Ja gehts denn noch? Meine Mini Polizistin sorgt für Strassengerechtigkeit und Auto-Emanzipation

Bis vor kurzem fragten mich meine Kinder gerne, wann sie denn endlich ihren Führerschein machen dürften. Autofahren sei ja eine offensichtlich einfache Geschichte, vor allem, wenn man – wie ich- Automatik fährt. Aufs Gaspedal steigen (oder auf die Bremse), Blinken, Anhalten, das war es. Seit vergangenen Dienstag sieht das anders aus. Valentina und ich waren auf dem Weg zum Kickboxen, als meine Tochter mich fragte, warum ich eigentlich permanent diejenige wäre, die ausweicht. Wir befanden uns auf einer engen Strasse, die in 2 Richtungen nicht befahrbar war, also erklärte ich ihr, einer müsse das tun, wir könnten ja schlecht zusammenstossen. Valentina blieb hartnäckig: „Aber Mama, warum machst das immer du? Das ist nicht gerecht.“ Als wir eine Stunde später zurückfuhren wurde sie noch strenger und sagte: “ Der nächste der kommt, muss ausweichen, das hältst du jetzt bitte mal aus.“ Ich fühlte mich ein bisschen, als ob ich meine Psychotherapeutin neben mir sitzen hätte („jetzt halten sie mal schön dieses schlechte Gefühl aus und dann sagen sie mal, wie fühlt sich dieses noch miesere Gefühl an…?“) aber bitte, was tut man nicht alles für seine Kinder. Also fuhr ich zielstrebig auf das Auto, das mir entgegenkam zu, während Valentina triumphierte.

Ihre Freude war eine kurze. Etwa 2 Meter vor dem Auto war klar, es war ein Kampf der Geschlechter. Der Mann („typisch“ sagte Valentina und auch das gab mir zu denken) wollte nicht ausweichen und hielt mich für wahnsinnig, weil ICH nicht das Feld räumte. Um mir das klarzumachen zeigte er mir…. den Stinkfinger. Ich lächelte freundlich und wartete ab bis er endlich zurückwich. Gewonnen, dachte ich. Wow, was für ein Gefühl – einmal im Jahr.

Leider war meine Tochter nicht ganz so glücklich. „Hast du das gesehen, Mama?“, schrie sie. „Er hat dir den Stinkfinger gezeigt. Was fällt ihm ein? Wir müssen die Polizei rufen.“ Ich versuchte ihr zu erklären, dass die Polizei da nicht viel machen kann und das mir das noch weit öfter passieren würde, wenn ich darauf beharre, weiterzufahren. Dass es grundsätzlich eine gute Eigenschaft ist Rüpeleien im Strassenverkehr zu vermeiden, gefiel ihr gar nicht. Am liebsten wäre meine 9 Jährige ausgestiegen, um dem Mann ihre neu erworbenen Kickbox-Künste zu zeigen.

Als wir an dem Tag weiterfuhren war meine Tochter ganz still. Autofahren gefiel ihr nicht mehr ganz so gut und als mich im Kreisverkehr dann auch noch ein Radfahrer als „Schlampe“ bezeichnete, weil ER nicht den Arm beim Abbiegen rausgestreckt hatte und sich dennoch von mir geschnitten fühlte, war es mit Valentinas Kampfeslaune vorbei.

„Wollen wir nicht in Zukunft einfach Busfahren, Mami?“, fragte sie mich vorm Schlafengehen und ich muss gestehen, ich werde darüber nachdenken. So viel Stress wie wir in letzter Zeit im Auto hatten, muss eigentlich nicht sein. Und zu ekelhaften Strassenverkehrsteilnehmern freundlich zu sein, wenn sie einen behandeln wie Dreck, noch viel weniger……

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. Zu goldig! Ich kann es mir bildlich vorstellen wie sie bestimmt kurz davor war aus dem Auto zu hechten und die Verkehrsregelung selbst in die Habd zu nehmen und dem ein oder anderen die Leviten zu lesen! Minipolizist auf Streife!!!

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