Unser tägliches Handy gib uns heute – selbst eine Klassenreise wird zum Dauerchat

 

Neulich fuhr meine Tochter zu einer Klassensprecher Reise ins Landschulheim. Ganz grosse Aufregung unter den jüngeren Schülern – denn was sonst bei Höchststrafe verboten ist – nämlich das Handy mitzunehmen, war diesmal erlaubt. Ich kann nicht ohne Ironie sagen, dass ich mich mehrfach gefragt habe, woher diese Handy Erlaubnis kam und mein eindeutiger Verdacht ist: die Lehrer hatten Angst, dass alle Schüler ab der 9.oder 10. Klasse, die Reise einfach abgesagt hätten, wenn man ihnen das wichtigste Utensil ihres Lebens verboten hätte. Da einige Lehrer gerade Mitte 20 ist, bleibt zu befürchten, dass sie schon Teil dieser verrückten Handygeneration sind, die Fotoapparate kaum noch kennen und Telefonzellen für Regenschutzkabinen halten.

Wie auch immer, Valentina war selig. Sie befand sich kaum 5 Minuten im Bus auf der Autobahn, da bekam ich schon den ersten Mini Film:Sie und ihr Co-Klassensprecher auf der Rückbank im Bus. Daneben ein Mädchen, was sich gerade mit ihrem Handy filmte und ziemlich begeistert von ihrem Aussehen war. Wenige Minuten später, der erste Anruf, alles liefe super, ich müsste mir keine Sorgen machen.

Machte ich mir auch nicht, im Gegenteil, eigentlich wollte ich nur in Ruhe einkaufen. Was aber gar nicht so einfach war, da meine Tochter mir in der Folge die komplette Reise dokumentierte. Als sie endlich den beinahe letzten Clip von der Fähre aus zuschickte, war ich froh fast alles für das Wochenende eingekauft zu haben ohne zwischendurch völlig den Faden verloren zu haben.

Samstag früh hatte ich zu meiner Tochter bereits so viel Kontakt gehabt, dass ich den Eindruck hatte, sie wäre gar nicht weggefahren. Irgendwie war es fast intensiver. Während sie sonst für Stunden in ihrem Zimmer verschwindet, war ihr Nähe Bedürfnis nun wirklich gross. Sämtliche meiner Schritte wurden von ihr dokumentiert: „Mama, wie war Tuttis Kindergeburtstag“ „Mama, was machst du jetzt? Geht Vicky jetzt zum Athletik Training“, „Hey Mama, bald kommen Julia und Markus zu euch, was kochst du?“. Ernsthaft, so etwas fragt sie mich sonst NIE.Einer der eindeutig witzigsten Momente war aber als ich Samstag früh kurzen Kontakt zur Mutter des männlichen Mit-Klassensprechers hatte. Sie fragte mich tatsächlich, ob ich IRGENDWAS von den Kindern gehört hätte, sie würde sich ein bisschen Sorgen machen…Alles, was sie und ihr Mann per GPS Überwachung Tracking (ja so etwas gibt es!) sahen, war das ihr geliebter Sohn noch um 23.30 Uhr online gewesen war. Das Wochenende über hatten sie nichts von ihm gehört. Auf die Frage nach einem Lebenszeichen von ihm hatte er EIN!!!! Emoji zurückgeschickt, was offensichtlich Zufriedenheit anzeigen sollte. Das wars. Letztlich muss eben doch was dran sein an dem Vorurteil, dass Mädchen so viel mehr Redebedürfnis haben als Jungs. Fragt man sich nur, wer die Glücklicheren sind, die Jungs- oder die Mädcheneltern.

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