Zu viel ist zu viel – hat man Töchter, braucht man keine Make Up Beratung mehr

Ich erinnere mich noch an eine Szene am Frühstückstisch. Ich war vielleicht 9 oder 10 und ich meinte es gut mit meiner Mutter. Wirklich. Es war weder Häme noch der Wunsch sie zu beleidigen, aber ich musste ihr morgens um 7 Uhr inmitten des grössten Stress einer berufstätigen Mutter sagen, wie schlecht sie sich schminkt. Ihr Augen Makeup sei verlaufen und bliebe in den Falten hängen. Unterm Auge hingen viel zu viele Krümel der Wimperntusche. Es sähe schrecklich aus.

Ehrlich gesagt weiss ich nicht mehr wie meine Mutter reagiert hat. Ich war ja kein besonders aufsässiges Kind, eher friedlich, insofern muss das schon ein ziemlicher Schag gewesen sein. Oder sie hat einfach verstanden, dass mein Sinn für Ästhetik das nicht zulassen konnte.

Die Geschichte war nicht weiter wichtig und geriet für mich in Vergessenheit, bis sich vor ein paar Wochen Freunde mit uns verabredet hatten und ich vorm Spiegel stand, um mich zu schminken. Mein Talent dazu war nie besonders ausgeprägt und bis vor ein paar Jahren habe ich es einfach bei Wimperntusche belassen, aber seit Neuestem probiere ich mich – schön spätpubertär – mit Augen Make up aus.

Während die Kinder von heute spätestens ab dem Alter von 11 in der Lage sind, wie Angelina Jolie vor der Oscar Verleihung auszusehen, eifere ich eher John Baez und Woodstock nach. Z u viel, zu grell und alles nicht gleichmässig. Ich könnte ja so wie die Kinder vor einem You Tube Video sitzen und mir das noch beibringen, aber das macht mir keinen Spass und…….es lohnt sich nicht mehr.

Das habe ich an diesem Abend eingesehen. Während ich immer mehr Lidschatten in Ecken meines Gesichts presste, die Krümel unter meinem Auge für tiefe Schatten sorgten und ich – immer wenn ich ein Problem bekämpft hatte- schon das nächste hatte, tauchte eine meiner Töchter neben mir auf. Ihr kritischer Blick sprach Bände: „Mami, was hast du getan? Geht es dir nicht gut? Du siehst so krank aus.“

Wo sie Recht hatte, hatte sie Recht. Ein Blick in den Spiegel zeigte mir, dass es Zeit war dem nächsten Alterungsschritt ins Auge zu blicken. Und apropos Auge, das war das Schlimmste. Während ich vorher ungefähr wie 47 ausgesehen hatte, sah ich nun locker wie 60 aus. Dunkle müde Augen, der Lidschatten sammelte sich in den Falten, die Foundation betonte JEDEN Winkel in meinem Gesicht. Zum Abschminken war es zu spät und während meine Tochter mich verwundert anstarrte, rieb ich mit Toilettenpapier an mir rum und versuchte das Schlimmste zu verwischen. Am Ende sah ich aus, als ob gerade ein Familienmitglied gestorben wäre und ich war wieder am Frühstückstisch mit meiner Mutter.

Was wollte ich ihr damals noch immer sagen? „Mama du bist so schön, und viel schöner bist du ohne das Gekleister in deinem Gesicht.“

Ich werde es mir ab jetzt zu Herzen nehmen. Zeit für einen Make up Wandel. Das Schminken überlasse ich in Zukunft meinen heranwachsenden Töchtern. Und ich finde mich richtig gut, dass ich das rechtzeitig eingesehen habe. Und – falls ich es noch nicht erwähnt habe, meinen Töchtern tue ich damit einen Riesen Gefallen. Eine befreundete Mutter aus Kindergartenzeiten hat unlängst ein Make Up Tutorial bei You Tube gestartet und macht das FANTASTISCH. Die Kinder allerdings schämen sich zu Tode. Mamis sollen eben nicht wie Superstars aussehen, das war schon immer so und in meinem Fall wird sich das nun wohl auch nicht mehr ändern.

 

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