Mein Leben als Diktator oder warum es mir kaum noch gelingt mit den Kindern anders als laut zu sprechen.

In letzter Zeit ist mir etwas abhanden gekommen. Dieses Mütterliche, Weiche, dass man stets verständnisvoll ist und voller Güte.
Weich und gütig ist bei mir nur selten etwas.

Schon früh am Morgen beginnt mein Tag mit Befehlen wie auf dem Kasernenhof:
„Kinder aufstehen!“…
Heftiges Gemurre aus dem Dunkel der Betten. „Sag erstmal guten Morgen“ knurrt die Grosse, „Kommst du kuscheln?“, säuselt die Kleine.

Ich sage brav guten Morgen, kuschele mich kurz an meine Tochter und beschliesse mit einem Blick auf die Uhr schon wieder gestresst zu sein, so süss 2 schlafende Kinder auch sind.

Also rufe ich: „Aufstehen, Anziehen! Denkt einer daran das Katzenklo sauberzumachen?“ Immerhin, eine lieb gestellte Frage, die selbstverständlich nicht gut ankommt.
In der Küche der nächste Feldwebelruf:

„Handys weg! Es ist Frühstückszeit, da gehören keine Handys auf den Tisch. Esst was, sonst könnt ihr euch nicht konzentrieren. „Nein, keine Schokolade, nein keine Nutella.“

Igitt was bin ich anstrengend.

Dann 10 Minuten später.
„Packt eure Schulranzen, wir müssen los! Mina, Mütze und Schal nicht vergessen, es ist kalt. Nein, draussen ist nicht Sommer. Bitte zieh den Helm an und die Warnweste. Was? Die ist nicht cool? Es ist aber auch nicht cool unter einem LKW zu landen.“

Bis hierhin war der Tag ein einziger Befehl. Warum klingen nur alle Mütter gleich, ohne es zu wollen?Ich sehne mich nach Fragezeichen, Doppelpunkten oder Kuscheleinheiten. Wann kommt einem das eigentlich abhanden? Schon im Kindergarten, während sich kleine dreijährige in Wutanfällen auf dem Boden wälzen, weil sie die geringelte Strumpfhose nicht anziehen wollen oder der Kakao im falschen Becher serviert wurde?
Oder war es später, wenn du nicht die einzige Mutter sein willst, die immer zu spät kommt, nur weil sie ihren süssen Kindern morgens nicht wehtun will und sie ihnen deswegen alle Zeit der Welt lässt?

Mir fehlt das: dieses Nachgiebige, Weiche, was das Muttersein ausmacht. Am Anfang hat man so viel davon und dann fühlt man sich gezwungen mit der Erziehung anzufangen und stellt fest: Es ist wie ein Echo im Ohr, man hört seine Eltern und fragt sich, warum sage ich Dinge, die ich nie sagen wollte? Ist diese blöde Erziehung wirklich so wichtig? Ist nicht Liebe und Verständnis viel, viel wichtiger?

Seit einigen Wochen gucke ich die Serie Modern Family. Eine der Hauptfiguren ist die Mutter, Claire, die im Grunde permanent unter Strom steht. Sie treibt ihre Kinder an, sie treibt ihren Mann an, sie steht mit ihre Vater im Wettstreit und ist eigentlich fast nie entspannt. Sie ist wie ein Spiegel durch den ich mich viel zu scharf und unschön sehe -spätestens in 5 Jahren bin ich Claire.
Würde ich eine Rechnung aufmachen, käme unterm Strich ein Verhältnis 30: 70 heraus. 70 Befehle, 30 normale Kommunikation.
Das muss sich ändern.

Ich überlege mir was hier zu Hause die Haupt-Streit-Punkte sind:

V. räum deine Unterhosen weg. Nein nicht ins Bett, nicht auf den Schreibtisch, in den Wäschekorb. Nicht darauf! IN!!!!!
(Ist das wichtig? Für mich ja, für die Kinder nein. Mein Mann sagt, lass ihr die Unterhosen im Bett. Irgendwann kommt eine Freundin und sie wird sich schämen und räumt sie von selbst weg“)

Bitte räumt die Teller ab. Nein, nicht ans andere Ende der Küche, sondern dahin, wo die Geschirrspülmaschine ist, am besten HINEIN. (….keine andere Idee, das muss gelernt werden)

Handyzeit ist beendet! gebt bitte eure Geräte bei mir ab. Was? Ihr könnt sie nicht finden? Wollt ihr mich verarschen (sag ich natürlich nicht so).

(Handys MÜSSEN weg, Kinder sollen spielen. Neulich habe ich ein Interview eines Psychotherapeuten gelesen, der gesagt hat Mütter, wie ich, die ihren Kindern die Handys ausschalten oder wegnehmen, sind wie Diktatoren. Die Kinder müssen es frei selbst lernen, damit umzugehen, nicht per Befehl… Ich halte dieses Interview für absoluten Wahnsinn. Wenn schon ich es nicht schaffe von selbst das Handy wegzulegen und mich immer wieder daran erinnern muss, wie schön Bücher sind, wie sollen das dann Kinder schaffen?)

Nächster Punkt:

„Macht eure Hausaufgaben und bitte gleich nach der Schule und nicht erst abends!“
( das müssen sie, aber dieses Diktatorische“ jetzt gleich“ könnte ich weglassen, im Grunde mache ich das ja nur, weil ich weiss, dass ICH Abend zu müde bin für Hausaufgabendiskussionen)

„Ihr müsst nach 7 Tagen mal wieder duschen, ihr riecht muffig.“

( das – finde ich- habe ich schon nett formuliert…Unsere Babysitterin kommt aus Kolumbien und ist immer wieder empört, wie deutsche Kinder darüber streiten, ob einmal die Woche duschen genug ist. In Kolumbien werden Kinder JEDEN Abend in die Badewanne gesteckt. )

Diese Liste hier liesse sich bedenkenlos tagelang fortsetzen, aber das ändert nichts an dem Dilemma. Ich will den Feldwebel aus dem Haus entfernen und habe Angst, dass dann hier kommunenartige Bedingungen entstehen…Was tun? Wie Claire aus Modern Family zu enden, ist keine Option. Anti Autoritäre Zustände auch nicht.

Ich probiere es jetzt nochmal mit einem etwas freundlicheren Ton. Nach dem Motto, wie man in den Wald hineinruft, kommt es heraus. Ich bezweifle, dass auch nur einer von den beiden seine dreckige Wäsche wegräumt, wenn ich sie anlächele und bitte sage, aber einen Versuch ist es natürlich wert und vielleicht ändert es ja zumindest etwas IN mir, wäre ja auch schon nicht schlecht….

1 Kommentar

  1. Und hast du es versucht mit einem lächeln bitte zu sagen?

    Also ich muss sageb, meine Mama sagte einmal, ich soll meine Wäsche (unterwäsche) nicht ik zimmer lassen sondern IN den Wäschekorb tun, wenn einer meiner Freunde kommt wäre es für mich peinlich. Aber ich habe es nicht gemacht. Eines Tages hat sie das neben dem Besuch gesagt, (diesen Besuch hasse ich immer noch) mir war es peinlich und zugleich kam meine Freundin und es war mir sehr peinlich . An dem Tag habe ich verstanden was meine Mama eigentlich meintr.

    Die Mädels müssen es selber verstehen, wieso sie aufräumen müssen.

    Das geschirr hat meine Mama eines Tages so gelassen wie wir es hinterlassen haben, schnell bemerkten wir, was sie meinte, da wir keine sauberen Besteck mehr hatten. Einer von uns räumte ein die andere räumte es aus.

    Manchmal hilft taten mehr als worte ….

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.