Dank Corona zeigt die Waage neue Rekorde

Heute Morgen war ein schwieriger Morgen. Nicht nur, dass die Stimmung bei uns allen im Keller war, weil man nach fast 2 Wochen Isolation so langsam einen Lagerkoller bekommt; nein es war auch dieser Moment beim Zähneputzen, als mir klarwurde wie lange ich keinen Sport mehr gemacht habe. Während ich also in langen kreisenden Bewegungen mein Zahnfleisch massierte, umkreiste ich in ebenso langsamen Bewegungen die Waage. Irgendwie war mir klar, dass das Ergebnis mich nicht begeistern würde, aber am Ende stieg ich mutig drauf und fiel fast runter.

3 Kilo mehr, ein bisschen was davon sicherlich schon in den Märzferien in Südfrankreich angefuttert, aber da diese nahtlos in die Corona Quarantäne übergegangen sind ,war da nichts mehr zu retten. So und da stehe ich nun mit diesen Virus Kilos und weiss, es wird nicht besser. Ich meine, wie machen Sie das? Meditieren Sie sich die Leere weg, lesen Sie alte Klassiker und machen brav Gymnastikübungen vorm Fernseher oder joggen Sie Treppen rauf und runter?? Seitdem mein Fitnesscenter zu hat und der Tennisplatz gesperrt ist, habe ich endlich Gründe nichts mehr zu tun.

Hübsch aufgehängt und nett anzusehen: Das nie durchgeführte Sportprogramm

In mir hat Corona das Schlechteste vom Schlechtesten hervorgebracht. Mein Schweinehund und ich leben in einer gemütlichen WG und überlegen uns alle 30 Minuten, wie man mich noch glücklicher machen könnte. Ein Pudding auf dem Sofa? Eine Schokolade, während ich mich durch den Lernstoff der Kinder quäle? Oder ein fettes Sandwich mit Ei und Schinken und Remoulade (lecker!!!). Auf sozialen Netzwerken sehe ich, wie Menschen die Ergebnisse ihrer perfekten veganen Ernährung posten und überhaupt insgesamt nur zu besseren Menschen werden während dieser Krise. Klar, jetzt wo man so viel Zeit hat, ist es doch herrlich Gemüse zu schnippeln und endlich einmal das vegetarische Kochbuch auszuprobieren. In der Theorie sehe ich das auch so – in der Praxis setze ich das bei 2 Mahlzeiten pro Woche um, den Rest der Zeit habe ich Hunger, möchte ein Loch in meinem Magen und meiner Seele stopfen gegen die schlechten Nachrichten aus Italien und Spanien, gegen das Alleinsein gegen die blöde Schularbeit. Mein natürliches Phlegma gegen das ich seit 48 Jahren mühsam ankämpfe klatscht täglich erfreut in die Hände: Endlich ruht sich Caroline aus und hetzt nicht durch die Liste ihrer hohen Ansprüche. Mein Phlegma weiss allerdings nicht, dass das nicht gesund ist, was ich mache und das mein schlechtes Gewissen täglich grösser wird.

Foodblogs sind meine neue Zeitung. Keine schlechten Nachrichten. Bunte, schöne Bilder, der Magen knurrt schon, wenn ich mir die Fotos angucke. Und ich bin ja nicht allein damit. Meine Freunde und ich haben kaum noch Gesprächsstoff. Wir erleben ja auch nichts mehr. Also sprechen wir im schlimmsten Fall über die Entwicklungen der Pandemie und im besten Fall über unsere verschiedenen Mahlzeiten. Man tauscht sich aus, beichtet sich Sünden („gestern Abend 4!Hanuta und eine Tüte Chips..Was du auch?“) und inspiriert sich dazu mehr zu essen, denn das hält ja bekanntlich Leib und Seele zusammen.

Gestern Abend war ich mit meinem Mann spazieren und versuchte vergeblich endlich mal wieder auf 10.tausend Schritte am Tag zu kommen (derzeitiger Schnitt: 200). Als wir schon auf dem Rückweg von der Elbe nach Hause waren kamen wir an unserem benachbarten Glascontainer vorbei und staunten: Offenbar waren wir mit unseren Lastern doch nicht allein: Der Container quoll über von Flaschen und um es noch deutlicher zusagen, es waren KEINE Wasser oder Limonadenflaschen. Also gibt es wohl doch nicht nur Alkoholabstinente Veganer da draussen. Ich bin beruhigt und trinke trotz weiterer Kalorien jetzt erst einmal ein Glas Wein.

Huch was haben unsere Nachbarn denn gemacht?
Hübscher Anblick

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