingslektion mal wieder gelernt: nichts ist perfekt, egal wie gut sie es auch plant. Was mich betrifft, ich friere immer noch von diesem Morgen und habe jetzt schon Sehnsucht nach meiner Tochter, die mich gnädigerweise ganz, aber wirklich ganz ganz kurz auf die Wange geküsst hat zum Abschied.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.