Die Königinnen der Würstchen – ein Roadtrip nach Paris und ein kluges, zärtliches Jugend-Buch über Ausgrenzung und Einsamkeit

Eigentlich sollte meine 9 jährige Tochter das Buch für mich probelesen; da V. aber momentan nur im Tagebuch-Stil von Dork Diaries oder Greg Tagebuch liest und gar nicht mehr weiss, wie man ein Buch ohne Comic Bilder vom Anfang bis zum Ende schafft (aber das ist ein anderes Thema), habe ich mir die Königinnen der Würstchen vorgenommen. Und mein Fazit: es ist nicht nur ein Buch für Jugendliche oder grosse Kinder, sondern auch ein Buch für Erwachsene. Es spielt mitten in der Pubertät und es fällt nicht schwer sich in das dauergenervte Mädchen hineinzuversetzen, deren Mutter nur alles falsch machen kann. Die Protagonistin, Mireille nimmt ihrer Mutter ihr Aussehen übel (sie sieht aus wie Catherine Deneuve und ist dazu noch klug), ihre Affäre mit einem Mann, der heute französischer Präsidentengatte ist und nichts von seiner ausserehelichen Tochter weiss und von dem sie zudem noch ihre schlechte Figur geerbt hat. Wieder einmal ist Mireille auf Facebook von ihren Mitschülern zur Wurst des Jahres gewählt worden, der Preis für das hässlichste Mädchen. Mireille hat die Bronze Medaille. Astrid und Hakima, ihre Mitschülerinnen, Gold und Silber. Jede hat ihr eigenes Päckchen an Problemen zu tragen, sie alle eint die Einsamkeit nicht dazuzugehören. Schliesslich planen sie einen Road Trip per Fahrrad nach Paris. Das Ziel, die grosse Party zum Nationalfeiertag im Elysee Palast zu crashen. Jede hat dort ihr eigenes Anliegen, aber bevor sie dort ankommen beginnt eine herzzerreissende Reise. Und der Trip selbst wird- natürlich – durch den Verkauf von Würstchen finanziert.

Das Wunderbare an diesem Buch ist, dass jedes der drei Mädchen uns so bekannt vorkommt. Wer hatte schon eine einfache Jugend ohne Zweifel, Schüchternheit oder andere Probleme? Mireille, als Kind einer Affäre, mit der “falschen” Figur und dem seltsamen Aussehen ihres Vaters, den sie nie kennenlernen durfte. Astrid, der typische Computer Nerd, die sich hinter ihren Spielen versteckt und der Liebe zur Band “Indochine”. Und schliesslich Hakima, die Jüngste, deren Bruder aus dem Krieg mit schweren Verletzungen zurückgekommen ist und den dennoch niemand als Held verehrt.

Sie alle machen in diesem Roman eine Verwandlung durch. Stark sind sie von Anfang an. Aber in der Gemeinschaft, die sie vorher nicht hatten, wachsen und reifen sie.

Wie Clémentine Beauvais das beschreibt ist in höchstem Masse lesenswert. Obwohl ihre “Heldin” zynisch, sarkastisch und voller Ironie gegenüber ihrer Aussenwelt ist, spürt man auch von Anfang an die Verletzlichkeit des Mädchens. Man leidet mit und hofft so sehr, dass sie sich ihrer Mutter gegenüber öffnen kann, ihren Vater kennenlernt und irgendwie alles gut wird. Ganz so amerikanisch läuft es zwar nicht, aber am Ende hat Clementine Beauvais ein wunderbares Buch geschrieben über die Probleme der heutigen Jugend, Über das Internet, das so schnell und so hart verurteilen kann. Über verletzliche Jugendliche und über Stärke. Und dazu hat sie eine Menge Humor mit eingebaut. Von mir ein ganz klarer Lesetip. Vielleicht für 9 -jährige – wie meine Tochter – wirklich noch ein bisschen zu früh, aber ab 11 unbedingt zu empfehlen!

 

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.