Ohgott bin ich peinlich – finden meine Kinder….

Zwischen heranwachsenden Kindern und ebenso heranwachsenden Eltern gibt es eine unaufhaltsame Schere: Kinder werden grösser und schämen sich auf einmal für Dinge, für die sie sich nicht schämen müssten und Erwachsene werden älter und schämen sich nicht mehr für Dinge, für die man sich eventuell schämen könnte oder sollte.

Ich bin ein wunderbares Beispiel dafür. Obwohl ja viele Jahre VOR der Kamera, war ich stets schüchtern. Ich habe mich vor Referaten gedrückt, wollte mich in grossen Runden nicht vorstellen und war mir selbst unglaublich peinlich. Seitdem ich die 40 überschritten und offensichtlich nichts mehr zu verlieren hatte, verliert sich auch das Peinlichkeit-Gen und so erleben meine Kinder eine oft fröhliche, stets leidenschaftliche aber eben auch peinliche Mutter.

Neulich im Tennisclub beispielsweise wollte ich einer ebenso lebensfrohen Freundin ein Ständchen singen. Ich fing gerade an „ich wünsch dir Liebe ohne Leiden…“von Udo Jürgens zu schmettern, da raste meine ältere Tochter heran und presste mir ihre Hand auf den Mund. „Mamaaaaaaa, nicht!!!!Das ist sooooooo peinlich!!!!“Da ich der Meinung war, dass es hier nicht um sie, sondern um meine Freundin ging, versuchte ich es noch einmal und bekam dieses Mal kaum noch Luft, so eng klammerte ihre Hand meinen Mund zu. Also gab ich auf.

Singen, lernte ich von da an, war verboten- zumindest vor anderen. Selbstverständlich dürfen meine Kinder singen. Die sind ja jung und da wertet man das als glückliche Kindheit. In meinem Fall scheint es die glückliche Midlife-Zeit nicht zu geben.

Als ich es mit Tanzen versuchte war es ein ähnliches Desaster.

Die Liste der Dinge, die ich nicht mehr darf, sieht folgendermassen aus:

  • Küsse vor der Schule oder anderen Freizeitaktivitäten
  • laute Erinnerungen (vor anderen) an meine Zeit Zeit als junger Mensch
  • laute Erinnerungen (vor anderen) an die Zeit der Kinder, als sie noch in die Windeln machten
  • Tanzen, Singen, zu laut lachen
  • sich schminken
  • zu viel Reden…(ich rede gerne mit wildfremden Menschen, die ich kennenlernen möchte. Das ist Irre!!!!!!peinlich)
  • sich benehmen wie eine unter 45-jährige (geht gar nicht!!!!)
  • die Kinder wie eine 8 oder 10-jährige behandeln (sind sie, wollen sie aber nicht sein)
  • ach ja und natürlich über mich reden, also, dass ich ein Leben als Moderatorin hatte, mit Glamour und Anerkennung. Besser: mich wie eine Hausfrau benehmen, der es genügt Waschmaschinen ein und auszuräumen, Geschirrspülmaschinen ein und auszuräumen, Schulranzen…ein und …..ok ich höre auf.

Ich will mir natürlich nicht die gesamte Prä-pubertät meiner Kinder verbauen, also halte ich mich weitestgehend an ihre Erziehungstips. Nur manchmal vergesse ich es und dann gibt es richtig Ärger. Neulich standen wir an irgendeinem Stand in einem Einkaufszentrum und es war wirklich NIEMAND in der Nähe, der uns kannte. Ich sagte laut, „guck mal V. da ist „my little Pony“, das fandest du doch mal richtig gut.“

Was soll ich sagen, in diesem Moment kam ein junger Mann an uns vorbei und grinste mich freundlich an. Meine Tochter grinste ab da viele Stunden nicht mehr. Sie fühlte sich verraten und verkauft. Wahrscheinlich wähnte sie den Mann als bekannten You Tuber, der jetzt in allen sozialen Netzwerken darüber berichtete, dass die 10-jährige V. ein „my little Pony“ Fan war…

Wie man sich denken kann, platzte mir an dem Tag der Kragen. Ich sprach einfach auch nicht mehr mit ihr. Das war viel unkomplizierter. So kommt nichts peinliches aus meinem Mund raus und sie muss sich nicht so schämen. Ein mühsame Phase ist das, finde ich. Es wird Zeit, dass die beiden über 40 sind und wir es richtig krachen lassen können.

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