Corona Woche 2 (zumindest aus schulischer Sicht)

Irgendwie gewöhnt man sich allmählich an so eine Art Corona Routine. Wir stehen etwas zu spät auf, sind weniger gestresst als sonst, aber deutlich weniger diszipliniert. Ich esse zu viel, weil mir das am meisten Freude macht und lese mehr als sonst, was mich ebenso glücklich macht.

Der Sonntag verlief ruhig bei uns, ich startete den Tag mit frischen Waffeln, etwas, was ich noch nie gemacht habe und setzte mich danach hochzufrieden über den gemütlichen Geruch im Haus in die Sonne, um zu lesen.

Manchmal ertappe ich mich dabei, wie sehr ich diese erzwungene Isolation geniesse. Wir haben lange, ruhige Tage, so wie ich das aus meiner Kindheit kannte und seitdem so oft vermisst habe. Wir müssen nicht hierhin und nicht dorthin und müssen eigentlich gar nichts ausser wir tun es. Gestern schrieb eine Klassenlehrerinnen der Kinder eine wunderbare Email, in der sie daran erinnerte, wie schwierig diese ganze Situation auch für unsere Kinder ist. Ich fand es schön, dass mal jemand keinen Druck machte, sondern im Gegenteil das in etwa so formulierte: Die Verunsicherung sei gross und weder die Kinder noch wir könnten jetzt zusätzlichen Druck von Seiten der Schule gebrauchen. Insofern sei es vollkommen in Ordnung , wenn nur das erledigt würde, was möglich sei. Und sie schloss damit zusagen, dass das Wichtigste sei, dass alle gesund blieben und zu Hause eine gute Stimmung herrsche…

Geht das nur mir so oder freut uns das nicht alle, dass es einmal nicht nur um Ergebnisse, sondern um Menschlichkeit und Verständnis füreinander geht? Ich bin sehr glücklich über diese Mail und habe mich heute bei der anstrengenden Bearbeitung landwirtschaftlicher Nutzflächen in Deutschland (GEO 5.Klasse) deutlich mit meinem Ehrgeiz zurückgenommen. Und siehe da, dem Kind hat mein Unterricht mehr Spass gemacht als sonst.

Wir haben unseren Keller derzeit als Fitnesszone umfunktioniert. Jeder darf mal aufs TrimmdichRad und unsere alte Rudermaschine, die bislang als Garderobenhalter für meine Flohmarkt Klamotten gedient hat. Die Kinder gehen lieber in den Keller als nach draussen, was ich bedenklich finde, aber auch verständlich. Sie sehen sich danach mit ANDEREN zu spielen, wenn das nicht geht, bleiben sie lieber gleich drinnen.

Gestern Vormittag standen auf einmal meine Schwiegereltern vor der Tür. Oder sollte man besser sagen am Zaun? Es war das erste Mal seit Ausbruch der Pandemie, dass wir uns SAHEN, denn mehr war es auch nicht. Sie standen 5 Meter von uns entfernt und wir alle freuten uns darüber einander zu sehen. Das Leben wird immer seltsamer.

Dennoch haben wir uns von beiden etwas abgeguckt und besuchten am Nachmittag Freunde, denen wir auf Entfernung zuwinken wollten, weil sie uns fehlten. Das Wetter war ein Traum und so beschlossen wir im Wald spazierenzugehen. Immer wenn einer dem anderen zu nahe kam, rief ein anderer: Halt! zu nahe! Das war schon wieder Komik pur. Aber was soll man machen, wenn man doch das Bedürfnis hat sich auszutauschen. Ab heute dürfen wir ja nur noch zu zweit raus. Wir haben uns schon gefragt, wie das wohl wird, wenn wir im Wald durch Zufall Freunde treffen und zu viert sind. Würde eine Polizei-kontrolle uns dann eine Strafe aufbrummen oder müssten wir uns nur schnell wieder in 2 er Gruppen zerteilen. Rechengesetze in Corona Zeiten.

fast 2 Meter Abstand, wir haben gut aufgepasst

Ein paar schöne Clips habe ich heute noch in den Zeitungen gefunden: Extrem gut laufen im Gegensatz zu fast allen anderen Wirtschaftszweigen jetzt die Autokinos. Gibt es leider fast nur noch in Amerika, aber vielleicht sollten wir das wieder ausbauen. Überhaupt bietet so ein Auto ja in höchstem Masse Virenschutz. Man könnte Drive Inns ausbauen für Supermärkte, Modeläden und vieles mehr. Vorher online kaufen und alles abholen, dann würden evtl. nicht so viele Läden schliessen müssen.

Ebenso Drive in und natürlich auch in Amerika kann man jetzt draussen beichten gehen. Der Priester (so gesehen gestern in der Bild am Sonntag) sitzt an einer Raststätte draussen, das Áuto fährt heran und um die Anonymität zu wahren, trägt der Priester eine Schlafmaske. Skurril.

So, Montag Morgen bedeutet auch weitermachen: Einkaufen gehen, was heute wahrscheinlich keine gute Idee ist, weil alle das tun und die Schlangen VOR dem Supermarkt wahrscheinlich schlimm werden. Unseren Zaun will ich kärchern, so etwas bietet Entspannung pur, wenn der Dreck langsam abblättert. Und ein paar Menschen anrufen, die einsam sind. Das ist eigentlich das Wichtigste für heute. In diesem Sinne einen guten Start in die Woche!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.