Über Ehrlichkeit und Zickereien. Kinder-Stress macht Mütter Stress

Gestern war mal wieder einer dieser Tage, an denen meine Phantasie als Mutter mit mir durchging. Es ist ohnehin schon schwierig und grenzt fast an das grosse Mütter-ZEN sich nicht in die andauernden Querelen der Kinder einzumischen. Sprichst du eine andere Mutter auf ihre Kinder an und beschwerst dich, bekommst du es hundertfach zurück. „Ja weisst du denn nicht, was für eine üble Lügnerin DEINE Tochter ist, also dagegen ist ja meine usw. und so fort..Also sag ich nichts mehr. Wer weiss vielleicht verwandelt sich mein Kind Tag für Tag nachdem sie an der Tür „Tschüss“ gesagt hat in ein Monster, was sich mobbend,tretend oder spuckend durch die Schule wälzt. Ohne versteckte Kamera werde ich dieses Problem kaum lösen können, also trinke ich lieber Tee und schreibe darüber.

Jedenfalls kam neulich eines meiner reizenden Kinder nach Hause und erzählte, dass ein anderes Kind (ältere Schwester einer ehemaligen besten Freundin) in einer grösseren Runde, in der alle Kinder vorgestellt wurden, bei der Namensnennung MEINER Tochter den Finger in den Hals gesteckt hat und laut „KOTZ!KOTZ! KOTZ!“ gesagt hat. Mein Kind hat das erstaunlich gut weggesteckt. „Mami, die ist ja völlig fixiert auf mich..“ Hmmm…wo sie Recht hat hat sie Recht, aber was treibt eine 13- jährige dazu – die ja normalerweise in Coolness geradezu erstarrt- vor allen Kindern einen virtuellen Kotzkrampf zu kriegen, wenn es um mein Kind geht??? Ist V. ein so widerwärtiges Geschöpf ausserhalb meiner häuslichen Sphäre? Da ich darauf keine vernünftige Antwort finde, stelle ich mir stattdessen vor, wie es wäre, wenn alle Erwachsenen, die mich nicht mögen endlich einmal so ehrlich reagieren würden: „ Guten Tag Frau Winkelmann, sie wollen hundert Gramm Wurst, leider finde ich sie heute so blöd, dass sie wo anders einkaufen müssen.“ Vor der Schule halte ich mit dem Auto an und überall um mich herum wird Müttern plötzlich schlecht, weil sie alle gegen Übelkeit ankämpfen müssen, wenn sie mich sehen. Ganze Elternabende wären schneller vorbei, wenn wir uns alle auf diese Weise unsere NICHT-Symphatien mitteilen würden. Stattdessen reden wir stundenlang um den heissen Brei herum, versichern uns gegenseitig, wie sehr wir auch den Nachwuchs der anderen schätzen und denken doch insgeheim nur darüber nach, was unser Kind uns zu Hause für Schauergeschichten über deren Kind erzählt. Dieses Thema wird mich noch länger beschäftigen, fürchte ich. – Zumindest so lange die Kinder heimkommen und sich beschweren, wer ihnen heute wieder etwas angetan hat. Über eine Lösung zu dieser Problematik muss ich noch eine Weile brüten. Entweder heisst sie „Kopf in den Sand“ oder „rein ins Schlachtgetümmel“. Wobei letzteres mir, glaube ich, zu anstrengend wird, wenn ich sehe, wie gerne Mädchen soziale Bindungen zu dramatischen Soap Operas ausschmücken.

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