Über eine Störung, die so viele von uns betrifft und immer weiter um sich greift – die Anti TELEFONITIS

Ich habe eine Telefonstörung. Leider ist kein Fall für die Telekom, sondern eher ein Fall für einen Therapeuten. Ich mag nicht mehr telefonieren.

Im Grunde ist mir das lange Zeit gar nicht aufgefallen, bis ich anfing mich über meine Kinder aufzuregen. Beide haben Handys und beide sind nie zu erreichen. Das Prozedere läuft immer gleich ab: Ich rufe sie an, es klingelt und klingelt. NICHTS. Ich schreibe eine Whats app und ZACK bekomme ich eine Antwort. Am beliebtesten dabei ist die Whats app Sprachnachricht. Das 2020 Kind kommt nicht in die Verlegenheit die deutsche Rechtschreibung benutzen zu müssen und darf reden ohne von seiner Mutter unterbrochen zu werden. Als ich irgendwann einmal einer anwesenden Freundin davon berichtete, wie doof es sei, dass Kinder Telefone haben, die eigentlich nur für Blödsinn benutzt werden, klingelte parallel mein Handy. Ohne auch nur nachzudenken, schaltete ich es auf stumm und wartete auf eine Nachricht. Als die per Whats App kam, antwortete ich brav und ……erkannte, dass es mich auch erwischt hatte.

Wenn mein Handy klingelt, fühle ich mich gestört, ich reagiere gestresst und gehe fast nie ran. Wie kann das sein und wann ist das eigentlich passiert?

Ich weiss noch, dass einer der Haupt-Streitpunkte meiner Eltern war, dass meine Mutter angeblich morgens – statt brav den Haushalt zu machen- zu lange mit ihren Freundinnen telefonierte. Zumindest sagte das mein Vater. Meine Mutter dagegen hat höchstwahrscheinlich einfach nur ab und an ein Gespräch geführt. Und wer hätte es ihr verdenken können? In den 70 er Jahren waren Frauen zu Hause. Es gab keine Lunch Treffen, Latte Macchiato Mütter, keine gemeinsamen Treffen unter der Woche. Die Frauen machten Haushalt und Kinder und meist kochten sie dem zwischendurch heimkehrenden Mann auch noch ein Mittagessen.

Was muss das für ein wunderbarer Moment am Tag gewesen sein zu telefonieren! Ein Kontakt zur Aussenwelt. Ein kleiner Austausch, ein bisschen lachen, lästern, lamentieren.

Heute stehe ich morgens auf und es piept. Ich mache die Kinder für die Schule fertig und das Handy begleitet mich dabei wie eine Waffe. Irgendwie trägt man es ständig mit sich rum. Lasse ich es mal liegen, erwarten mich danach bedrückend viele Nachrichten, die beantwortet werden müssen. Es piept, zischt und drängt ununterbrochen. Und jeder ist beleidigt, wenn nicht sofort geantwortet wird. Der blaue Haken zeigt uns doch, der andere hat es gelesen, warum habe ich dann 2 Stunden später noch keine Antwort? Genau so läuft es heute ab und wenn ich ehrlich bin, hasse ich genau deswegen mein Handy. Es hält mich von all dem ab, was ich in den 80 er und 90 er Jahren des wunderbar vergangenen Jahrhunderts noch gerne gemacht habe. Lesen, Denken, Spazierengehen, Schauen, Fühlen, Sprechen. Ja, Sie haben es richtig gehört: SPRECHEN. Denn diese permanente Erreichbarkeit hat mit mir etwas gemacht. Ich will es einfach nicht. Ich möchte nicht ständig verfügbar sein. Ich gehe nur ran, wenn die Schule anruft (ok, ab und an auch bei der Familie und bei Freunden). Ich möchte nicht, dass mir noch mehr Zeit gestohlen wird. Und ich bin genauso schlimm wie meine Kinder. Eine Top whats Apperin, Sprachnachrichtenhinterlasserin usw…

Es gibt nichts worauf ich weniger stolz bin. Fragt man Menschen, die sich mit der Materie etwas auskennen, sagen diese: der Trend geht in die Stille. Wo es zu laut ist, muss es still werden. Aber werden wir uns dann in Zukunft alle nicht mehr treffen? Ist eine gute Diskussion dann ein Austausch von Meinungs-Sprachnachrichten? Werden auch schlimme Nachrichten nur noch virtuell schriftlich überbracht?

Wenn ich ehrlich bin geht es zu Lasten der Freundschaften. Nur weil ein technisches Gerät dauernd irgendetwas von einem will, verpasst man herrliche Gespräche, spannende Spaziergänge oder ehrlichen Austausch. Natürlich nicht immer, aber – wie ich finde – viel zu oft inzwischen. Mein Handy und ich haben jetzt einen Pakt geschlossen: Ein paar Stunden am Tag lege ich es stumm geschaltet weg ( die Schule hat unseren Festnetzanschluss). Dadurch schaffe ich mir wieder etwas mehr Ruhe. Und wenn es an ist dann benutze ich es auch. Ich will nicht, dass ein Gerät so viel Macht über mein Leben bekommt. Und ich hoffe ich bin nicht alleine mit diesem Gefühl.

Über den Rüttelflug oder den Segelflug oder warum nicht einfach gleich die Quantenphysik?

Bis vor kurzem dachte ich tatsächlich, dass ich auf der Suche nach einem neuen Sinn meines Lebens wäre. Eine neue Arbeit, eine neue Ausbildung mit Mitte 40? Warum nicht? Wenn nicht jetzt, wann dann? Es gibt ja so viel Spannendes da draussen. Midlife Chance ich grüsse dich!

Leider hatte das Schicksal etwas anderes mit mir vor und suchte mir den Job aus, den ich am wenigsten wollte: Gymnasiallehrer in den Fächern Mathe und Naturwissenschaften für meine Tochter.

Die vergangenen Wochen sahen also so aus:

Wunschdenken:

ich schreibe Blogs
ich orientiere mich an neuen Berufen
ich mache Sport
ich fange endlich Kapitel 2 meines Romans an
ich mache Arbeiten im Haus oder Garten (das erdet sehr)

Realität:

ich habe meine Vormittage damit verbracht mich inhaltlich auf Nachmittage mit meiner Tochter vorzubereiten, an denen sie mir weinend erklärt, dass sie all den Stoff nicht kapiert. Ich kenne jetzt: SOFATUTOR. KLASSENARBEITEN.DE, SCHLAUKOPF, alle Lernfilme auf You Tube und vieles mehr.

Weitere Realität:

  • ich habe Achsen gespiegelt
  • versucht zu verstehen, wie man Maßstäbe umrechnet
  • Punkt vor Strich neu gelernt
  • Kapiert, warum eine Raute auch ein Rechteck ist und was das ganze von einem Trapez unterscheidet
  • des weiteren habe ich mich in Luftdruckunterschieden weitergebildet
  • habe versucht zu kapieren, wie Land und Seewind entsteht
  • Wann sich welche Luftsäule erhebt oder senkt und dann ein Hoch oder Tiefdruckgebiet entsteht.
  • und nicht zu vergessen, der Vogelflug, die Federn, und was unterscheidet den Rüttelflug vom Sturzflug

Kurzum: mein eigentlich bestandenes Abi steht nicht mehr zur Debatte, denn ich gehe wieder zur Schule.

Man muss dazu sagen, dass ich das am Anfang ganz witzig fand. Was für eine Chance, dachte ich mir. Ich werde spannende Dinge lernen, die wir möglicherweise in der Schule nie durchgenommen haben. Aber wenn man sich irgendwann zu 80 % mit Inhalten beschäftigen muss, die einen im Prinzip nichts mehr angehen, fragt man sich schon, was hier falsch läuft. Warum nur hatte ich als arrogante Bajuwarin gedacht, das Hamburger Schulsystem sei läppisch. Für meine Arroganz werde ich jetzt bestraft. Nachdem wir 9 Tage intensivst für Mathe gelernt hatten, brachte V. eine 4 nach Hause. Vorher rief mich aber noch ihr Mathelehrer auf dem Handy an, um mich zu fragen, warum wir unsere Tochter eventuell (er war sehr vorsichtig) so sehr unter Druck setzen würden, dass sie weinen müsste bei einer 4?

Druck??? Das sagt er mir? Der Frau, die bei Mathe Prüfungen immer einen Blackout hatte und die deswegen fast durchs Abi gerasselt wäre. Egal. Was immer es war, was V. zum Weinen brachte, es war wohl eher das, was auch mich an diesem Tag in Verzweiflung stürzte.

Wir opfern unsere Nachmittage; unser 11-jähriges Mädchen sitzt und lernt und lernt. Und streitet sich dann noch mit ihren Eltern. Anstatt zu spielen und ein Kind sein zu dürfen, quälen wir uns den Stoff hinein und bekommen dann eine 4. Das ist schwer auszuhalten.

Und wir sind nicht die Einzigen.

Ich würde diesen Beitrag jetzt gerne ins Lustige drehen, doch im Prinzip bin ich zu frustriert dafür. Heute schreibt meine Tochter NUT (Naturwisssenschaften) nach und wahrscheinlich wird sie auch da wieder nicht so gut sein wie sie denkt. Weil es viel zu viele Dinge GLEICHZEITIG sind, die die Lehrer abfragen. Wenn einem Erwachsenen schon der Kopf raucht, wie soll es dann einem Kind gehen? Warum kann es nicht wie früher sein, als wir den Stoff durchnahmen und zumindest bis zur 7. oder 8. Klasse das meiste schon im Unterricht verstanden, weil wir EIN Thema hatten und nicht 5. Und auch dann reichte auswendig lernen für eine anständige 3.

Ich halte Valentinas Lehrer für schlau und gut, aber ich werde den Eindruck nicht los, dass die Stoff-MENGE zu anspruchsvoll ist für Kinder, die gerade der Grundschule entwachsen sind.

Heutzutage heisst es immer, man soll den Kindern den Stress dieser Zeit nehmen. Nicht so viel Aktivitäten am Nachmittag, nicht so viele Treffen. Einfach Ruhe. Wenn die Konsequenz ab dem Alter von 10 ist, dass die Kinder anstatt Tennis zu spielen oder draussen Fahrradzufahren, lernen, dann ziehe ich den Sport vor.

Der Ernst des Lebens beginnt noch früh genug, haben früher die Eltern zu ihren Kindern gesagt, wenn sie zu schnell zu viel wollten. Heute beginnt er mit dem stressigen Übertritt von der 4. in die 5. Klasse und scheint nie wieder aufzuhören. Selbst mit 47 nicht, ich kann ja meine Tochter schlecht im Stich lassen, also Schluss jetzt mit Schreiben und ran ans Repititorium: Heute soll ich ihr Potenzrechnung erklären, doch zuvor muss ich erstmal wieder aufrufen, wie das eigentlich noch genau ging :-))

Kinder mit Stern – ein neues und gutes Buch gegen das Vergessen.

Ich weiss noch, als ich im selben Alter war, wie meine Tochter Valentina heute. Ich war  genauso besessen wie sie davon, alle Bücher zu verschlingen, die mir irgendwie erklären konnten, wie das UNERKLÄRLICHE passieren konnte. Wie konnte Hitler vor den Augen so vieler Menschen deren Freunde und Kollegen und Nachbarn verschleppen? Wie konnte er sie töten ohne, dass irgendeiner eingeschritten war? Es war ungeheuerlich, als Kind und auch heute noch als Erwachsene.

Während ich Bücher wie „als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ und „damals war es Friedrich“ las, geht meine Tochter ihren eigenen Weg: So gibt es zum Beispiel einen sehr beachtlichen Comic (obwohl es das Wort Comic nicht so richtig trifft, eher schon ein sehr ausführliches Bilderbuch mit viel Text) von Ari Folman und David Polonsky zum Tagebuch der Anne Frank. Sie hat ihn inzwischen sicherlich 10 Mal gelesen, weil er sie so beschäftigt. Immer wieder beantworte ich ihre Fragen dazu – Antworten, die mir nicht immer leicht fallen, denn was kann eine 11-jährige bereits verkraften und was ist definitiv zu viel?

Ein beachtenswertes neues Werk zu diesem Thema ist daher das neu im Carlsen Verlag erschienene Buch „Kinder mit Stern“ von Martine Letterie. Es handelt von Rosa und Jules und Klarte, Leo, Ruth und Bennie. Sie alle leben 1940  in den Niederlanden, als die Nazis dort einmarschieren. Plötzlich ist Krieg und plötzlich ändert sich alles. Rosa, die den Zoo liebt, darf nicht mehr dort hingehen. Jules möchte mit der Strassenbahn zu einem Freund und kann auch das nicht mehr. Die Kinder in diesem Buch sind Juden, sie müssen den gelben Stern tragen und sehen, wie sich ihr Leben plötzlich ohne sichtbaren Grund verändert. Aber trotz aller Beschränkungen handelt dieses Buch auch von der Normalität mitten im Wahnsinn. Davon wie sehr sich ein Junge freut, als er ein Paket ins Lager Westerbork bekommt, in dem sein altes, rotes Feuerwehrauto steckt. Davon, dass kaum noch Unterricht stattfindet, weil nach und nach alle in die „Züge“ gesteckt werden. Und wie sich ein Mädchen ganz zum Schuss versteckt, um nicht doch noch in den Transport nach Osten zu kommen. Und dann ist auf einmal Frieden. Die Deutschen sind weg, die Kanadier befreien das Lager und die Kinder erkennen, dass sich auch draussen die Welt verändert hat. Aber sie haben überlebt.

Mein Fazit: das Buch ist ein tolles Buch für Kinder, die sich in die jüdischen Kinder von damals hineinfühlen wollen. Es ist ein sanfter Einstieg, da der Autor sich nur auf Westerbork und das Leben davor begrenzt. Viele Geschichten handeln vom Alltag der Kinder, die versuchen so viel Normalität wie nur irgendwie möglich zu erleben. Es handelt von Abschied und Zusammenhalt und vom Unverständnis der Kinder, warum ihnen die Deutschen das antun. Dennoch hatte ich am Ende Tränen in den Augen, denn das Nachwort erzählt mehr, als das Buch.

18.000 jüdische und mehrere hundert Sinti Kinder wurden über das Lager Westerbork während des Zweiten Weltkriegs abtransportiert. Die meisten kamen nie mehr zurück. Nur eine kleine Gruppe, etwas über 1000 Kinder kehrten zurück und erzählten später Mitarbeitern des Erinnerungszentrums ihre Geschichte. Aus diesen Interviews ist dieses Buch entstanden. Ein Junge aus den Geschichten hat es nicht überlebt. Er starb 1944 in Auschwitz.

Die Autorin schreibt ganz zum Schluss dies: “ Ganz tief in meinem Herzen hoffe ich auch, dass sie (die Geschichten) ein wenig dazu beitragen, dass die Kinder, denen sie vorgelesen werden, später  vernünftige Erwachsene werden, die wissen, welche Folgen es haben kann, wenn man andere ausschliesst.

 

Mein Leben als Diktator oder warum es mir kaum noch gelingt mit den Kindern anders als laut zu sprechen.

In letzter Zeit ist mir etwas abhanden gekommen. Dieses Mütterliche, Weiche, dass man stets verständnisvoll ist und voller Güte.
Weich und gütig ist bei mir nur selten etwas.

Schon früh am Morgen beginnt mein Tag mit Befehlen wie auf dem Kasernenhof:
„Kinder aufstehen!“…
Heftiges Gemurre aus dem Dunkel der Betten. „Sag erstmal guten Morgen“ knurrt die Grosse, „Kommst du kuscheln?“, säuselt die Kleine.

Ich sage brav guten Morgen, kuschele mich kurz an meine Tochter und beschliesse mit einem Blick auf die Uhr schon wieder gestresst zu sein, so süss 2 schlafende Kinder auch sind.

Also rufe ich: „Aufstehen, Anziehen! Denkt einer daran das Katzenklo sauberzumachen?“ Immerhin, eine lieb gestellte Frage, die selbstverständlich nicht gut ankommt.
In der Küche der nächste Feldwebelruf:

„Handys weg! Es ist Frühstückszeit, da gehören keine Handys auf den Tisch. Esst was, sonst könnt ihr euch nicht konzentrieren. „Nein, keine Schokolade, nein keine Nutella.“

Igitt was bin ich anstrengend.

Dann 10 Minuten später.
„Packt eure Schulranzen, wir müssen los! Mina, Mütze und Schal nicht vergessen, es ist kalt. Nein, draussen ist nicht Sommer. Bitte zieh den Helm an und die Warnweste. Was? Die ist nicht cool? Es ist aber auch nicht cool unter einem LKW zu landen.“

Bis hierhin war der Tag ein einziger Befehl. Warum klingen nur alle Mütter gleich, ohne es zu wollen?Ich sehne mich nach Fragezeichen, Doppelpunkten oder Kuscheleinheiten. Wann kommt einem das eigentlich abhanden? Schon im Kindergarten, während sich kleine dreijährige in Wutanfällen auf dem Boden wälzen, weil sie die geringelte Strumpfhose nicht anziehen wollen oder der Kakao im falschen Becher serviert wurde?
Oder war es später, wenn du nicht die einzige Mutter sein willst, die immer zu spät kommt, nur weil sie ihren süssen Kindern morgens nicht wehtun will und sie ihnen deswegen alle Zeit der Welt lässt?

Mir fehlt das: dieses Nachgiebige, Weiche, was das Muttersein ausmacht. Am Anfang hat man so viel davon und dann fühlt man sich gezwungen mit der Erziehung anzufangen und stellt fest: Es ist wie ein Echo im Ohr, man hört seine Eltern und fragt sich, warum sage ich Dinge, die ich nie sagen wollte? Ist diese blöde Erziehung wirklich so wichtig? Ist nicht Liebe und Verständnis viel, viel wichtiger?

Seit einigen Wochen gucke ich die Serie Modern Family. Eine der Hauptfiguren ist die Mutter, Claire, die im Grunde permanent unter Strom steht. Sie treibt ihre Kinder an, sie treibt ihren Mann an, sie steht mit ihre Vater im Wettstreit und ist eigentlich fast nie entspannt. Sie ist wie ein Spiegel durch den ich mich viel zu scharf und unschön sehe -spätestens in 5 Jahren bin ich Claire.
Würde ich eine Rechnung aufmachen, käme unterm Strich ein Verhältnis 30: 70 heraus. 70 Befehle, 30 normale Kommunikation.
Das muss sich ändern.

Ich überlege mir was hier zu Hause die Haupt-Streit-Punkte sind:

V. räum deine Unterhosen weg. Nein nicht ins Bett, nicht auf den Schreibtisch, in den Wäschekorb. Nicht darauf! IN!!!!!
(Ist das wichtig? Für mich ja, für die Kinder nein. Mein Mann sagt, lass ihr die Unterhosen im Bett. Irgendwann kommt eine Freundin und sie wird sich schämen und räumt sie von selbst weg“)

Bitte räumt die Teller ab. Nein, nicht ans andere Ende der Küche, sondern dahin, wo die Geschirrspülmaschine ist, am besten HINEIN. (….keine andere Idee, das muss gelernt werden)

Handyzeit ist beendet! gebt bitte eure Geräte bei mir ab. Was? Ihr könnt sie nicht finden? Wollt ihr mich verarschen (sag ich natürlich nicht so).

(Handys MÜSSEN weg, Kinder sollen spielen. Neulich habe ich ein Interview eines Psychotherapeuten gelesen, der gesagt hat Mütter, wie ich, die ihren Kindern die Handys ausschalten oder wegnehmen, sind wie Diktatoren. Die Kinder müssen es frei selbst lernen, damit umzugehen, nicht per Befehl… Ich halte dieses Interview für absoluten Wahnsinn. Wenn schon ich es nicht schaffe von selbst das Handy wegzulegen und mich immer wieder daran erinnern muss, wie schön Bücher sind, wie sollen das dann Kinder schaffen?)

Nächster Punkt:

„Macht eure Hausaufgaben und bitte gleich nach der Schule und nicht erst abends!“
( das müssen sie, aber dieses Diktatorische“ jetzt gleich“ könnte ich weglassen, im Grunde mache ich das ja nur, weil ich weiss, dass ICH Abend zu müde bin für Hausaufgabendiskussionen)

„Ihr müsst nach 7 Tagen mal wieder duschen, ihr riecht muffig.“

( das – finde ich- habe ich schon nett formuliert…Unsere Babysitterin kommt aus Kolumbien und ist immer wieder empört, wie deutsche Kinder darüber streiten, ob einmal die Woche duschen genug ist. In Kolumbien werden Kinder JEDEN Abend in die Badewanne gesteckt. )

Diese Liste hier liesse sich bedenkenlos tagelang fortsetzen, aber das ändert nichts an dem Dilemma. Ich will den Feldwebel aus dem Haus entfernen und habe Angst, dass dann hier kommunenartige Bedingungen entstehen…Was tun? Wie Claire aus Modern Family zu enden, ist keine Option. Anti Autoritäre Zustände auch nicht.

Ich probiere es jetzt nochmal mit einem etwas freundlicheren Ton. Nach dem Motto, wie man in den Wald hineinruft, kommt es heraus. Ich bezweifle, dass auch nur einer von den beiden seine dreckige Wäsche wegräumt, wenn ich sie anlächele und bitte sage, aber einen Versuch ist es natürlich wert und vielleicht ändert es ja zumindest etwas IN mir, wäre ja auch schon nicht schlecht….

Eine Generation des Scheins und nicht des Seins…und was kommt danach?

Gestern Abend landete ich zu später Stunde aus purer Langweile (warum auch sonst tut man es) auf Instagram. Caro Daur, eine bekannte Influencerin startete gerade ein Live Video von sich. Die stets süsse, fast schon bedrohlich dünne Caro startet mehrfach am Tag Live Videos. Manchmal komme ich mir dann vor wie diese alten Frauen auf dem Dorf, die alles beobachten. Sie haben mir Angst gemacht als Kind, wenn sie mit verschränkten Armen hinter vergilbten Gardinen sassen und das Geschehen auf der Strasse beäugten. Ich war mir jedes Mal sicher, ich wäre an irgendetwas schuld und gleich würde eine Menge Ärger auf mich zukommen.

Zurück zu Caro. Ich stellte mir vor, wie ich via Instagram so eine alte Frau wäre, für Caro, für Stefanie (Giesinger) und für diese Bilou Frau, die mit ihrem Ehemann JEDEN ihrer Schritte kommentiert. Ich sitze tatsächlich zu Hause auf dem Sofa und schüttele meinen noch nicht ganz so alten Kopf, weil ich es so abartig finde, was für einen Mist diese Menschen von sich geben und dass zigtausende anderer Menschen diesen Mist so grossartig finden, dass deren Follower Zahlen ins Unermessliche steigen. Leider können mich Caro und Steffi nicht sehen, sonst hätten sie vielleicht auch ein bisschen Schuldgefühle, wobei so etwas wie Schuld in dieser Generation nicht gerade angesagt ist.

Caro beispielsweise – ich nenn sie jetzt mal so, das Internet gibt einem ja das Gefühl, dass wir alle Freunde sind, hat sich gestern aufgeregt, weil sie so viele Emails bekommt. Das arme Mädchen ist sehr gestresst, weil so viele Menschen was von ihr wollen. „Trag meine Mütze, präsentier mein Label, komm in unser Hotel, leg dich in meinem Bikini an den Pool und tue so als ob du trotz Dauerdiät eine Pizza isst!!! Und mach viele, viele Fotos davon. “ Im Prinzip ist das ja in Ordnung, es gibt Werbung seitdem (seit wann eigentlich?) wir Fernsehen haben, aber hat jemand den jungen Menschen, die diese Influencer angucken, schonmal gesagt, dass es eine ununterbrochenen Werbeendung ist? Naja selbst wenn, sie würde es wohl nicht stören. Das Prinzip ist ja immer das selbe: Angucken, staunen, imitieren. Auf keinen Fall in Frage stellen oder eben HATEN, mein Lieblingshasswort.

Das Leben ist Schein geworden, keiner weiss, wie Caro aussieht, wenn ihr Kühlschrank leer ist, die Toilette verschmutzt oder sie sich einsam fühlt und heulend ihre Eltern anruft, was sie sicher ab und an tut..Einfach zu sein, wie wir sind ist nicht bemerkenswert genug. Ich finde das so traurig.

Ich frage mich, was aus diesen Leuten wird, wenn der Trend irgendwann wieder zum Buch geht oder zum geschriebenen Brief. Meine Tochter wusste neulich nicht einmal was Adressat und Absender ist. Klar, braucht man ja auch nicht in einer Email.

Ich höre jetzt auf so rumzupesten und suche mir mit einer schönen antiken Turgenjew Ausgabe einen Platz am Fenster. Ich bin gerne in meiner alten Welt und bewahre sie mir wo ich kann. Ich liebe es, wenn die Protagonisten tagelang reiten müssen, um irgendwo anzukommen und alles so eine unendliche Zeit hat.

Früher habe ich immer gelacht, wenn meine Mutter genervt geknurrt hat, weil ihr Papa wieder seine Kriegsgeschichten rausgeholt hat. Wie oft mussten wir uns seinen Rommel Afrika Feldzug anhören und wie gut er es in Kriegsgefangenschaft hatte. Jetzt lasse ich meine Kinder knurren. Ich fürchte es kommt ihnen zu den Ohren raus meine Geschichten von Wald und Wiese, von langen Isar-Sommerabenden und meinen Büchern. Sie müssen mich für den totalen Nerd halten, aber das ist mir egal, sie werden eines Tages auch von ihren Kindern ausgelacht werden, wenn sie immer noch auf Instagram rumsurfen. Wahrscheinlich ist unsere Welt bis dahin ein einziges Live Video. Ich habe dann einen kleinen Weinberg in der Provence und das Wlan funktioniert kaum oder nur, wenn wir auf einen Hügel heraufsteigen. Dann schicken wir unseren Kindern und Enkeln ein kurzes Video, dass wir noch leben und steigen wieder herab. Ich hoffe, mein Mann findet das auch gut, ich muss dringend mit ihm sprechen…

Killerkatzenalarm und warum ich Tieropfer nicht so sehr schätze wie ich es sollte

Als wir uns vor vielen Jahren einen Kater anschafften, ging es neben den üblichen Gründen (die Kinder brauchen ein Haustier) darum meinen Mann etwas mehr Testosteron nach Hause zu holen, drei Frauen waren einfach zu viel.  Wir hatten die Qual der Wahl: Ein Hamster lebt sein Mannsein nicht genug aus, eine Schildkröte noch weniger, Vögel mögen wir beide nicht und ein Hund ist zwar niedlich, aber muss dauernd Gassi gehen (was ja im Prinzip gut ist, aber gegen mein Phlegma spricht). Also kam Keks in unser Haus. Bis zu seinem Tod vergangenen Sommer lebte er gemeinsam mit meinem Gatten das Männliche hier im Haus aus. Eigentlich war er sogar ein richtiger Macho, was mein Mann nur sehr selten ist. Und neben dem Macho sein, schleppte er alle paar Monate ein niedliches, totes Tierchen an. Meistens winzige Mäuse, die er im Grunde nur zu Tode erschreckte, zumindest sah man ansonsten keine Kampfspuren, essen wollte er sie nie. Ganz am Schluss zerlegte er noch einmal ein Eichhörnchen vor dem Gästezimmer-Fenster der angereisten Oma aus München. Ich sah es als echten Liebesbeweis und übertrug ihr die Ehre, die Eichhörnchen Innereien aufzuräumen.

Als Keks nicht mehr da war, wollten wir eine Haustierpause, doch dann schickte uns das Schicksal einen weiteren kleinen Kater, den seine Mutter nicht mehr wollte und wir umso mehr und wir fanden es war an der Zeit das Gender Gleichgewicht im Haus wieder herzustellen. Snoopy stellte sich als verspielte Hundewelpe heraus, er trottelte hinter uns her, spielte mit unseren Füssen und jedem Faden, der sich bewegte, in den Garten wollte er kaum und durch die Katzenklappe mussten wir ihn schieben, so wenig akzeptierte er dieses komplizierte laute Loch. Dann lieber stundenlang vor der Terassentür sitzen und uns vorwurfsvoll anstieren.

Leider werden kleine Katzenbabys schnell gross und ob man es will oder nicht: sie sind Jäger. Das erste Opfer brachte uns Snoopy kurz vor Weihnachten. Ich hatte gerade meinen Morgentee getrunken, da hörte ich es in der Küche fiepen. Die Tür zum Garten stand offen (ja, ich weiss, mein Fehler) und als ich nach meiner süssen Babykatze suchte, stand ich einer ausgewachsenen Riesen Maus gegenüber. Ich schrie, rannte, schmiss Türen zu und versuchte mich in der Kunst der Verdrängung. Als ich 20 Minuten später voller Mut wieder in die Küche kam, war das gigantische Felltier weg und ich zufrieden. Tage später musste ich feststellen, dass Snoopy ein viel zu grosses Interesse an einer Türritze im Wohnzimmer zeigte. Als ich mit der Taschenlampe hineinleuchtete, war klar warum: die Maus hatte sich in unser Haus geflüchtet und traute sich nicht mehr heraus. Als wir das Problem erkannten, war es im Prinzip schon zu spät, die Maus war noch am selben Abend gestorben, vor Hunger oder Durst oder beidem, egal, wir hatten das Problem, dieses Tierchen da herauszuholen und wussten nicht wie. Mein Mann hatte die glorreiche Idee den Staubsauger zu nehmen. Doch damit saugten wir nicht mal ein einziges Haar auf; Wir probierten es mit Fonduegabeln, wir flehten die Kinder an uns zu helfen (bitte eure Arme sind dünner und unsere zu fett :-)), aber die schreckten angeekelt zurück. Am Ende bauten wir mit Paketband und einer wunderbaren Fleischgabel vom Grill eine „Mausrausholmaschine“ und als wir sie endlich hatten, sahen wir: es war eine Ratte. Unser kleiner, niedlicher Babykater hatte uns als allererste Trophäe eine Ratte ins Haus geholt. Wir schmissen alle Fleischgabeln und Paketbänder, samt Ratte in den Müll und schworen uns nie wieder die Terassentür zu öffnen.

Bis zu diesem Sonntag. Snoopy musste irgendwann zwischen letzter und dieser Woche erkannt haben, wofür so eine Katzenklappe doch gut ist. Als wir Sonntag Abend nach Hause kamen war der ganze Keller Teppich voller Federn und in der Mitte lag eine Art Minirabe. Nein kein Vögelchen, ein Rabe. Unser Kater macht es nicht unter 10 Kilo. Wie üblich wiederholte sich das Prozedere: ich kreischte, die Kinder verschwanden urplötzlich und mein Mann musste ran. Ich bin stets für das Saugen zuständig, er für die Opferbeseitigung.

Heute Morgen kam ich von der Schule heim und freute mich auf einen Café, da lag da das nächste Tier. Ein winziges Mäuschen. Snoopy scheint ein Formtief zu haben. Leider war mein Opferbeseitigungsgatte nicht in der Stadt, also beschloss ich erst einmal den Café zu trinken und dann nachzudenken, wie ich das Problem ohne meinen Liebsten lösen könnte. Als ich wieder Richtung Maus guckte, war sie weg. Da ich häufig an meinem Verstand zweifele, ging ich drei mal raus und wieder rein, aber die Maus blieb weg. Mein altes ICH hätte gesagt, verdräng es, aber ein ungelobter Kater schafft es und zerlegt dir die Maus in Mäuseinnereien und legt sie dir in deine Winterschuhe. Also begab ich mich auf die Suche und fand das Minimäuschen hübsch drapiert auf dem Teppich im Keller. Genau an der Stelle, wo Sonntag der Rabe gelegen hatte. Mein kluger Kater muss sich gedacht haben: „Wenn die Alte das Opfer nicht würdigt, muss sie blind und dumm sein. Also leg ich es ihr dahin, wo schon einmal ein Opfertier entfernt wurde. “

Mein kluger, kluger Kater. Ich tat, was ich tun musste. Ich räumte sie weg. Ich lobte ihn für seine mutige Tat und dann fragte ich mich ob wir die Katzenklappe ab jetzt versperren.

Unser täglicher Irrsinn oder wie ich versuchte herauszufinden ob meine Tochter Täter oder Opfer ist

Vergangene Woche feierte meine Älteste ihren 11.Geburtstag. Ich weiss noch als ich 11 wurde. Die Welt erschien mir relativ einfach. Ich hatte Freundinnen am Gymnasium gefunden. Sie waren nett. Die, die nicht nett waren, waren mir egal. So war das 1982. Heute ist es anders. Man verfolgt die, die man nicht mag mit Hass und Häme, beschäftigt sich per Whats App chats damit, was alle anderen über den angeblich blöden Menschen denken und die „netten“, also die Freundinnen – wie wir sie 1982 noch nannten – laufen so nebenbei mit. Warum und wie sich das entwickelt hat, weiss ich nicht, aber ich habe stark meine ehemalige Branche, das Fernsehen im Verdacht mit diesen unendliche vielen Vorbildern an 10- jährigen, die geschminkt durch High Schools rennen, mit einem Handy in der Hand, das sie wie eine Waffe tragen und dazu ununterbrochen entrüstet und überdramatisch rufen, wie blöd der oder die ist.

Irgendwann zwischen 7 und 10 Jahren hatte ich vergessen meinen Kindern solche Serien zu verbieten. Ich hatte es schlicht und einfach nicht ernst genug genommen. Eine Tatsache, die ich inzwischen bereue.

Vergangene Woche klingelte an V.s Geburtstag mehrfach mein Telefon. Da ich die Nummer nicht kannte, ging ich nicht ran. Wir feierten Geburtstag, weniger wichtige Dinge durften einen Tag warten. Als ich an diesem Abend ins Bett ging und voller Liebe an mein erstgeborenes Baby dachte, was nun gross wurde, erreichte mich eine Whats App mit unbekanntem Absender:

„Liebe Frau W. , bitte melden Sie sich bei mir. Ihre Tochter V. MOBBT! meine Tochter. Ich habe bereits den Lehrern dazu geschrieben und es wird dringend Zeit, dass wir sprechen.“

RUMMS, die Nacht war beendet, bevor ich überhaupt geschlafen hatte.

Dass V. eine knackige Persönlichkeit hat, ist in der Familie allgemein bekannt (das Wort knackig erläutere ich ein anderes Mal, aber es hat durchaus viele Facetten). Aber Mobbing? Ich fühlte mich auf einmal wie ein Mann, der ungewollt in die MeeToo Debatte reingeraten war. „Sie sehen aber hübsch aus in der Jeans…“ Ha! Sexuelle Belästigung, er hat mich auf meinen Allerwertesten angesprochen….!!

Ungefähr so ging es mir. Mir war klar, dass V. wahrscheinlich einem Kind an der Schule ihre Meinung gegeigt hatte, aber gleichzeitig wurde ich unglaublich wütend, dass eine fremde Mutter mir einfach das Wort MOBBING per Whats App herüberschickt und das nicht nur mir, sondern auch gleich noch der Lehrerschaft.

Am nächsten Tag rief ich mit Herzklopfen die Mutter an und versuchte ihr zu erklären, dass das alles ein Missverständnis sein musste. Inzwischen hatte ich mit mehreren Menschen gesprochen und alle hatten mir versichert, dass das andere Kind mehrfach Schüler beleidigt hatte, mit Schimpfwörtern nur so um sich schmiss und auch schon mehrfach einen Eintrag ins Klassenbuch kassiert hatte. Hatte sich V. also nur gewehrt? Oder war es irgendwas dazwischen?

Wahrscheinlich war, dass beide Kinder die Unwahrheit sagten. Aber jetzt mal im Ernst: Würden Sie sich trauen einer fremden Mutter zu erklären, ihr Kind lügt, wenn man im Prinzip nicht weiss, WER lügt? Es ist so sinnlos, wie zu behaupten, dass ich in diesem Jahr täglich Sport machen werde. Was also tun? 2 ganze Tage schleppte ich mich müde und erschöpft vom Suchen nach Beweisen durch die Gegend. Inzwischen war ein Schlichtungstermin bei uns zu Hause ausgemacht worden und mir graute es. Wie sollte das ablaufen? Jene Mutter war überzeugt, dass ihr Kind wegen meiner Tochter weinte, Bauchschmerzen hatte und nicht mehr zur Schule gehen wollte. Ich dagegen war überzeugt, dass das andere Kind viel mehr Stärke besass, als seine Mutter sehen wollte. Da ich aber keine Versteckte Kamera in der Schule installiert hatte, wusste ich nicht wie sich V. dort verhielt.

Und dann kam mir mein Mann und die Kinder zur Hilfe. Als mein wundervoller Ehemann an dem Abend nach Hause kam und sah wie ich mich aufregte sagte er zu V. nur diesen EINEN Satz: “ Wenn du cool bist, löst du das Problem morgen auf dem Pausenhof und nicht mit Müttern bei uns im Wohnzimmer.“

Als ich am nächsten Tag Mittagessen machte, kam V. freudestrahlend an und sagte: „Mama, Problem gelöst, du musst heute Abend nicht mehr schlichten“. Voller Freude tanzte ich einen Mutter-Erleichterung-Tanz in der Küche. Wie das Ganze zustandekommen ist, ist mir allerdings immer noch nicht klar. Und wie aus Mobbing (sie sehen wie ich mich über dieses Wort aufrege) auf einmal ein kleiner, schnell beizulegender Kinder Streit wurde, noch weniger. Mir bleibt nur eine Bitte an alle Mütter:

Wenn Sie, wie ich aus den 70ern  kommen, erinnern sie sich bitte an diesen wunderbaren Satz: „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.“

So wurden früher Probleme gelöst. Nicht alles, was heute an Streit in der Schule passiert ist Mobbing, Cybermobbing oder gleich ein Verbrechen. Mischen Sie sich nicht immer ein, sondern geben Sie ihren Kindern die Chance ihre Probleme selbst zu lösen. Sie können das. Wenn es am Ende wirklich Mobbing ist, merkt man das deutlich und darf es auch sehr ernst nehmen. Für den Rest der Zeit gilt: zickige Kinder dürfen ihre Probleme gerne ohne Eltern ausmachen. Nur so werden sie eines Tages gross. Und wir Eltern haben eine Helikopter Baustelle weniger. Das lohnt sich und ist gut für unseren Energiehaushalt, Und davon hat auch die restliche Familie etwas.

Das letzte Schaf – eine so ganz andere, köstliche Weihnachtsgeschichte und das perfekte Last Minute Geschenk!

Man denkt immer, Schafe stehen friedlich auf dem Feld und kauen gemütlich Grashalme…. Dabei rennen sie in Wirklichkeit dauernd herum. Kein Schaf gönnt dem anderen etwas Aufregendes zum Fressen und so treten sie, schubsen und rennen andere über den Haufen. Nur nachts da schlafen sie – ganz eng aneinander. Sie haben nämlich Angst vor der Dunkelheit.

So beginnt die wunderbare Weihnachtsgeschichte von Ulrich Hub. Und schnell erfährt man, dass es in dieser EINEN Nacht im Jahre eins oder vier alles anders ist.

Als die Schafe in dieser Nacht in den Himmel schauen, entdecken sie einen hellen Stern. Kurz darauf erscheint eine riesige leuchtende Erscheinung, die singend verkündet: „Fürchtet euch nicht. Ich bringe euch eine frohe Botschaft!“ Die Schafe sind verwirrt und beschliessen, DAS muss ein UFO gewesen sein.

Doch dann bricht das Chaos aus. Erst fehlen die Hirten, die doch immer so gut auf sie aufgepasst haben und dann auch noch ein Schaf. Erst als das vermisste Schaf zurückkehrt, kann über die Zukunft beraten werden. Denn es gibt es da noch dieses Gerücht von einem neugeborenen, hübschen Mädchen, das einfach jeder in der Nähe sehen möchte.

Spontan entscheiden sich die Schafe das Mädchen zu finden und die Reise zur Krippe wird zu einem grossen Abenteuer. Immer wieder kommt ein Schaf abhanden, immer wieder erfahren die Schafe von einem neuen Gerücht.Das Catering rund um das grosse Event soll miserabel sein und sich über ein passendes Geburts-Geschenk Gedanken zu machen ist für die Schafherde auch neu.

Fazit: Meine kleine Tochter (9) LIEBT dieses Buch schon jetzt und hütet es wie einen heiligen Gral. Zum einen wegen der wunderbar beschriebenen Schafe: Eines hat beispielsweise einen Seitenscheitel und wird laut Buch als einziges noch morgens von den Hirten gekämmt, während alle anderen „sich nicht mehr in ihre Frisuren hineinreden lassen“.  Obwohl Schafe Angst im Dunkeln haben, fangen sie im Buch an „Nachtwanderungen“ zu lieben. Überall sind kleine wunderbare Details, die einen zum Schmunzeln bringen. Die Illustrationen von Jörg Mühle fachen die Phantasie dabei noch mehr an. Und nebenbei zeigt es uns Grossen und Kleinen wie Ängste gemeinsam überwunden werden können.

Ein wunderbares Last Minute Weihnachtsgeschenk für Kinder UND Erwachsene, eine Geschichte, die so originell wie witzig daherkommt und  die wir von ganzem Herzen weiterempfehlen wollen.

 

 

 

Unsportliche Mütter – sportliche Kinder? Geht das überhaupt?

Um es einmal ganz simpel in Worte zu fassen. Sport war als Kind nicht meine Priorität. Meine Priorität lag vielmehr im Lesen, Kartenspielen, Essen und wieder Lesen. Ich will nicht sagen, dass ich ein totaler Nerd war, aber da ich seit dem Babyalter eine Hüfterkrankung hatte, hatten mir Eltern und Ärzte immer wieder versichert, dass Skifahren gefährlich ist, Reiten sowieso, Tennis die Gelenke überbeansprucht und im Grunde nur Krankengymnastik das Richtige für mich sei.

Kennen Sie EIN Kind, dass Krankengymnastik mag? Ich auch nicht, also wurde mein Sport das Bücherlesen.

Erstaunlicherweise bin ich damit ganz gut gross geworden. Wer 7 Mal die Unendliche Geschichte am Stück liest, wird damit zwar noch nicht zum Intellektuellen, aber glücklich. Dass meine Freunde ihre Zeit beim Tennis, Hockey, Reiten oder Leichtathletik verbrachten, störte mich nicht. Irgendwann hatten sie immer Zeit – damals waren Kinder ja noch nicht so verplant wie heute; und als wir alle ins Teenager Alter kamen, lagen wir sowieso nur noch am Isarstrand, um unsere Figuren und Bräunungsgrade zu vergleichen.

Sie sehen, ich habe keine besonders grosse Vorbildfunktion für meine Kinder. Mein Abi habe ich so lala geschafft, studiert habe ich auch nicht, aber – und das muss ja dennoch mal erwähnt werden, ich bin ein glücklicher Mensch (meistens).

Warum ich das alles vorausschicke? Naja, seitdem ich Kinder habe, denke ich natürlich, das, was alle Eltern denken: WAS ist bei MIR schiefgelaufen? Und WAS werde ich demzufolge bei MEINEN Kindern ändern? Die Antwort: ganz klar, Sport. Also war schon früh klar, dass meine Kinder Sportskanonen werden müssen.

Wir haben in der Folge (viel zu früh) Ballett ausprobiert und fallengelassen. Hockey fanden meine Kinder öde („warum sollen wir mit all den anderen Kindern diesem blöden Ball hinterherrennen?“), dann kam das erste Ponyreiten (fallengelassen, weil ich im Winter zu sehr in der Halle gefroren habe und nicht noch mehr Blasenentzündungen wollte), Turnen („die Lehrerin ist so streng, Mami, da gehe ich nicht mehr hin“) usw. und so fort.

Das Problem, das sich schnell zeigte, war: Wenn sie etwas nicht wollten, fehlte mir der Ehrgeiz darauf zu bestehen. Denn wer als Kind nicht sportlich war, dem fehlt auch die Kraft Kinder dazu anzutreiben. Freundinnen von mir, die als Kind schon im Verein waren, fahren heute Wochenende für Wochenende mit ihren Kindern zu Turnieren, schlafen in Jugendherbergen auf harten Betten und freuen sich (oder tun zumindest so). Ich dagegen freue mich, wenn ich mit den Mädchen auf dem Sofa liege und wir ein gutes Buch gelesen haben oder den Harry Potter Film zusammen gucken.

Trotz all meines angeborenen Phlegmas haben wir es nach fast 10 Jahren dennoch geschafft, dass beide Mädchen Sport treiben. Eine spielt Tennis und die andere reitet, beide tanzen. Ob das alles wirklich so wichtig ist, weiss ich nicht. Für mich zählt, dass sie an etwas Spass haben, sich bewegen anstatt sinnlose Whats app Chats zu schreiben und natürlich ab und zu auch mal etwas wagen, was aufregend ist und sie an ihre Grenzen bringt.

Meine Grosse hat an diesem Wochenende zum Beispiel erstmals an einem Reitturnier teilgenommen. Vorher hat sie noch jedem erzählt, dass ich schuld bin, dass sie ausgerechnet für den schwierigsten Wettkampf angemeldet wurde (war ich nicht, ich hatte selbstverständlich gar keine Ahnung, dass es da überhaupt Unterschiede gibt). Als sie gestern unter fast 27 Kindern den 2. Platz machte, war von mir und meinem unglaublichen Fehlverhalten keine Rede mehr.

Seit gestern trägt sie den Kopf höher, den Rücken gerader und ich muss feststellen, dass Sport am Ende doch für etwas gut ist: Es stärkt das Selbstbewusstsein unserer Kinder und das macht uns Eltern zu Recht stolz. Ich bleibe dran und falls es jemanden interessiert, ich habe auch angefangen Sport zu treiben. Ist ja noch nicht zu spät, oder???

 

und ich bin doch so stolz...

Was wäre wenn das Internet kaputt wäre – ein wunderbares Buch für Kinder findet Antworten

Max, Tiffany und Luisa sind bei Oma und Opa zu Besuch, als ES passiert: Das Internet ist kaputt und für die drei Heranwachsenden ist schnell klar, wer der Übeltäter ist. Oma.

Irgendetwas hat sie getan, dass nicht nur zu Hause nichts mehr funktioniert, sondern auf der ganzen Welt. Opa kann auf einmal nicht mehr seine Dokus gucken, Max (10) ist empört, weil er keine Raumschiffe mehr abschiessen kann und die 14 -jährige Luisa ist richtig sauer, weil sie ihre geliebte Musik nicht mehr hören kann. Und das mitten in den Ferien. Langeweile ist vorprogrammiert.

Doch was macht man auf einmal ohne das Internet? Zuerst kommen überraschend Mama und Papa nach Hause. Papa hat Erdbeeren dabei, weil sein Navi ihm den Weg nicht mehr zeigen konnte – und er auf dem Weg an einem Erdbeerstand vorbeigekommen ist.  Keiner will ihm das so richtig glauben, aber Papa bestätigt, dass er ohne sein NAVI nicht mehr wüsste, wie er heimkommt.

Während das Internet also lahmliegt überlegt die Familie, was man nun tun könnte. Ein Pizzabote kommt vorbei, der den Weg zu seinen Kunden nicht mehr findet und sich mit Luisa anfreundet. Und schliesslich erfinden sie alle Geschichten, wie die Oma es geschafft haben könnte das Internet auszuschalten. Getanzt wird am Ende mit Opas altem Kofferradio und irgendwie entwickelt sich der Tag dann noch zu einem richtig guten Ferientag. Bis…..

…der Techniker kommt, der den weltweiten Schaden bis zur Oma zurückverfolgt hat und nun das Internet repariert..Wen wundert das danach sofort wieder alle in ihre Ecken verschwinden. Max spielt, Luisa hört Musik, Opa guckt Dokus, nur die kleine Tiffany ärgert sich. Sie und Oma haben als Einzige erkannt, wie schön, dass Leben ohne Handys ist. Und am Ende versuchen sie es mit einem weiteren Klick einfach wieder auszuschalten.

Fazit: ein wunderbares und humorvolles Buch über DAS Laster unser Zeit. Anstatt einfach mal zusammen zu spielen, tauchen die Familienmitglieder mit Handys oder Computer jeder in seine Ecken ab. Welche Familie fühlt sich da nicht angesprochen und nimmt sich Woche für Woche vor, ein Digital Detox einzuführen. Dank grosser Schrift und schöner Bilder ist das ein wunderbares Buch für Leseanfänger oder auch für Jüngere, deren Eltern es ihnen vorlesen. Und mir hat es auch gut gefallen, weil es mich immer wieder erinnert, wie wichtig GEMEINSAME Zeit ist.