Corona Tag wieviel?

Geht Ihnen das auch so? Am Anfang wusste man noch, wann und wie das alles angefangen hat. In unserem Fall war es sogar sehr einfach, weil Hamburg direkt nach der Rückkehr aus den Frühjahrsferien dicht gemacht hat, aber auch das liegt gefühlt Wochen zurück. Ich weiss an manchen Tagen nicht, ob es Dienstag oder Donnerstag ist. Wochenenden erkenne ich daran, dass mein Mann weniger telefonieren muss. Seit der Zeitverschiebung kann ich noch nichtmal mehr die Uhrzeit einschätzen.

Diese Woche hat meine Schwiegermutter Geburtstag und wir können nicht zu ihr. Irgendwie werden wir uns in vernünftigen Abständen vor dem Gebäude postieren müssen, damit sie uns wenigstens SEHEN kann und wir ihr ein Ständchen singen können. Gewöhnungsbedürftig, nach wie vor.

Die Tage haben eine unstrukturierte Struktur bekommen. Aufstehen (nicht zu früh), an den Schreibtisch, Hausaufgaben mit den Kindern bis Mittags. Essenspause, dann evtl nochmal Schule, je nach Stoff. Nie vergessen, dass auch Bewegung wichtig ist, also raus in den Garten oder zumindest JUST DANCE vor der WII…Nachdenken, was man abends essen könnte. Nachdenken, was man – ohne etwas zu erleben- in diesen Blog schreiben könnte. Nachdenken, wann das alles vorbei ist.

Heute müssen wir zum ersten Mal RAUS. Also RAUS, nicht im Sinne von Supermarkt oder Spazierengehen (mit Riesenabstand zu anderen) sondern RAUS OHNE Abstand. Meine kleine Tochter hat sich gestern irgendetwas verrenkt und kann vor Schmerzen gar nichts mehr machen, geschweige denn schlafen. Also gehen wir zum Osteopathen. Es fühlt sich für mich irgendwie gerade irre gefährlich an, so schnell gewöhnt man sich an die Isolation von anderen Menschen. Wir werden uns also nachher Masken umbinden, die wir glücklicherweise haben und hinausgehen.

irgendwie kriege ich keine Luft

Wer weiss, ob das nicht ohnehin der Weg ist. Seit gestern hat wieder ausgerechnet das kleine Land Österreich einen entscheidenden Schritt nach vorne gemacht, über den jetzt alle diskutieren. Dort muss man ab heute Mittag Masken tragen, wenn man in den Supermarkt möchte. Und wenn das der Weg ist unser Leben wieder aufzunehmen? Wenn wir alle Masken tragen würden, in der Schule, in der Arbeit, auf der Strasse? Dann könnte unser Leben vielleicht wieder losgehen und wir müssten nicht diese immer grösser werdende Angst haben, was mit unserer Wirtschaft passiert und damit mit unserem Leben.

Ich habe mir für heute vorgenommen, Briefe zu schreiben. Dinge zu tun, die man in unserem „alten“ Leben nie tat, weil es angeblich zu stressig war. Jeden Tag möchte ich mir etwas vornehmen, was diese Leere sinnvoll füllt und mir das Gefühl gibt, dass sich die Zeit ausdehnt und mehr wird. Und Nachrichten gucke ich immer weniger. Virologen auch nicht, ändert eh nichts an der Lage.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.