Osterhase, Weihnachtsmann und Co – werden wir all das bis zum Abitur noch haben?

Ich weiss ich, ich weiss. Ostern liegt schon einen Moment zurück, aber eigentlich bin ich jetzt erst draufgekommen, etwas dazu zu schreiben, denn ich blicke bei meinen Kindern nicht mehr durch.

Im Prinzip ist es so, dass ich schon Wochen vor Weihnachten oder Ostern immer nervöser werde. Die Fragen häufen sich. “Gibt es denn Weihnachtsmann, gibt es den Osterhasen?  Bringt er Geschenke, bringt er Eier? Kauft Papa die Eier im Supermarkt und warum kommt bei unseren französischen Freunden kein Hase, sondern eine Cloche (Glocke). ”

Die letzte und allerbitterste Frage ist immer diese: “Mama, du lügst uns doch nicht an, oder? Wenn du das tust, werde ich dir das NIE! verzeihen. Spätestens ab diesem Moment würde ich gerne beichten, einfach alles erzählen. Ich verwünsche meinen Mann, der erst Donnerstags heimkommt dafür, dass er aus diesen Situationen weitestgehend raus ist und wünsche mich auf den Mond.

Neulich kam eine neue Musiklehrerin zu uns. Später am Abend, als wir schon fast im Bett waren, erreichten mich aufgeregte Smsen von ihr. Die Kinder hätten sie gefragt, ob es den Osterhasen gäbe und sie hätte schreiend vor Lachen gerufen: “Natürlich nicht!” Erst dann sei ihr aufgegangen, dass meine so reif wirkende 9 jährige Tochter den Glauben an den Osterhasen nicht aufgeben will.

Und das Wollen scheint auch tatsächlich der springende Punkt zu sein. Schon an Weihnachten berichteten familiäre Informanten, deren Identität ich auf gar keinen Fall preisgeben darf, dass Valentina gesagt hätte, sie hätte im Keller Geschenke gefunden und ihr sei nun klar, dass es den Weihnachtsmann nicht gäbe. Sie wolle aber Papa und Mama nicht traurig machen, daher – PSSSSSSTTTTT nichts sagen….

Nun stellt sich abschliessend die Frage: Will unsere Tochter uns schützen, weil wir immer wieder glaubhaft versichern, dass es diese beiden Figuren gibt? Möchte sie vermeiden, dass wir mit über 45 Jahren schrecklich enttäuscht zusammenbrechen würden, weil wir kapieren, den Hasen und den bärtigen Mann gibt es nicht? Oder ist es vielmehr so, dass sie trotzdem noch an die beiden glaubt und das, was sie gesehen hat, einfach ausblendet oder sich anders erklärt. Der Musiklehrerin jedenfalls sagte sie, sie dürfe das auf keinen Fall Papa und Mama sagen. Man müsse sie in dem Glauben lassen, das alles in Ordnung sei.

Und so werden wir wohl alle noch lange an den Weihnachtsmann und den Osterhasen glauben. Ich werde weiter zum Lügen gezwungen und meine Tochter übt sich in den ersten psychologischen Versuchen, Erwachsene zu beruhigen. Verdrängung ist auf jeden Fall eine Massnahme durch all das gut durchzukommen. Denn wie kann man sich sonst erklären, dass es die Kinder schweigend hingenommen haben, dass die Geschenke des Osterhasen auf Amazon umtauschbar waren und mit Rücksendeetikett versehen zur Post gingen. Sie fragten nicht, ich sagte nichts. Reden ist silber, Schweigen ist gold.

1 Kommentar

  1. Ich fand das damals als Kind das aller tollste: Weihnachten!!! Versuche die Illusion deinen Kindern zu liebe so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Ich finde und fand das toll. 🙂

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