Killerkatzenalarm und warum ich Tieropfer nicht so sehr schätze wie ich es sollte

Als wir uns vor vielen Jahren einen Kater anschafften, ging es neben den üblichen Gründen (die Kinder brauchen ein Haustier) darum meinen Mann etwas mehr Testosteron nach Hause zu holen, drei Frauen waren einfach zu viel.  Wir hatten die Qual der Wahl: Ein Hamster lebt sein Mannsein nicht genug aus, eine Schildkröte noch weniger, Vögel mögen wir beide nicht und ein Hund ist zwar niedlich, aber muss dauernd Gassi gehen (was ja im Prinzip gut ist, aber gegen mein Phlegma spricht). Also kam Keks in unser Haus. Bis zu seinem Tod vergangenen Sommer lebte er gemeinsam mit meinem Gatten das Männliche hier im Haus aus. Eigentlich war er sogar ein richtiger Macho, was mein Mann nur sehr selten ist. Und neben dem Macho sein, schleppte er alle paar Monate ein niedliches, totes Tierchen an. Meistens winzige Mäuse, die er im Grunde nur zu Tode erschreckte, zumindest sah man ansonsten keine Kampfspuren, essen wollte er sie nie. Ganz am Schluss zerlegte er noch einmal ein Eichhörnchen vor dem Gästezimmer-Fenster der angereisten Oma aus München. Ich sah es als echten Liebesbeweis und übertrug ihr die Ehre, die Eichhörnchen Innereien aufzuräumen.

Als Keks nicht mehr da war, wollten wir eine Haustierpause, doch dann schickte uns das Schicksal einen weiteren kleinen Kater, den seine Mutter nicht mehr wollte und wir umso mehr und wir fanden es war an der Zeit das Gender Gleichgewicht im Haus wieder herzustellen. Snoopy stellte sich als verspielte Hundewelpe heraus, er trottelte hinter uns her, spielte mit unseren Füssen und jedem Faden, der sich bewegte, in den Garten wollte er kaum und durch die Katzenklappe mussten wir ihn schieben, so wenig akzeptierte er dieses komplizierte laute Loch. Dann lieber stundenlang vor der Terassentür sitzen und uns vorwurfsvoll anstieren.

Leider werden kleine Katzenbabys schnell gross und ob man es will oder nicht: sie sind Jäger. Das erste Opfer brachte uns Snoopy kurz vor Weihnachten. Ich hatte gerade meinen Morgentee getrunken, da hörte ich es in der Küche fiepen. Die Tür zum Garten stand offen (ja, ich weiss, mein Fehler) und als ich nach meiner süssen Babykatze suchte, stand ich einer ausgewachsenen Riesen Maus gegenüber. Ich schrie, rannte, schmiss Türen zu und versuchte mich in der Kunst der Verdrängung. Als ich 20 Minuten später voller Mut wieder in die Küche kam, war das gigantische Felltier weg und ich zufrieden. Tage später musste ich feststellen, dass Snoopy ein viel zu grosses Interesse an einer Türritze im Wohnzimmer zeigte. Als ich mit der Taschenlampe hineinleuchtete, war klar warum: die Maus hatte sich in unser Haus geflüchtet und traute sich nicht mehr heraus. Als wir das Problem erkannten, war es im Prinzip schon zu spät, die Maus war noch am selben Abend gestorben, vor Hunger oder Durst oder beidem, egal, wir hatten das Problem, dieses Tierchen da herauszuholen und wussten nicht wie. Mein Mann hatte die glorreiche Idee den Staubsauger zu nehmen. Doch damit saugten wir nicht mal ein einziges Haar auf; Wir probierten es mit Fonduegabeln, wir flehten die Kinder an uns zu helfen (bitte eure Arme sind dünner und unsere zu fett :-)), aber die schreckten angeekelt zurück. Am Ende bauten wir mit Paketband und einer wunderbaren Fleischgabel vom Grill eine „Mausrausholmaschine“ und als wir sie endlich hatten, sahen wir: es war eine Ratte. Unser kleiner, niedlicher Babykater hatte uns als allererste Trophäe eine Ratte ins Haus geholt. Wir schmissen alle Fleischgabeln und Paketbänder, samt Ratte in den Müll und schworen uns nie wieder die Terassentür zu öffnen.

Bis zu diesem Sonntag. Snoopy musste irgendwann zwischen letzter und dieser Woche erkannt haben, wofür so eine Katzenklappe doch gut ist. Als wir Sonntag Abend nach Hause kamen war der ganze Keller Teppich voller Federn und in der Mitte lag eine Art Minirabe. Nein kein Vögelchen, ein Rabe. Unser Kater macht es nicht unter 10 Kilo. Wie üblich wiederholte sich das Prozedere: ich kreischte, die Kinder verschwanden urplötzlich und mein Mann musste ran. Ich bin stets für das Saugen zuständig, er für die Opferbeseitigung.

Heute Morgen kam ich von der Schule heim und freute mich auf einen Café, da lag da das nächste Tier. Ein winziges Mäuschen. Snoopy scheint ein Formtief zu haben. Leider war mein Opferbeseitigungsgatte nicht in der Stadt, also beschloss ich erst einmal den Café zu trinken und dann nachzudenken, wie ich das Problem ohne meinen Liebsten lösen könnte. Als ich wieder Richtung Maus guckte, war sie weg. Da ich häufig an meinem Verstand zweifele, ging ich drei mal raus und wieder rein, aber die Maus blieb weg. Mein altes ICH hätte gesagt, verdräng es, aber ein ungelobter Kater schafft es und zerlegt dir die Maus in Mäuseinnereien und legt sie dir in deine Winterschuhe. Also begab ich mich auf die Suche und fand das Minimäuschen hübsch drapiert auf dem Teppich im Keller. Genau an der Stelle, wo Sonntag der Rabe gelegen hatte. Mein kluger Kater muss sich gedacht haben: „Wenn die Alte das Opfer nicht würdigt, muss sie blind und dumm sein. Also leg ich es ihr dahin, wo schon einmal ein Opfertier entfernt wurde. “

Mein kluger, kluger Kater. Ich tat, was ich tun musste. Ich räumte sie weg. Ich lobte ihn für seine mutige Tat und dann fragte ich mich ob wir die Katzenklappe ab jetzt versperren.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.