Corona-Wochenende No.2

Eigentlich wollte ich heute gar keinen Blog schreiben. Samstag Früh, kaum News, Mann zu Hause, Kinder auch zu Hause, nichts Neues also. Aber jetzt, so um 23.45 Uhr Nachts denke ich, ein paar Dinge darf man doch notieren. Mein Tag begann im Grunde ganz gut. Eine Tasse Tee am Bett, diesmal nicht selber organisiert, sondern von meinem lieben Gatten und dazu wie immer in den vergangenen Tagen ein Corona Austausch, der sich in etwa so anhört: „Hast du den Artikel in der NZZ gelesen? Nein? Warte ich schicke ihn dir per Whats App, MUSST du lesen.“ Mann: „hast du den Post auf XY gesehen? Nein?Warte ich schicke ihn dir, MUSST du lesen.“ Wenn wir mit dem Corona Austausch durch sind, geht der Tag los. Mein Mann ist heute tatsächlich joggen gegangen, das kommt nicht so häufig vor, aber angesichts drohender Ausgangsperren bekommen wir alle ein fast unnormales Freiheitsgefühl, dem man dringend Raum geben muss. Ich beispielsweise wollte heute die Fenster putzen und entschied mich dagegen, weil ich mir sagte, hey, ab Montag darfst du nicht mehr raus, dann kannst du Fenster putzen, Alben machen und noch viel Anstrengenderes, also besinnen dich auf alles ausserhalb deines Zauns.

Leider war da erst einmal nicht viel, weil mich das Thema Haushalt aufgehalten hat. Geschirrspülmaschine ein, Geschirrspülmaschine ausräumen. Jeder nimmt sich bei Durst ein Glas und beim nächsten Durst wieder ein Glas und bei einer Limonade ein Glas und bei einem Smoothie ein anderes Glas und ehrlich gesagt wundere ich mich von Zeit zu Zeit, dass noch niemals ein Thriller geschrieben wurde, in dem eine Hausfrau ihre ganze Familie radikal auslöscht, weil so viele Gläser pro Tag verbraucht wurden. Als die erste Runde Haushalt fertig war setzte ich mich in die Sonne auf die Terrasse und rief per Whats App eine Freundin in Singapur an, um zu hören wie dort die Corona Lage ist. Keine 10 Minuten später, die übrigens durchaus interessant und anregend waren, stand meine kleine Tochter vor mir, die vorher schon etwa 10 Mal per Handy angeklopft hatte, aber von mir erfolgreich ignoriert worden war und sagte ich müsse SOFORT aufhören zu telefonieren es sei DRINGEND!!!!! Dringend, klingt dringend und so verabschiedete ich mich schweren Herzens von meiner lieben Freundin am anderen Ende der Welt, um meiner Tochter zu helfen. Kaum hatte ich aufgelegt, hatte ich es auch schon bereut. Denn was war passiert? Hatte sie sich weh getan? War sie infiziert? Nein, nichts davon war passiert, der Ton auf ihrem Handy funktionierte nicht mehr, sie konnte ihre 1578 Sprachnachrichten nicht abhören.

KATASTROPHE

Relativ genervt nahm ich mich dennoch ihres Problems an, man weiss ja, dass es nicht einfach ist – gerade für die armen Kinder, die sonst nur bis 2 zählen müssen, bis sie haben, was sie wollen. Und nun das: Null sozialen Kontakt, Spiele wie Mensch ärger dich nicht als Alternative und fast noch schlimmer, Eltern, die vorschlagen Tischtennis zu spielen. Im Prinzip sollte man rechtzeitig vor so einer Pandemie einen Handyreparaturkurs belegt haben. Habe ich leider nicht, aber es gab ein Ersatz-notfall Handy und ab da hätte eigentlich alles toll sein müssen.

Nach dem Mittagessen legte ich mich kurz hin und wachte mit dem miesen Gefühl auf, die Kinder heute bislang weder zum Spielen (ohne Handy) noch zum Rausgehen motiviert zu haben. Männer sind in solchen Dingen auch keine Riesenhilfe, ausser sie sind Leistungssportler, aber mein Mann hatte ja bereits seine morgendliche Joggingrunde gemacht und war nicht sehr motiviert nun nochmal mit den Kindern rauszugehen.

Es kam wie es kommen musste, ich zeterte rum, wurde zickig, schwierig, alles was man als Frau so aufbieten konnte und am Ende machten wir die schlechtgelaunteste Radtour unseres bisherigen gemeinsamen Lebens. Die Route, ganz malerisch, einmal ums Flüchtlingsheim herum und wieder heim, alle mit Corona Mindestabstand von 3 Metern, die in diesem Fall nicht mit dem Virus zutun hatten, sondern mit schlechter Laune.

Oh mein Gott, was kann es schwierig sein so kurz vor einer (Eventuellen )Ausgangsperre alle noch einmal rauszutreiben.

Völlig genervt von mir selbst und meinen Ideen bin ich dann eine Stunde alleine spazierengegangen, naja nicht ganz alleine, sondern mit einer Freundin im Ohr, mit der ich einmal alles durchsprechen musste, was heute so schiefgegangen war.

Beste Nachricht des Tages: In den französischen Nachrichten kam ein grosser Beitrag über mein LUPUS Medikament, das in 2/3 der Fälle bei Corona Patienten geholfen und den Verlauf deutlich gemildert hat. Ich gehe gerade eine Liste durch, wie viel ich im Notfall übrighätte, um es allen älteren Leuten in meinem Familienkreis geben zu können. Nur Trump hat es wie üblich vergeigt. Er hat Donnerstag in einer Pressekonferenz mal wieder mehr als unklare Angaben zur Wirksamkeit von Chloroquin (dem Mittel) gemacht, so dass es daraufhin in Nigeria zu etlichen Vergiftungen kam, weil Menschen ohne eine Idee einer Dosierung Chloroquin genommen haben. Ohne Worte Mr Trump!

Mein Mann und einer seiner besten Freunde haben heute einen Austausch über TIC TOC begonnen. Wir erinnern uns: das ist eine Plattform für die Jüngsten unter uns, die irgendetwas tanzen oder sprechen und sich das dann stundenlang angucken und beschliessen, damit OHNE Abi reich zu werden (alternativer Berufswunsch:You Tuber)..Auf jedenfall tanzte sein 51-jähriger Freund P. in St Jean de Luz relativ witzig mit seiner 18-jährigen Tochter ..Natürlich konnte das unser Familienoberhaupt nicht so stehen lassen und schickte ein Gegenvideo mit seinen Töchtern. Zu schade, dass ich das hier nicht zeigen darf, es war wunderbar!!

Grossartige Stilblüten, die aus Quarantänezeiten entstehen…

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