Unsportliche Mütter – sportliche Kinder? Geht das überhaupt?

Um es einmal ganz simpel in Worte zu fassen. Sport war als Kind nicht meine Priorität. Meine Priorität lag vielmehr im Lesen, Kartenspielen, Essen und wieder Lesen. Ich will nicht sagen, dass ich ein totaler Nerd war, aber da ich seit dem Babyalter eine Hüfterkrankung hatte, hatten mir Eltern und Ärzte immer wieder versichert, dass Skifahren gefährlich ist, Reiten sowieso, Tennis die Gelenke überbeansprucht und im Grunde nur Krankengymnastik das Richtige für mich sei.

Kennen Sie EIN Kind, dass Krankengymnastik mag? Ich auch nicht, also wurde mein Sport das Bücherlesen.

Erstaunlicherweise bin ich damit ganz gut gross geworden. Wer 7 Mal die Unendliche Geschichte am Stück liest, wird damit zwar noch nicht zum Intellektuellen, aber glücklich. Dass meine Freunde ihre Zeit beim Tennis, Hockey, Reiten oder Leichtathletik verbrachten, störte mich nicht. Irgendwann hatten sie immer Zeit – damals waren Kinder ja noch nicht so verplant wie heute; und als wir alle ins Teenager Alter kamen, lagen wir sowieso nur noch am Isarstrand, um unsere Figuren und Bräunungsgrade zu vergleichen.

Sie sehen, ich habe keine besonders grosse Vorbildfunktion für meine Kinder. Mein Abi habe ich so lala geschafft, studiert habe ich auch nicht, aber – und das muss ja dennoch mal erwähnt werden, ich bin ein glücklicher Mensch (meistens).

Warum ich das alles vorausschicke? Naja, seitdem ich Kinder habe, denke ich natürlich, das, was alle Eltern denken: WAS ist bei MIR schiefgelaufen? Und WAS werde ich demzufolge bei MEINEN Kindern ändern? Die Antwort: ganz klar, Sport. Also war schon früh klar, dass meine Kinder Sportskanonen werden müssen.

Wir haben in der Folge (viel zu früh) Ballett ausprobiert und fallengelassen. Hockey fanden meine Kinder öde („warum sollen wir mit all den anderen Kindern diesem blöden Ball hinterherrennen?“), dann kam das erste Ponyreiten (fallengelassen, weil ich im Winter zu sehr in der Halle gefroren habe und nicht noch mehr Blasenentzündungen wollte), Turnen („die Lehrerin ist so streng, Mami, da gehe ich nicht mehr hin“) usw. und so fort.

Das Problem, das sich schnell zeigte, war: Wenn sie etwas nicht wollten, fehlte mir der Ehrgeiz darauf zu bestehen. Denn wer als Kind nicht sportlich war, dem fehlt auch die Kraft Kinder dazu anzutreiben. Freundinnen von mir, die als Kind schon im Verein waren, fahren heute Wochenende für Wochenende mit ihren Kindern zu Turnieren, schlafen in Jugendherbergen auf harten Betten und freuen sich (oder tun zumindest so). Ich dagegen freue mich, wenn ich mit den Mädchen auf dem Sofa liege und wir ein gutes Buch gelesen haben oder den Harry Potter Film zusammen gucken.

Trotz all meines angeborenen Phlegmas haben wir es nach fast 10 Jahren dennoch geschafft, dass beide Mädchen Sport treiben. Eine spielt Tennis und die andere reitet, beide tanzen. Ob das alles wirklich so wichtig ist, weiss ich nicht. Für mich zählt, dass sie an etwas Spass haben, sich bewegen anstatt sinnlose Whats app Chats zu schreiben und natürlich ab und zu auch mal etwas wagen, was aufregend ist und sie an ihre Grenzen bringt.

Meine Grosse hat an diesem Wochenende zum Beispiel erstmals an einem Reitturnier teilgenommen. Vorher hat sie noch jedem erzählt, dass ich schuld bin, dass sie ausgerechnet für den schwierigsten Wettkampf angemeldet wurde (war ich nicht, ich hatte selbstverständlich gar keine Ahnung, dass es da überhaupt Unterschiede gibt). Als sie gestern unter fast 27 Kindern den 2. Platz machte, war von mir und meinem unglaublichen Fehlverhalten keine Rede mehr.

Seit gestern trägt sie den Kopf höher, den Rücken gerader und ich muss feststellen, dass Sport am Ende doch für etwas gut ist: Es stärkt das Selbstbewusstsein unserer Kinder und das macht uns Eltern zu Recht stolz. Ich bleibe dran und falls es jemanden interessiert, ich habe auch angefangen Sport zu treiben. Ist ja noch nicht zu spät, oder???

 

und ich bin doch so stolz...

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