Über solche und solche Schulen – irgendwie meckert man ja immer über etwas

Also für die, die diesen Blog schon länger kennen ist es ja bekannt, dass wir an einer französischen Schule sind, für alle Neulinge hier: wir sind dort, weil beide Eltern entweder in Frankreich gelebt haben oder unsere Familie von dort kommt. Würden wir an diese Schule gehen, wenn es nicht so wäre? Schwer zu sagen…

Früher, als ich noch klein war, war das Bild eines Franzosen jenes, des ewig lässigen Menschen. Während Deutsche viele Probleme hatten und sie ausgiebig wälzten, trank der Franzose einen Schluck Wein, lächelte und brach das Baguette.

Dieses Bild liess sich leider nicht lange aufrechterhalten. Spätestens nach meinem ersten Aufenthalt in Paris mit 15 wusste ich: Pariser (also nur ein Teil der Franzosen)sind gestresst, brüllen viel rum, hupen, trinken dennoch Wein, aber essen gar nicht so viel Baguette (oder wie schaffen es die Frauen sonst so schlank zu bleiben?)

Als wir an die französische Schule bzw. in den dortigen Kindergarten kamen hatte ich ein bisschen was von meinem alten Frankreich Bild noch im Kopf. Lebensart würden die Kinder dort lernen, entspannte Menschen treffen, selbstverständlich Französisch sprechen und  dem melancholischen Deutschland Image entkommen. Am 14. Juli würden alle auf dem Pausenhof tanzen und …Traum Ende.

Meine erste Begegnung mit der Kindergärtnerin war anders: Klare Ansagen an die Eltern, klare Ansagen an die Kinder. Keine Eingewöhnung, kein Händchenhalten, zu langes Küsschen geben im Flur war nicht erwünscht. Das französische Schulsystem fängt schon bei den 3 jährigen an. Während die französische Mutter konsequent nach 3 Sekunden ging, schlich ich mich regelmässig durchs Gebüsch und versuchte durch das Fenster Rest-Kontakt zu meiner Tochter aufzunehmen. Ich war nicht die Einzige: deutsche Mütter und Väter malten gerne noch mal ein paar Herzen mit dem Finger ans Fenster (unter den düsteren Blicken der Maitresse), Französinnen, die an uns vorbeigingen hielten uns dagegen für komplett bescheuert. Um Punkt 8 erschienen wir von da an jahrelang (auch das Kindergartenkind schläft nicht aus…) und lernten, Spielen ist was für kurze Pausen, ansonsten wird gelernt und den Anweisungen gefolgt.

Meine ersten 2 erlernten Lieblingssätze waren.
ON RANGE! (wir räumen auf)

ON NE CRIE PAS! (Wir schreien nicht)

Während in deutschen Kitas Yoga unterrichtet wurde und Kinder schon mit 3 den perfekten Sonnengruss erlernten, konnten meine (fast) perfekt gehorchen und ab 4 Jahren lesen. Das war ja auch was, auch wenn es mich ab und zu in tiefe Seelenqualen stürzte. Was war denn jetzt bitte schön richtig? Nur Spass, aber Kinder, die heute nicht mehr in der Lage sind Grenzen zu akzeptieren? Oder sehr viel Strenge und manchmal zu wenig Spiel, Freiraum, Platz einfach mal zu träumen?

Auch 6 Jahre später habe ich solche und solche Tage. Fröhlich reibe ich mir die Hände wenn ich von monatlichen Elternabenden in deutschen schulen höre, an denen Bioessen und jede Eigenart des Sprösslings diskutiert werden. LEGs (Lernentwicklungsgespräche) waren ein Fremdwort, das ich erst googeln musste. Wir haben einen Elternabend zu Beginn des Jahres, ab da tappen wir im Dunkeln. Französische Lehrer mögen es nicht, wenn man sich in ihren Unterricht einmischt. Deutsche Mütter, die morgens in der Tür stehen und etwas besprechen wollen, werden freundlich und sehr bestimmt abgewiesen.

In ein paar Wochen geht meine Tochter erstmals auf Klassenfahrt und sie ist sehr aufgeregt. So aufgeregt, dass sie manchmal starkes Bauchweh hat. Die Lehrerin liess anfragen, ob sie ihr ein Medikament geben darf. Ich hätte gerne geantwortet, „nein, also meine Tochter ist sehr sensibel, äusserst feinfühlig und ohnehin die Tollste unterm Sternenhimmel. Nehmen sie sie in den Arm, seien sie nett zu ihr und es wird keine Bauchschmerzen mehr geben. “ Leider dürfte ich damit ebenso erfolglos sein, wie wenn man ein Kind, das gerade die Supermarktregale zertrümmert, als „süsses Wesen mit einem sehr starken Willen“ bezeichnet.

Wie auch immer, an der Stelle mache ich jetzt mal einen Punkt. Ein Jahr bleiben wir noch, dann gehts aufs deutsche Gymnasium. Wie ich hörte soll es dort zugehen, wie bei Sodom und Gomorrha. Kinder duzen ihre Lehrer, surfen auf Handys durchs Internet und machen eigentlich nur Blödsinn.

Dann wird es Zeit über die andere Seite zu meckern. Ich freu mich schon, schliesslich bin ich Deutsche und würde es nur schwerlich aushalten einen Tag lang nicht übers Leben zu jammern 🙂

 

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